Sprechstunde mit Dr. Karin Anderson

Plötzlich verlassen

published: 31.10.2010

Dr. Karin Anderson berät Unikosmos-Userin Lulu (Foto: Public Address)Dr. Karin Anderson berät Unikosmos-Userin Lulu (Foto: Public Address)

Es ist immer schlimm, wenn der Partner sich trennt - vor allem, wenn es unerwartet passiert. Unikosmos-Userin Lulu hat das gerade erlebt: Ihr Freund, mit dem sie acht Jahre lang zusammen war, hat sie verlassen. Jetzt ist sie völlig schockiert. Was kann sie tun? Im Hilfe-Forum wendet sich die 20-Jährige an Dr. Karin Anderson.

Dr. Karin Anderson lebt im US-Bundesstaat Maine. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin. Als Forenexpertin für Unikosmos berät sie unsere User kostenlos. Wenn du unserer Expertin ein Problem schildern möchtest oder eine Frage stellen willst, tue dies jederzeit gerne im Hilfe-Forum.

Lulu fragt:

"Ich bin 20 und seit acht Jahren mit meinem Freund zusammen, gestern hat er Schluss gemacht. Er sagte, er habe sich von meinen Eltern zu sehr abhängig machen lassen, obwohl sie ihm nur helfen wollten bzgl. eines Jobs und dem Auto. Er sagt, er liebe mich noch, doch mhm, wir hätten uns auseinander gelebt und ich möge seine Hobbys nicht, ich sei daran schuld, dass es ihm momentan nicht gut geht und er jetzt Zeit für sich braucht. Ich soll mich nicht mehr bei ihm melden, solange er nicht weiß, wie es weiter geht.

Ich hab ihm schon so oft verziehen und so oft eine Chance gegeben und er gibt mir einfach keine. Ich wollte nur eine Chance, alles besser zu machen. Habe seit gestern nicht geweint, empfinde nur Verachtung!! Hab keinen Hunger mehr! Ich glaube, ich bin einfach total schockiert... Ich weiss es nicht. Kann mir jemand helfen?
Lulu"

Dr. Karin Anderson antwortet:

"Liebe Lulu,
ich weiß, wie weh es tut, wenn der Partner plötzlich sagt, er brauche seine Freiheit und wolle die Freundschaft beenden. Gerade, wenn diese Ankündigung aus scheinbar heiterem Himmel und ohne Vorwarnung kommt, ist es sehr schwer, sich mit dieser Zurückweisung und Kränkung abzufinden, und man möchte alles versuchen, um eine Chance zu haben, sich 'zu bewähren'.

So bitter es auch für dich ist - du musst dich innerlich und äußerlich von deinem Freund verabschieden und akzeptieren, dass eure Beziehung zu Ende ist! Dein Freund scheint dich in den gleichen Topf zu werfen wie die Eltern, er fühlt sich von ihnen und dir gleichermaßen eingeengt und pocht auf seine Unabhängigkeit. Dabei spielt es keine Rolle, ob du oder die Eltern ihn wirklich zu sehr bemuttern, bevormunden oder sich sonst wie zu sehr um seine Angelegenheiten kümmern: Er erlebt es so und gibt euch pauschal 'die Schuld' an seinem Gefühlszustand, anstatt sich zu fragen, was sein eigener Anteil daran ist.

Seine Beteuerungen, er liebe dich zwar noch, wolle aber trotzdem eine Beziehungspause, solltest du nicht auf die Goldwaage legen. Oder, salopp gesagt, 'du kannst dir ein Ei darauf backen'. Natürlich mag er dich sicherlich irgendwie noch und du bist ihm ja auch sehr vertraut, aber entscheidend ist, er liebt dich nicht mehr und sagt zu Recht, dass ihr euch auseinandergelebt habt. Auch wenn du das ganz anders erlebst und dich noch sehr mit ihm verbunden fühlst - er empfindet diese Nähe nicht mehr und, vor allem, er will sie auch nicht mehr! Er will dich aber auch nicht zu sehr verletzen, daher dieser halbherzige Liebesschwur.

Finde Abstand
Eine 'Chance, alles besser zu machen' besteht nur, wenn es wirklich einzig darum gehen würde, dass du etwas falsch gemacht hast. Du hast offenbar angenommen, dass er dein 'Mann fürs Leben' ist, und möglicherweise zu viel Beziehungsbereitschaft von ihm erwartet. Diese Krise ist ja aber offenbar nicht die erste, denn, wie du sagst, hast du ihn 'schon so oft verziehen und eine Chance gegeben' - und trotzdem seid ihr immer wieder beim gleichen Streitpunkt gelandet.

Das du jetzt Verachtung und Wut neben deiner großen Enttäuschung und Kränkung empfindest, ist ein sehr gesundes Zeichen. Du fängst offenbar an, dich innerlich abzulösen und ihn nicht mehr als dein Ideal zu sehen. Diese Gefühle werden dir helfen, mit deinem Liebeskummer besser fertig zu werden, anstatt ihm voller Selbstanklagen nachzutrauern.

Ich würde dir sehr raten, seinem Wunsch zu folgen und nicht mehr zu versuchen, ihn zu klärenden Gesprächen oder einer 'neuen Chance' zu bewegen. Erlaube dir selbst, Abstand zu finden und nicht immer wieder Salz in die Wunde zu streuen. Das Beste gegen Liebeskummer ist es, möglichst viel mit Freunden zu unternehmen, mit ihnen über deine Gefühle zu sprechen und dich mit vielen Aktivitäten abzulenken.
LG, Dr. Karin Anderson"

[TK]

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