Dr. Karin Anderson hilft

Keine Chance für Einsamkeit am Studienort

published: 06.05.2008

Finde Freunde am neuen Studienort (Foto: shutterstock.com/Syda Productions) Finde Freunde am neuen Studienort (Foto: shutterstock.com/Syda Productions)

Wer für sein Studium in eine fremde Stadt ziehen muss, lässt meist gute Freunde zurück. Besonders zu Beginn fällt es einigen Studierenden schwer, sich auf neue Freundschaften einzulassen oder sie sind Unbekannten gegenüber schüchtern und unsicher. Doch wer dauerhaft alleine bleibt, fühlt sich schnell einsam und isoliert. Gefühle, die sowohl psychisch als auch körperlich schwere Folgen hinterlassen können.

Die Techniker Krankenkasse hat mit der Unikosmos-Expertin Dr. Karin Anderson über die Tücken und Chancen eines Neubeginns gesprochen.

Wie wichtig ist es, sich vor Ort neue Freunde zu suchen?
Dr. med. Karin Anderson: "Sehr wichtig! In einer neuen Umgebung Fuß zu fassen, gelingt viel leichter, wenn man dort nette Leute findet, mit denen man sich austauschen und etwas unternehmen kann. Mit den alten Freunden kann man zwar heutzutage per Telefon und E-Mail mühelos in Kontakt bleiben, aber mal eben auf ein Bier treffen, ins Kino gehen oder auch gemeinsam für ein Testat lernen kann man nur mit Leuten, die vor Ort verfügbar sind."

"Bessere Freunde als ich schon habe, kann ich sowieso nicht finden." - Dieses Gefühl demotiviert, wenn es darum geht, neue Bekanntschaften zu machen. Was steckt hinter dieser Aussage?
"Hinter einer derart pessimistischen Aussage verbergen sich meist Ängste und ein schlechtes Selbstwertgefühl. Wem es schwer fällt, auf andere Leute zuzugehen, und wer sowieso nicht daran glaubt, dass andere sich für ihn interessieren könnten, beugt einer möglichen Enttäuschung vor, indem er behauptet, es sei ihm sowieso nicht an neuen Beziehungen gelegen. Solch eine pessimistische Einstellung wirkt dann natürlich wie eine Prophezeiung, die sich selbst erfüllt. Die negative Erwartungshaltung funktioniert nämlich wie ein unsichtbarer Abwehrschild, der alle Kontaktversuche anderer von vornherein unmöglich macht."

Was kann man gegen diese pessimistische Einstellung tun?
"Man muss zuerst einmal ganz ehrlich mit sich selbst sein! Wenn man nämlich merkt, dass man häufig mit negativen Gefühlen an neue Dinge herangeht - und sie dann auch oft automatisch schlecht macht -, sollte man sich nicht hinter dieser Abwehrmauer verschanzen, sondern versuchen, seinen Gefühlen auf den Grund zu gehen. Sind die Leute auf der Party des WG-Mitbewohners wirklich 'sowieso alle arrogant' (sodass man lieber gar nicht erst hingeht), oder hat man einfach Angst, sich linkisch und unbeachtet an sein Glas zu klammern, während alle anderen sich locker unterhalten? Will die hübsche Kommilitonin aus dem Chemiepraktikum tatsächlich 'bestimmt lieber allein' an ihrem Tisch in der Mensa essen - oder hat man einfach Angst zu fragen, ob man sich dazusetzen kann? Wer sich seine Schüchternheit und seine Ängste ehrlich eingesteht, hat bereits den ersten Schritt getan, seine ständige Anti-Haltung zu überwinden. Je öfter es dabei gelingt, die negativen Impulse zu stoppen und bewusst zu handeln, anstatt reflexhaft mit Ablehnung zu reagieren, desto weniger mühsam wird diese Überwindung mit der Zeit werden."

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