Pointer-Autorin Hanna erzählt von ihrer Umstellung auf vegane Ernährung (Foto: Rawpixel.com) Pointer-Autorin Hanna erzählt von ihrer Umstellung auf vegane Ernährung (Foto: Rawpixel.com)
Erfahrungsbericht

So war der Umstieg auf vegane Ernährung für mich

Seit Anfang des Jahres ernähre ich mich vegan. Ich esse weder Eier noch Milchprodukte und achte auf die Zutenlisten der Produkte im Supermarkt. Wer nicht in einer fortschrittlichen Großstadt, sondern wie ich in einem kleinen Dorf zwischen Bauernhöfen wohnt, kennt die vegane Ernährung oft eher aus dem Internet als aus dem persönlichen Umfeld. In meiner Familie bin ich die einzige Veganerin, in meinem Freundeskreis gibt es sehr wenige. Dennoch habe ich diese Entscheidung für mich getroffen. Hier erzähle ich von den Gründen und davon, wie der Umstieg für mich war.

Der Weg

Seit fünf Jahren ernähre ich mich vegetarisch. Der Grund dafür war, dass mir zum ersten mal klar wurde, dass die Maisfelder in der Nähe meines Zuhauses nicht dafür da sind, Menschen zu ernähren, sondern um Tiere zu füttern, die wir Menschen dann essen. Das erschien mir wie eine unglaubliche Platzverschwendung und Sinnlosigkeit in Anbetracht des Hungers, der an vielen Orten der Welt herrscht. Damals auf Fleisch und Fisch zu verzichten, fiel mir eigentlich gar nicht schwer. Alles was aus dem Meer kommt, mochte ich sowieso nicht. Fleisch aß ich mit der Zeit immer weniger, bis ich mir dachte: "Dann kannst du es jetzt auch ganz lassen." Seitdem lebe ich vegetarisch und vermeide auch Zutaten wie Gelatine und Kollagen. Damit ging es mir erst einmal gut, aber im Hinterkopf wusste ich immer, dass ich Veganismus für sinnvoll halte, und die komplett pflanzliche Ernährung in meinen Augen die Idealform darstellt. Ende letzten Jahres habe ich mich dann zum ersten Mal gezielt mit dem Thema auseinandergesetzt. Dann war mir schnell klar, dass es keine andere Option für mich gibt.
 


Das große Warum

Die konkreten Gründe dafür, dass ich mich vegan ernähre, sind relativ leicht erklärt. Ich möchte kein System unterstützen, dass in meinen Augen Schlechtes tut, viel Leid verursacht und einen großen Teil zu negativen sozialen und ökologischen Entwicklungen beiträgt. Mein eigener, kurzzeitiger Genuss ist mir nicht genug wert, als dass ich ihn deswegen vor mir selbst rechtfertigen könnte. Dazu sei gesagt, dass ich inzwischen geschmacklich rein gar nichts vermisse. Mir wurde klar, dass ich es nur deswegen normal finde, die Milch von Kühen und die Eier von Hühnern zu essen, weil ich so sozialisiert wurde und es in meiner Kultur verankert ist. Einen Unterschied zwischen Tierarten zu machen, die eine als Haustier lieb zu haben und die andere auszubeuten, widerspricht mir. Der letzte Grund ist: Weil es einfach ist. Heute ist es angesichts der große Produktvielfalt so leicht wie wahrscheinlich noch nie, sich vegan zu ernähren, und ich habe das Glück, die Mittel und die Zeit zu haben, mich mit gesunder, pflanzlicher Ernährung auseinanderzusetzen.
 


Wie gut hat es geklappt?

