Hörschäden durch Dauerbeschallung

Ohrenbetäubend macht taub

published: 09.06.2005

Verstärkertürme können bei Rockkonzerten einen hohen Schalldruck produzieren (Foto: Fender Deluxe Active Jazz Bass V, Verstärker, Boxen. von Der Siems lizensiert durch CC BY-SA 2.0) Verstärkertürme können bei Rockkonzerten einen hohen Schalldruck produzieren (Foto: Fender Deluxe Active Jazz Bass V, Verstärker, Boxen. von Der Siems lizensiert durch CC BY-SA 2.0)

Niemand würde auf die Idee kommen, sich freiwillig für mehrere Stunden auf das Rollfeld eines Flughafens zu stellen, um den Jumbojets beim Starten zuzuhören. Warum auch? Schließlich geht dieser Lärm auf die Ohren. Auf die Idee, eine Disko oder ein Rockkonzert freiwillig für mehrere Stunden zu besuchen, sind dagegen schon viele Leute gekommen.

Ist ja auch nicht zu vergleichen: das nervige Dröhnen der Düsentriebwerke und das rhythmische Wummern der Bässe. Das eine ist Musik, das andere ist Krach. Bloß: Für die Gesundheit unserer Ohren ist dieser Unterschied egal, da ist Schallwelle gleich Schallwelle. Und zwischen einer durchschnittlichen Disko und einem startenden Jet besteht, was die Lautstärke betrifft, leider kein großer Unterschied.

Die möglichen Folgen zu lauter Musik sind für unser Gehör gravierend, denn durch Lärm verursachte Schwerhörigkeit ist unheilbar. Alarmierend ist die Zunahme der Schwerhörigkeit unter Jugendlichen. Nach den Erkenntnissen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) hat bereits jeder vierte Jugendliche Hörschäden, und viele Teenager verfügen nur noch über ein Hörvermögen, wie es für Senioren typisch ist. Die BzgA schätzt, dass ein Drittel der Jugendlichen von heute mit spätestens 50 auf ein Hörgerät angewiesen sein wird.

Suche nach den Übeltätern

Auf der Suche nach einer Erklärung für diese Entwicklung wird man schnell fündig: Walkman, iPod, Handy, Gameboy und zu häufige, zu lange Diskotheken- oder Konzertbesuche - bei diesem Dauerbeschallungsprogramm, dem sich viele Teenager und junge Erwachsene aussetzen, haben die Ohren keine Chance auf die nötige Erholungspause.

Die Geräuschkulisse in einer Disko oder auf einem Konzert kann locker 110 Dezibel erreichen. Und das bedeutet Alarm für die Ohren. Denn für unser Gehör wird’s ab 85 Dezibel problematisch, dieser Wert markiert die Grenze zum hörschädigenden Bereich. Ob die Ohren in ihrer Funktion tatsächlich beeinträchtigt werden, hängt auch davon ab, wie lang man sich einer Geräuschquelle aussetzt. Mediziner gehen davon aus, dass in einer lauten Disko bereits nach wenigen Minuten pro Tag die Schwelle überschritten wird, die zum Hörschaden führen kann.

Das Vertrackte ist: Die Verschlechterung der Hörleistung ist in der Regel ein schleichender Prozess. Irgendwann nehmen die Betroffenen besonders hohe Töne nicht mehr wahr – allerdings ohne den Verlust zu bemerken. Erst wenn die Hörminderung schon fortgeschritten ist, erkennen die meisten, dass etwas nicht stimmt. Der richtige Zeitpunkt fürs Ohrenschonprogramm ist dann allerdings vorbei.

So könnt ihr eure Ohren schützen

Muss man also den Ohren zuliebe auf Konzerte oder Diskobesuche verzichten? Natürlich nicht. Aber ein paar Vorsichtsmaßnahmen können nicht schaden:

- Die Faustregel lautet: Je höher der Schallpegel, desto geringer die zulässige Einwirkzeit. Oder anders ausgedrückt: Je lauter es an einem Ort ist, desto kürzer sollte man sich dort aufhalten.

- Auch in der Disko oder der Konzerthalle gibt es problematische und weniger problematische Orte für die Ohren. Ein Platz direkt vor den Boxen ist, nun ja, problematisch. Es ist daher ratsam, auf einen gewissen Sicherheitsabstand zu achten. Wenn möglich, sollte man den Ohren zwischendurch ein Päuschen gönnen.

- Schütze dein Gehör mit Ohrpfropfen! Die gibt es in der Apotheke schon ab circa zwei Euro.

- Nach einem lauten Konzert ist ein ständiges Pfeifen dein Begleiter? Das ist ein deutliches Warnsignal deines Gehörs, dass es zu viel war. Sofern das Pfeifen auch nach zwölf Stunden nicht abklingt, solltest du zum Arzt gehen !

- Dauerbeschallung ist Gift für die Ohren. Nach dem Konzert- oder Diskobesuch solltest du dir ruhig mal eine längere Kopfhörer-Zwangspause verordnen.

- Hat sich der DJ in der Disko vorgenommen, das Äußerste aus den Boxen rauszuholen, dann bitte ihn, die Musik etwas leiser zu machen. Du kannst dir ziemlich sicher sein, die – leider schweigende - Mehrheit auf deiner Seite zu haben. Und wem so eine Aktion zu uncool ist, der stelle sich vor, wie "cool" es wäre, in jedem Gespräch "Wie bitte?" zu sagen oder den Fernseher so laut stellen zu müssen, dass auch die Nachbarn mithören können.

[Jens Findeisen]

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