Keimfalle Smartphone

Ist dein Handy ein Krankmacher?

published: 20.03.2017

Am besten täglich: Nur konsequentes Reinigen hält dein Smartphone keimfrei (Foto: progressman/shutterstock.com) Am besten täglich: Nur konsequentes Reinigen hält dein Smartphone keimfrei (Foto: progressman/shutterstock.com)

Wer oder was ist der beste Freund des Menschen? Falsch, nicht der Hund - das Smartphone natürlich! Wo wir auch gehen und stehen ist es treu an unserer Seite und erleichtert uns in jeder Lebenslage den Alltag. In Sachen Brutstätte für Bakterien ist dein Vierbeiner übrigens harmlos im Vergleich zum Handy. Auf dem Smartphone tummeln sich mehr Bakterien und Viren als auf einem Toilettensitz. Besonders auf der Touchscreen-Oberfläche finden sie optimale Lebensbedingungen vor. Es ist nicht verwunderlich, dass unsere Handys derartige Keimfallen sind, schließlich berühren wir sie durchschnittlich 2617-mal pro Tag, wie eine Studie des amerikanischen Marktforschungsinstituts dscout herausfand. Da wir uns nicht vor und nach jedem Entsperren und WhatsAppen die Hände waschen, verweilen die Keime ungehindert sowohl auf dem Telefon als auch an unserem Körper.



Allein zehn bis 30 Erkältungsviren in der Nase reichen aus, um eine Erkältung auszulösen. Beim Telefonieren klebt unser Smartphone nicht nur am Ohr, sondern erleichtert den Krankheitserregern auch den Weg zu Mund und Nase. Dort können sie allerhand Infektionen verursachen. Und damit nicht genug: Ein britischer Forscher fand 2011 heraus, dass sich auf dem Smartphone sogar Fäkal-Bakterien wohlfühlen. Die Studie der London School of Hygiene & Tropical Medicine und der Queen Mary University of London ergab, dass eins von sechs Mobiltelefonen in Großbritannien mit E.coli-Bakterien verseucht war. Im Körper kommen diese Bakterien zwar natürlicherweise vor, doch außerhalb des Darms können sie beispielsweise Auslöser einer Magenverstimmung sein. Was 2011 in Großbritannien schon für Aufregung sorgte, wird sich 2017 in Deutschland kaum verbessert haben. Die Fakten sprechen eher für eine Verschlimmerung des Problems: Schließlich hat sich laut der US-amerikanischen Internet-Marktforschungsfirma comScore die Anzahl der Smartphone-Nutzer in Deutschland seit Mitte 2011 (17,8 Millionen Nutzer) um mehr als das Doppelte (Stand 2015: 45,6 Millionen) gesteigert.


Was also tun gegen die Virenschleuder Smartphone? Die Chemiekeule rausholen und so möglicherweise den sensiblen Touchscreen kaputt machen? Nicht zwangsläufig: Pointer verrät dir fünf Tipps, wie du dein Handy schonend von Krankmachern befreist.


1. Schutzhülle verwenden

Schutzhülle und Schutzfolie sollten die ständigen Begleiter deines Smartphones sein. Sie schirmen das Handy nicht nur gegen Kratzer und Beulen ab, sondern auch gegen groben Schmutz. Doch Achtung! Nimm dein Smartphone regelmäßig aus der Hülle und reinige beides mit einem angefeuchteten Tuch oder einem sanften Reiniger, um Keime sicher zu entfernen. Vor allem das Display ist anfällig für Krankheitserreger, da es unter anderem Hautfettrückstände aufweist. Die Schutzfolie sollte daher regelmäßig gewechselt und der Touchscreen am besten mit einem Mikrofasertuch saubergewischt werden. Brillenputztücher eignen sich besonders gut. In Onlineshops sind außerdem spezielle Smartphone-Reinigungssprays erhältlich.


2. Handy mal in der Tasche lassen

Es sorgt für musikalische Unterstützung im Fitnessstudio, ist dein Rezeptebuch in der Küche und Zeitvertreib in der U-Bahn auf dem Weg zur Uni. Ohne Frage, dein Smartphone ist immer für dich da. Der Nachteil dabei ist jedoch, dass das Handy dadurch Schweiß und Speiseresten ausgesetzt ist. Wer es also öfter mal in der Tasche lässt, hält es von vornherein sauberer. Öffentliche Verkehrsmittel sind besonders schlimme Keimfallen, da die Haltegriffe wahre Bakterien-Paradiese sind. Auch vom Daddeln auf dem Klo ist abzuraten, wenn du dein Handy nicht unnötig verunreinigen willst.


