TK-Sprechstunde mit Dr. Karin Anderson

Verliebt in den Arzt

published: 27.10.2009

Dr. Anderson ist die TK-Gesundheits-Expertin im Unikosmos-Forum (Foto: Public Address)Dr. Anderson ist die TK-Gesundheits-Expertin im Unikosmos-Forum (Foto: Public Address)

Ein Termin beim Arzt gehört für viele Menschen zum Alltag. Dabei vertrauen die Patienten nicht nur dem Fachurteil der Mediziner. Schnell entsteht eine private Atmosphäre, die mit der Zeit in großer Nähe münden kann.

Wer jetzt an mehr denkt, muss eine blühende Fantasie haben. Oder etwa doch nicht? Denn offenbar kommt es öfter als vermutet vor, dass sich Patienten in ihre Ärzte verlieben oder umgekehrt. So erging es auch einer Unikosmos-Userin.

Sie schreibt ins Unikosmos-Forum:

"Ich wurde so verletzt von einer Ärztin. Sie hat mit meinen Gefühlen gespielt, obwohl sie wusste, dass ich sie liebe. Wir haben uns vor 2 oder 3 Jahren schon einmal gesehen, aber es war alles ganz harmlos. Ich hab sie damals schon nett gefunden. Zu dem Zeitpunkt wusste sie noch nicht, dass ich lesbisch bin. Bis wir uns durch Zufall wieder gesehen haben. Sie kam als Notärztin zu mir, weil ich keine Luft bekommen habe. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich auf Frauen stehe und das ich in meinem Ort deswegen viele Anfeindungen erlebe. Sie hat sich alles angehört und ist auch eine Weile geblieben. Dann haben wir uns wieder aus den Augen verloren. Bis ungefähr vor 12 Wochen: Ich ging in die ärztliche Notdienstpraxis und wir haben uns wieder durch Zufall gesehen. Sie hat mich gefragt, ob ich eine Freundin habe. Ich habe es verneint, dann bin ich gegangen.

Am 21. September habe ich in der Notfallpraxis angerufen, weil es mir nicht gut ging. Dann habe ich mich ein bisschen hingelegt. Eine Stunde später hat die Ärztin von sich aus angerufen und mich dann besucht. Sie hat mich gefragt, was ich am Wochenende vorhabe. Ich war immer zu schüchtern und hab gesagt, dass ich lernen muss.

Ich habe sie dann mehrere Male angerufen und ihr gesagt, das sie nicht mehr kommen soll, aber sie hat darauf bestanden, zu mir zu kommen. Dann hat sie gesagt, dass sie vergeben wäre und ein Kind hat. Außerdem dürften sich Ärzte nicht mit Patienten einlassen.

Dann ist eine Sache passiert, die mich richtig aufgewühlt hat: Beim Blutdruckmessen hat sie mich mit einer Hand ganz weit oben an den Oberschenkeln angefasst. Es hat mich erregt. Sie wusste zu diesem Zeitpunkt schon lange, dass ich in sie verliebt bin. Sie hat mir wirklich immer Hoffnungen gemacht. Ich leide sehr wegen ihr. Wie kann ein Mensch nur so sein und sie ist auch noch Ärztin?"

Die Antwort von Frau Dr. Anderson:

"Hallo, nach deiner Beschreibung hat sich diese Ärztin offenbar nicht korrekt verhalten. Mit ihrem Schwanken zwischen professioneller Distanz und privater Vertraulichkeit, ihren Extra-Aufmerksamkeiten und ganz sicher mit der nahezu intimen körperlichen Berührung hat sie dir zweifellos sehr zweideutige Signale gegeben, die dich zu Recht verwirrt haben.

Gerade, weil sie ja wusste, dass du dich für Frauen interessierst, hätte sie besonders darauf achten müssen, dass sie mit ihrem Verhalten in dir keine falschen Hoffnungen erweckt. Leider passieren solche Grenzüberschreitungen, und die betroffenen Patienten sind die Leidtragenden. Jeder Arzt, auch wenn er keine spezielle psychotherapeutische Ausbildung hat, sollte sich über mögliche Konsequenzen seines Verhaltens dem Patienten gegenüber klar sein, und nicht einfach unüberlegt Dinge tun oder sagen, die dem Patienten möglicherweise schaden.

Was auch immer die Beweggründe dieser Ärztin sein mögen - du solltest dir überlegen, dich im Notfall lieber an eine andere Praxis zu wenden, in der mit der notwendigen sachlichen Distanz gearbeitet wird."

Ob sich eher Frauen in ihre behandelten Ärzte verlieben oder umgekehrt Männer in Medizinerinnen, scheint dabei übrigens keine Rolle zu spielen, wie andere Foreneinträge zeigen.

[TK]

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