Kunstwettbewerb zum Thema Organspende

"Wir müssen die jungen Leute erreichen"

published: 22.09.2010

Die ersten drei Plätze: Elisabeth Rutzki, Simone Kesting und Amrei Fiedler (v. li.) (Foto: Public Address)Die ersten drei Plätze: Elisabeth Rutzki, Simone Kesting und Amrei Fiedler (v. li.) (Foto: Public Address)

"Ich oder Du?" Unter diesem Motto nahmen Studierende der Hamburger HAW an einem Plakatwettbewerb zum Thema Organspende teil. Zu der Aktion hatte die Hamburger Gesundheitsbehörde zusammen mit der Techniker Krankenkasse und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HWA) aufgefordert. Die Sieger wurden nun bei einer Vernissage in den Räumen des Kunst- und Mediencampus Finkenau ausgezeichnet. Den ersten Preis aus über 100 eingereichten Werken gewann Simone Kesting aus dem Fachbereich Illustration, die beiden anderen Preise gingen an Elisabeth Rutzki und Amrei Fiedler. Mit einem Schutzengel, der sich nach einem Unfall im Himmel wiederfindet, überzeugte die Gewinnerin die Jury von Anfang an. "Das Projekt hat alle sofort begeistert, sodass wir da nicht gezögert haben", begründete Jurymitglied Bruno Kollhorst von der Techniker Krankenkasse die Wahl.

"Keiner kümmert sich um einen Ausweis"

Auch Kesting hat durch den Wettbewerb viel gelernt. "Ich habe mit einigen Leuten über das Thema Organspende gesprochen und festgestellt: Sie sind alle dafür, aber keiner kümmert sich um einen Ausweis. Aber es kann ganz schnell etwas passieren und dann ist es zu spät. Das wollte ich thematisieren", sagt die 23-Jährige.

Dass das Thema Organspende nicht oft genug erwähnt werden kann, sagen zahlreiche Statistiken aus. Denn in Deutschland ist die Zahl der Organspenden im europäischen Vergleich immer noch gering. Und das bei einer mit über 80 Prozent recht großen Spendebereitschaft hierzulande. Das Problem: Viele Menschen haben schlicht und einfach keinen Organspendeausweis, obwohl sie eigentlich helfen wollen. Laut aktuellen Statistiken besitzen nur 17 Prozent der Bundesbürger einen Ausweis, vor allem junge Leute beschäftigen sich mit dem Thema zu selten.

Deshalb ist gerade in dieser Zielgruppe Aufklärung so wichtig. "Ein Wettbewerb, der die Sichtweise von jungen Künstlern zeigt, ist genau das Richtige. Auch Tabus sollen gezeigt werden, daher der leicht provokative Titel des Wettbewerbs, 'Ich oder Du?'", so ein Jurymitglied.

Ein Stück Papier kann Leben retten

Auch Dr. Björn Nashan vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf weiß, wie wichtig Aufklärung ist. Als Transplantationsmediziner wird er jeden Tag mit dem Thema Organspende konfrontiert und weiß, dass ein Stück Papier Leben retten kann. "Wir müssen die jungen Leute erreichen", sagt Nashan über das Ziel des Wettbewerbs.

In jedem Fall war "Ich oder Du?" bei den Teilnehmern ein Erfolg, nicht nur bei der Siegerin. "Organspende war bisher ein Thema, das untergeht. Der Wettbewerb war gut, denn viele Studierende hier haben sich nun Gedanken darüber gemacht. Ich habe jetzt jedenfalls einen Organspendeausweis", so Kesting.

[Jörg Römer]

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