Krankschreibungen

Eltern fehlen weniger

published: 29.06.2016

Beschäftigte mit familienversicherten Kindern waren im letzten Jahr 2,3 Tage weniger krankgeschrieben. Das geht aus dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse hervor (Foto: Techniker Krankenkasse) Beschäftigte mit familienversicherten Kindern waren im letzten Jahr 2,3 Tage weniger krankgeschrieben. Das geht aus dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse hervor (Foto: Techniker Krankenkasse)

Kinder sind gut für die Gesundheit. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2016 hervor, den die Techniker Krankenkasse (TK) am Mittwoch, 29. Juni, in Berlin vorgestellt hat. Danach waren Beschäftigte mit familienversicherten Kindern 2015 statistisch gesehen 2,3 Tage weniger krankgeschrieben und bekamen auch weniger Medikamente verschrieben als Beschäftigte ohne Kinder. Für den Report wertete die Krankenkasse die Krankschreibungen und Arzneimitteldaten ihrer 4,6 Millionen versicherten Erwerbspersonen aus. Im Themenschwerpunkt widmet sich der diesjährige Report der Sandwichgeneration zwischen 30 und 44 Jahren.


Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: "Wir sprechen bei dieser Generation oft von der Doppelbelastung von Familie und Beruf. Bei vielen Beschäftigten ist es sogar eine Dreifachbelastung, wenn sie auch ihre Eltern pflegen. Deshalb finde ich es gut und wichtig zu zeigen, dass Familie auch eine Ressource ist, die positiv auf Gesundheit wirkt. Die Vereinbarkeit verdient einen größeren Stellenwert im Gesundheitsmanagement von Betrieben und Krankenkassen. Wie wir nun sehen, ist das nicht nur Kosmetik für das Arbeitgeberimage, sondern auch unternehmerisch klug."


Im Durchschnitt waren die bei der TK versicherten Erwerbspersonen im letzten Jahr 15,4 Tage krankgeschrieben. Diejenigen mit familienversicherten Kindern fehlten mit 14,3 Tagen einen guten Tag weniger, die ohne Kinder lagen mit 16,5 Tagen gut einen Tag über dem Durchschnitt. Dr. Thomas Grobe vom AQUA-Institut, der die Daten für die TK auswertete: "Auffällig ist allerdings, dass sich dieser Trend erst ab dem 40. Lebensjahr abzeichnet. In den jüngeren Jahrgängen liegen die Fehlzeiten bei Eltern noch höher, ab 40 dreht sich das Verhältnis um und sie sind weniger arbeitsunfähig. Die Schere wird mit zunehmendem Alter immer größer. Bei den über 55-Jährigen beträgt die Differenz über eine Woche." Über alle Altersgruppen zeigt sich aber, dass Väter und Mütter mit familienversicherten Kindern weniger Psychopharmaka verschrieben bekommen als Erwerbspersonen ohne. Bei den Männern beträgt die Differenz drei, bei den Frauen sogar fast sieben Tagesdosen.

Frühere Umfragen der TK bestätigen, dass Familie und Freunde ein wichtiger Ausgleich sind. Dr. Sabine Voermans, Leiterin der TK-Prävention: "Wir wissen aus unseren bevölkerungsrepräsentativen Umfragen, dass Familie und Freunde immer wieder an erster Stelle genannt werden, wenn wir nach Anti-Stress-Strategien fragen."


Auch für Arbeitsmediziner Klaus Jumpertz, der viele Unternehmen wie die Eppendorf AG in Fragen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements berät, ist die Familie eine wichtige Säule, wenn es um die Gesundheit von Beschäftigten geht: "Die Arbeitswelt verändert sich rasend schnell, Anforderungen variieren. Viele haben das Gefühl, funktionieren zu müssen und austauschbar zu sein. Gute soziale Bindungen wie Familie und Freunde sind deshalb eine wichtige Konstante und ein guter Rückzugsort."

Parallel zum Gesundheitsreport stellte die TK die Studie "Job & Gesundheit" (JuGs) vor. Dafür wertete sie die Mitarbeiterbefragungen der TK-Berater für Betriebliches Gesundheitsmanagement der vergangenen zwölf Jahre aus. Über 8.500 Fragebögen aus dem ganzen Bundesgebiet flossen in die Analyse ein. TK-Chef Baas: "Erstmals liegt uns eine Metastudie vor, die zeigt, wie sich das Arbeitsleben der Beschäftigten tatsächlich verändert. Erfreulicherweise sind sieben von zehn Befragten mit ihrer Jobsituation zufrieden. Auch das ist natürlich eine wichtige Gesundheitsressource. Denn eine Arbeit, die zufrieden macht, und ein gutes privates Umfeld wirken positiv auf unsere Gesundheit. Aber es geben auch viele - inzwischen fast jeder Zweite - an, dass der Belastungslevel steigt. Gut sechzig Prozent fühlen sich gestresst."


Die Langzeitergebnisse wurden zu zwei Befragungszeiträumen zusammengefasst. In der ersten Phase von 2002 bis 2009 gaben drei von zehn Beschäftigten an, dass ihre Arbeit sie auch nach Feierabend stresst, in den neueren Befragungen zwischen 2010 und 2015 waren es schon über 47 Prozent. Präventionsexpertin Dr. Sabine Voermans: "Hier ist jeder Einzelne, aber auch die Krankenkassen und Arbeitgeber gefordert, Strategien für ein gesundes Arbeiten 4.0 zu entwickeln." Als schnell wirkendes, kostengünstiges und dennoch sehr wirksames Mittel empfahl Voermans, den Mitarbeitern mehr Wertschätzung zu zeigen. Denn fast jeden vierten Beschäftigten belastet die mangelnde Anerkennung. Gefragt, wie es ihnen insgesamt geht, bewertete nur die Hälfte der Befragten den eigenen Gesundheitszustand als gut oder sehr gut, ein gutes Drittel ist zufrieden und 15 Prozent fühlen sich weniger gut oder schlecht.

[TK]

Links

Techniker Krankenkasse im Web

ANZEIGE

Das könnte dich auch interessieren:

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung