Sprechstunde mit Dr. Karin Anderson

"Ich will nicht zurück an die Uni"

published: 23.12.2009

Userin Lena findet in Magedeburg einfach kein Zuhause (Foto: shutterstock.com/Oleg Senkov) Userin Lena findet in Magedeburg einfach kein Zuhause (Foto: shutterstock.com/Oleg Senkov)

Kurz vor Jahresende fahren viele Studierende zurück in die Heimat, um Weihnachten mit den Eltern zu verbringen. Oft ist die Zeit im alten Zuhause mit intensiven Gefühlen verbunden. Für einige ist der Besuch lästige Pflicht. Unikosmos-Userin Lena freut sich dagegen sehr auf ihre Rückkehr. Sie befürchtet hier sogar, gar nicht wieder zurück nach Magdeburg zu wollen, wo sie im dritten Semester studiert. Expertin Dr. Karin Anderson weiß Rat.

Unikosmos-Userin Lena schreibt:

"Dr. Anderson,
ich habe ein Problem, weil ich großes Heimweh nach Zuhause habe. Ich komme aus Thüringen und studiere im dritten Semester in Magdeburg. Immer wenn ich zu Besuch bei meinen Eltern bin, will ich gar nicht wieder zurück. Eigentlich gefällt es mir in Magdeburg ganz gut und die Mitbewohner sind auch ok, aber zuhause ist eben doch was anderes. Ich habe immer Sehnsucht nach zuhause, komme aber meistens ganz gut damit klar. Ich mache mir allerdings große Sorgen, dass ich nach Neujahr nicht wieder zurück an die Uni fahren will, wenn ich erstmal länger (seit Weihnachten) zuhause bin. Aber einfach wegbleiben geht ja auch nicht, oder? Was kann man da machen?
Danke im Voraus und viele Grüße von Lena"

Dr. Karin Anderson antwortet:

"Liebe Lena,
Die Ablösung vom Elternhaus fällt vielen jungen Leuten schwer, besonders dann, wenn sie nicht einfach nur innerhalb des Heimatorts umziehen, sondern zusätzlich in eine andere Stadt, wo sie sich ihr soziales Umfeld ganz neu aufbauen muessen.
Wenn du eine gute Beziehung zu deiner Familie hast und deine Freunde alle noch zuhause wohnen, ist es besonders verständlich, dass du dich lieber dort als an deinem Studienort aufhältst. Aber offenbar hast du an deinem Heimatort keine Uni, oder kannst zumindest nicht in dem Fach studieren, das du dir ausgewählt hast, daher ist es für deine berufliche Zukunft notwendig, in Magdeburg zu studieren.

Scheinbar hast du dort allerdings noch keinen richtigen Anschluss gefunden, denn nette Mitbewohner sind noch lange keine Freunde, und richtig heimisch bist du ja dort auch noch nicht geworden, auch wenn dir die Stadt an sich gefällt. So verständlich dein Heimweh auch ist und so anheimelnd vertraut wie es dir im Elternhaus gerade an solchen Feiertage zumute sein wird, wenn du tatsächlich dem Impuls nachgeben und dein Studium in Magdeburg sausen lassen würdest, um in der Nähe deiner Eltern bleiben zu koennen, wäre das ein Rückfall in kindliche Abhängigkeit. Eine solch regressives Verhalten wuerde dir zwar möglicherweise für kurze Zeit Erleichterung und ein gutes Gefühl verschaffen, sich aber auf lange Sicht sehr rächen!

Die Abnabelung vom Elternhaus und damit auch von der vertrauten Umgebung ist eine altersentsprechende Notwendigkeit, ein wichtiger Entwicklungsschritt, der zum Erwachsenwerden dazugehört. Auf eigenen Füßen zu stehen und sich an neue und unvertraute Gegebenheiten zu gewöhnen, neue Kontakte zu knüpfen und damit neue Erfahrungen zu machen, sind zum Reiferwerden und für die eigene seelische Entwicklung einfach ungeheuer wichtig.

Dies Alles ist dir wahrscheinlich im Grunde auch selber klar, und du sagst ja auch, dass es dir im Prinzip in Magdeburg schon ganz gut gefällt. Tust du aber auch wirklich genug, um dort auch endlich 'anzukommen' und nicht nur ständig zurück zu schauen? Du sprichst von deinen Mitbewohnern, aber nicht von irgendwelchen Freunden.

Gibt es in deinem Semester denn niemanden, mit dem du dich in der Freizeit treffen oder etwas zusammen unternehmen könntest? Hast du keine Seminare oder Gruppen, in denen eine etwas engere Zusammenarbeit stattfindet, sodass sich daraus auch ein freundschaftlicher Kontakt ergeben koennte? Finden an deiner Uni keine Studentenfeste statt (Fasching, Sommerfest usw.?), wo du nette Leute kennenlernen könntest? Wirst du nirgendwohin eingeladen oder zum Mitmachen aufgefordert?

Mit den alten Freunden zuhause kannst du dank Internet und Telefon ja zum Glück leicht in Verbindung bleiben. Auf neue Leute musst du aber aktiv zugehen und signalisieren, dass du Interesse an Kontakt mit ihnen hast. Je mehr du in dieser Richtung unternimmst, desto eher wirst du dich auch an deinem Studienort richtig heimisch fühlen.

Für die anstehende Ferienzeit waere es vielleicht für dich einfacher, ganz selbstverständlich an die Rueckkehr nach Magdeburg zu denken (und nicht der regressiven 'Ich will nicht zurück'-Versuchung zu verfallen), wenn du dir bereits ein paar Termine für die Zeit danach festlegen würdest, die du auf keinen Fall versäumen darfst. Und wenn dir keine solchen Termine einfallen, wie wäre es, wenn du selbst einfach ein paar nette Leute zu eine Party im Januar bei dir in Magdeburg einladen würdest?
Liebe Grüße und schöne Feiertage, Dr. Karin Anderson"

[TK]

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