Erstaunlich gut und das von Anfang an. Ich glaube, das lag zum einen daran, dass ich schon als Vegetarierin viele vegane Optionen ausprobiert habe, was Milch und Joghurt angeht. Meinen Kaffee trinke ich zum Beispiel schon lange mit Hafermilch. Einige pflanzliche Koch- und Backrezepte kannte ich auch schon. Außerdem hatte ich von Beginn an das Mindset, dass ich es einfach mal versuchen will, auf meinen Körper höre und nicht sofort einen strengen Cut machen muss. Dadurch habe ich mir selbst keinen zu großen Druck gemacht und den ersten Monat als eine Art Übergang betrachtet. In dieser Zeit habe ich für mich selbst nur noch vegane Lebensmittel gekauft und gegessen. Wenn ich aber beispielsweise bei meiner Schwester zu Besuch war und Lust auf ein Eis hatte, habe ich es einfach gegessen. Schließlich musste ich den Menschen in meinem Umfeld zunächst mal erzählen, dass ich jetzt nichts Tierisches mehr essen möchte.
 


Schwierigkeiten

Meine eigene Küche umzustellen, war gar nicht so schwer. Am Anfang habe ich dem Käse auf meiner Pizza hinterhergetrauert. Aber dann habe ich eine Alternative gefunden, die schmeckt und gut schmilzt. Schwieriger ist es, wenn andere Menschen im Spiel sind. Ich möchte keine Last sein und mit meiner Entscheidung niemanden negativ beeinflussen. Zu meinem Geburtstag haben mir meine besten Freundinnen beispielsweise einen Kuchen gebacken, der alles andere als vegan war. Da sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, dass ich mich vegan ernähren will, und der Kuchen ja nun schon da war, habe ich ein Stück davon gegessen, und das war auch okay für mich. Wenn ich mich jetzt mit meiner Familie zum Kaffee treffe, biete ich freiwillig an, einen Kuchen zu backen, und bringe meine Pflanzenmilch mit. Ich möchte meinem Umfeld keine Last sein.

Wenn ich mit Freunden picknicken gehe, packe ich vegane Snacks ein, die allen schmecken. Dazu muss gesagt werden, dass durch den Lockdown zu Beginn des Jahres noch gar nicht so viele Treffen stattgefunden haben. Wie ich mit dem Ganzen umgehe, wenn es wieder größere Veranstaltungen oder Feste gibt, weiß ich noch nicht, aber das wird sich zeigen. Inzwischen kann ich ganz gut abschätzten, in welchen Situationen es Sinn macht, meine Ernährungswahl zu erklären, und wann es einfacher und stressfreier ist, der Diskussion aus dem Weg zu gehen. In der Regel ist mein Umfeld aber positiv eingestellt oder hat zumindest nicht das Bedürfnis, sich groß einzumischen.
 


Welche Veränderungen gibt es?

Kurz gesagt: Eigentlich keine. In der veganen Community kursieren Theorien über die wildesten Optimierungen, die mit der Ernährungsumstellung einher gehen sollen. Von mehr Energie über weniger Krankheiten und bessere Haut bis hin zu einer Verbesserung der Sehfähigkeit ist manchmal die Rede. Ich kann von nichts dergleichen berichten. Ich war vorher fit und bin es immer noch. Das einzige, was sich wirklich verändert hat, ist, dass ich beim Essen stets ein gutes Gewissen habe und das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Nach ungefähr drei Monaten habe ich mein Blut beim Arzt checken lassen und keinerlei Mangelerscheinungen gehabt. Allerdings war das auch ein bisschen früh, und ich werde in etwa in einem halben Jahr erneut einen Test machen. Ich supplementiere Vitamin B12. Ansonsten nehme ich erstmal keine Nahrungsergänzungsmittel und bin rundum glücklich mit meiner Entscheidung, vegan zu werden.

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Die Autorin: Hanna Kunst
Die Autorin: Hanna Kunst

Die Autorin: Hanna Kunst

Sonnenliebhaberin, Lockenkopf, Enthusiastin – Hanna wuchs am Rand von Hamburg auf und schätzt das Landleben ebenso wie den Trubel der Hansestadt. Seit 2020 studiert sie Kulturwissenschaften in Lüneburg und findet dabei Medientechnik und Stadtplanung besonders spannend. In ihrer Freizeit hört sie gern Livemusik, probiert neue Rezepte aus, macht Yoga und fotografiert analog. Für Pointer schreibt Hanna über Lifestyle-Themen und führt als Reporterin Interviews.