Uni Hohenheim

Das Fake-News-Experiment

published: 01.08.2017

Digitales Experiment: Ein Forscherteam postet Fake News um deren Verbreitung in sozialen Medien zu untersuchen (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com) Digitales Experiment: Ein Forscherteam postet Fake News um deren Verbreitung in sozialen Medien zu untersuchen (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Früher galt: Wer flüstert, der lügt. Heut gilt immer öfter: Wer postet, der lügt. Willkommen in 2017, willkommen im Zeitalter der Fake News. Gefälschte Nachrichten, die mit reißerischen Schlagzeilen und gefälschten Bildern gezielt Lügen und Propaganda in sozialen Netzwerken verbreiten, sind längst in unserem Alltag angekommen — leider.

Wie gefährlich Fake News sind, haben Forscher der Universität Hohenheim in Stuttgart nun in einem einmonatigen Experiment untersucht — indem sie selbst Fake News verbreiteten. Das Ergebnis: Innerhalb von nur 60 Stunden Arbeitszeit konnten sie über 11.000 Menschen auf sozialen Netzwerken erreichen — oder vielmehr belügen.
 

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Wie das Experiment begann

"Gratis-Sex für Asylanten — Landratsamt zahlt“ — so lautete die fingierte Meldung, die das dreiköpfige Forscherteam der Uni Hohenheim im April 2017 ins Internet brachte, um die Ausbreitung von Fake News zu beobachten. Im Vorfeld war dazu natürlich ausreichend Planung notwendig: Das Team, bestehend aus Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Wolfang Schweiger und zwei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen, hatte einen Nachrichten-Blog sowie eine Facebook-Seite mit dem Namen "Der Volksbeobachter“ gegründet und vier Fake-Facebook-Profile erstellt.

Über die Facebook-Seite und den Nachrichten-Blog veröffentlichte das Team in den ersten zwei Wochen zuerst zwar echte, aber propagandistische Nachrichten über die Themen Flüchtlingspolitik sowie kriminelle Migranten. Die Fake-Profile dienten dazu, diese einseitigen Nachrichten via Facebook zu verbreiten und damit den Boden für die vorbereiteten Fake News zu ebnen.
 

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Ein Post voller Lügen

Nach dieser Vorbereitungsphase veröffentlichte das Team dann letztlich die geplante Falschmeldung über den angeblichen Gratis-Sex: In dem erfundenen Ort "Bad Eulen“, so lautete es in der Meldung, würden jeden Mittwoch Prostituierte in ein Flüchtlingsheim kommen, finanziert vom Landratsamt. Das war natürlich vollkommener Quatsch — Fake eben. So absurd diese Falschmeldung auch klingt: Über 11.000 Menschen hat sie erreicht, über 150 Mal wurde sie geteilt.

Auch wenn einige den Fake erkannten und kommentierten, dass Bad Eulen gar nicht existiere, zieht Schweiger in einem Interview mit dem Südwestrundfunk (SWR) das Fazit, dass er die Entwicklung von Fake News im Netz besorgniserregend finde und es heutzutage immer schwerer sei, zu erkennen, was wahr oder falsch ist. Denn: Fake News sind längst kein Randphänomen mehr, sondern Teil unseres Alltages — vor allem im politisch rechten Spektrum. Umso erschreckender sei es, mit wie wenig Aufwand sich schnell eine große Reichweite erzielen lasse.


 
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Zurück bleibt ein ungutes Gefühl

Das Experiment wurde mittlerweile von den Forschern aufgedeckt und die Facebook-Seite sowie der Nachrichten-Blog als Fake kenntlich gemacht. Und auch wenn es von einigen Seiten Kritik an dem Experiment gibt, die sicherlich nicht ganz unberechtigt ist, hat das Forscherteam ein großes mediales Echo erzeugt und einen gesellschaftlichen Diskurs neu entfacht. Der bittere Nachgeschmack der Ergebnisse bleibt.
 

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Fake News einfach erklärt (explainity® Erklärvideo) Immer wieder wird darüber berichtet: Fake News haben besonders während und nach dem US-Wahlkampf für Wirbel gesorgt! Vor allem im Wahljahr 2017 wird auch in Deutschland über ihren Einfluss auf die Fake News einfach erklärt (explainity® Erklärvideo)

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Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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Links

Zum Fake-Nachrichten-Blog "Der Volksbeobachter"
Zur Fake-Facebook-Seite ""Der Volksbeobachter“
Die Universität Hohenheim im Web
Mehr Infos zu Fake News auf bpb.de
Zum Artikel "Uni Hohenheim experimentierte mit Fake News" auf swr.de
Der Südwestrundfunk (SWR) im Web
Zum Artikel "Puff-Gutscheine aus dem Elfenbeinturm: Medienforscher blamiert sich in der ARD beim Thema Fake-News" auf meedia.de

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