Neue Studie

Essen als Sucht

published: 04.09.2013

Süßigkeiten aktivieren Suchtzentren im Gehirn (Foto: Public Address) Süßigkeiten aktivieren Suchtzentren im Gehirn (Foto: Public Address)

Viele kennen es: Obwohl der Hosenbund immer mehr kneift, hört man nicht auf zu essen. Gerne gönnt sich die Naschkatze im Laufe des Tages die zweite Tafel Schokolade und peilt nach ab 22 Uhr mit dem Löffel das verführerische Glas Nuss-Nougat-Creme an. Warum fällt der Verzicht auf übermäßiges Essen so schwer? Wieso gelingt es vielen Menschen nicht, die Kalorienaufnahme einzuschränken? Schließlich weiß der stark Übergewichtige bei rationaler Betrachtung ja, dass er sich gesundheitlich keinen Gefallen tut. Diesen Fragen ist Dr. Belinda Lennerz aus der Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin nachgegangen. Das Ergebnis ihrer am Harvard Children’s Hospital Boston (USA) durchgeführten Studie: So genannte raffinierte Kohlenhydrate aktivieren Suchtzentren im Gehirn. Vermeidet man diese Kohlenhydrate, kann das dazu beitragen, die suchtartigen Heißhungerattacken einzuschränken.

Versuch mit Shakes

"Wir haben zwölf gesunden, übergewichtigen Männern Milchshakes mit hohem glykämischem Index oder niedrigem glykämischem Index gegeben", so Lennerz. Dieser Index ist ein Maß zur Bestimmung der Wirkung eines kohlenhydrathaltigen Lebensmittels auf den Blutzuckerspiegel. "Weißmehl, Zucker und Süßgetränke führen beispielsweise zu einem hohen Blutzuckeranstieg und haben somit einen hohen glykämischen Index. Allerdings fällt der Blutzucker im Anschluss auch rasch wieder ab, was zu verstärktem Hunger führt. Nach dem Verzehr von Gemüse und Hülsenfrüchten steigt der Blutzucker hingegen kaum, diese Lebensmittel haben einen niedrigen glykämischen Index."

Suchtzentrum stimuliert

Vier Stunden nach Aufnahme der jeweiligen Milchshakes wurden die Gehirnaktivität und der Blutzuckerspiegel der Probanden gemessen. "Wie erwartet zeigte sich, dass Männer, die den Milchshake mit hohem glykämischem Index zu sich genommen hatten, einen raschen Blutzuckeranstieg und -abfall bis in die Unterzuckerung aufwiesen." Außerdem stellten die Forscher fest, dass im Vergleich zu den Shakes mit einem niedrigen glykämischen Index eine bestimmte Hirnregion stark aktiviert wurde die auch eine zentrale Rolle bei Suchtverhalten spielt.

So geht es zu weniger Gewicht

Die Forscherin weist in Bezug auf die Versuchsanordnung darauf hin, dass die Milchshakes – abgesehen vom glykämischen Index – einen identischen Kalorien-, Fett-, Eiweiß- und Kohlenhydrat-Gehalt aufwiesen. "Auch geschmacklich gab es keinen Unterschied", versichert Dr. Lennerz. Ihr Fazit: Raffinierte Kohlenhydrate aktivieren Suchtzentren im Gehirn. "Vermeidet man Lebensmittel mit hohem glykämischem Index, bleiben auch suchtartige Heißhungerattacken weitgehend aus. So lässt sich eine Gewichtsreduktion leichter und auch dauerhafter realisieren", so die Forscherin.

[idw/PA]

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