Klassik & Kultur · Klassische Konzerte

Münchner Philharmoniker | Musikfest Berlin 2019

Münchner Philharmoniker | Musikfest Berlin 2019

Mit Bruckners lange verkannten Sechsten Symphonie setzt Valery Gergiev seine Bruckner-Interpretationen mit den Münchner Philharmonikern beim Musikfest Berlin fort und kombiniert sie mit Schnittkes monumentaler pluralistischen Ersten Symphonie.

Bruckner kam von einer Reise zurück, von seiner einzig wirklich langen Reise, als er seine Sechste Symphonie schrieb. Vielleicht geriet sie deshalb so anders als die anderen, weniger monumental, fließender, fast ohne die notorischen Nachhallpausen, die man so gern zu seinen Stilmerkmalen rechnet. Vielleicht stand sie deshalb auch so lange im Schatten ihrer Nachbarinnen, der Fünften, dieser kunstreichen Klangkathedrale, und der Siebenten, dieser Lebens- und Hoffnungsmusik mit Trauerband im langsamen Satz. In den letzten Jahren aber hat sich in der Bruckner-Rezeption einiges geändert. Die A-Dur-Symphonie fand auf einmal mehr Aufmerksamkeit, als hätte sich die internationale Dirigentenelite abgesprochen, dieses Juwel nicht länger links liegen zu lassen.

Valery Gergiev, der bei seiner Interpretation auf einer langen, besonderen Bruckner-Tradition in München aufbauen kann, schickt der Sechsten ein ähnlich ausgreifendes Werk voraus, Alfred Schnittkes „Erste Symphonie“, die in den frühen 1970er Jahren komponiert wurde – „ein Werk“, so der Komponist, „in dem ich viel ausprobiert habe. Da kommen zum Beispiel harte, aggressive und tonsprachlich massive Variationen über das ,Dies irae‘ vor. Man hört es zuerst nicht deutlich, dann wird es immer deutlicher, wird zu einem Raster für eine Zwölftonreihe, und auf einmal nehme ich zwei Töne davon, die zufällig mit einem Schlager identisch sind, und es komm plötzlich ein Stückchen von diesem Schlager, und das Ganze kippt um in Banalität, was eigentlich gar nicht so falsch ist, denn ,Dies irae‘ und teuflische Banalität, das hat eine Verbindung. – Motivische Zusammenhänge sind immer sehr wichtig … und da kann man mit einer Zwölftonreihe nicht auskommen. Es muss doch wieder ein anderes motivisches Denken kommen, das viel pluralistischer ist“. Es kam.

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