3. Gründlich sein

Du weißt also jetzt, dass du dein Smartphone mindestens wöchentlich saubermachen solltest. Damit, einmal drüberwischen, ist es aber nicht getan. Gerade in den Anschlüssen für Kopfhörer und Ladekabel lagern sich gern Schmutz und Bakterien ab. Diese empfindlichen Bereiche reinigst du am besten mit einem weichen Pinsel oder Wattestäbchen – trocken versteht sich, da Wasser oder Reinigungsmittel ansonsten bleibende Schäden verursachen können. Wenn dein Handy noch die eine oder andere Taste besitzt, ist die Lücke zwischen Geräteteil und Taste ebenfalls ein magischer Schmutzanzieher. Hier kannst du dem Dreck vorsichtig mit einem Zahnstocher zu Leibe rücken.


4. Hände waschen

Der Klassiker unter den Tipps gegen Krankheitserreger: Hände waschen! Häufig, mit Seife, auch zwischen den Fingern, unter die Nägel bürsten... Jeder weiß, das er es tun sollte, aber macht es auch jeder? Selbst wenn du dich in Zukunft darum bemühst, deine Hände sauber zu halten - sobald du dein Smartphone einer Freundin in die Hand drückst oder einen Kumpel darauf herumtippen lässt, sind wieder fremde Keime im Spiel. Viren und Bakterien halten sich bis zu 18 Stunden auf Oberflächen wie Telefonen, Türfknäufen und sogar Wasserhähnen. Je weniger du dein Smartphone also aus der Hand gibst und je öfter du dir die Hände wäschst, desto weniger keimbelastet wird es - und somit du - sein.


5. Knete dich zum Reinigungsjunkie

Neben speziellen Reinigungssprays gibt es eine sogenannte Reinigungsmasse. Die Masse ähnelt einem Knetgummi und lässt sich leicht formen, um auch schwer zu erreichende Zwischenräume zu säubern. Außerdem ist sie antibakteriell und tötet somit Keime ab. Die Reinigungsmasse erhältst du in Onlineshops, zum Beispiel hier.


Was wäre der technische Fortschritt ohne die Suche nach einer langfristigen Lösung für das Keimproblem? Ein Team aus deutschen Forschern des Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung in Stuttgart und der Ludwig-Maximilians-Universität München arbeitet an sogenannten "Touchless"-Bildschirmen (dt. "berührungslos"). Ein spezieller Sensor, bestehend aus Antimon-, Phosphor-, Sauerstoff- und Wasserstoff-Atomen soll hier auf Feuchtigkeit reagieren. Nicht etwa auf Regentropfen, sondern auf die winzigen Wassermoleküle, die unsere Finger ständig abgeben. Eine Farbänderung auf dem Display zeigt dann an, welcher Teil gerade bedient wird, ohne dass man den Bildschirm mit dem Finger berührt. Ein Schweben des Fingers über dem Display genügt, um einen Befehl auszulösen. Folgerichtig kann es ohne eine Berührung natürlich auch nicht zu Verunreinigungen durch Bakterien und Viren kommen. "Touchless"-Displays könnten auch an Bank-und Fahrkartenautomaten zum Einsatz kommen, an denen bislang täglich Tausende Menschen ihre Kein-Spuren hinterlassen.

Berührungslose Bildschirme Ein Sensor für Feuchtigkeit ermöglicht berührungslose Bildschirme. Das Material für ein solches touchless display, das ein Team um B. Lotsch vom Max-Planck-Institut für Festkörperforschung entwi Berührungslose Bildschirme

Berührungslose Bildschirme

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[Jasmin Weist]

Links

Hier geht es zur Studie von dscout
Hier geht es zur Studie der QMUL und der LSHTM
ComScore im Web
Die Reinigungsmasse im Netz
Das Max-Planck-Institut im Web
Die Ludwig-Maximilians-Universität München im Web

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