Sprechstunde mit Dr. Karin Anderson

"Ich ziehe mit meinem Freund zusammen"

published: 21.09.2011

TK-Expertin Dr. Karin Anderson berät im Unikosmos-Hilfe-Forum (Foto: Public Address)TK-Expertin Dr. Karin Anderson berät im Unikosmos-Hilfe-Forum (Foto: Public Address)

Wer glücklich verliebt ist, möchte am liebsten rund um die Uhr mit seinem Partner zusammen sein. Da liegt der Wunsch nahe, sich eine gemeinsame Wohnung zu nehmen. Doch wie sieht es aus, wenn man nicht als Paar auf Wohnungssuche geht, sondern zu seinem Freund zieht? Eine Unikosmos-Userin steht vor diesem Schritt. Ihre Zweifel teilt sie im Hilfe-Forum Dr. Karin Anderson mit.

Dr. Karin Anderson lebt im US-Bundesstaat Maine. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin. Als Forenexpertin für Unikosmos berät sie unsere User kostenlos. Wenn du unserer Expertin ein Problem schildern möchtest oder eine Frage stellen willst, tue dies jederzeit gerne im Hilfe-Forum.

Die Unikosmos-Userin fragt:

"Ich ziehe demnächst mit meinem Freund zusammen. Es ist aber so, dass ich meine WG verlasse und zu ihm in die Wohnung ziehe. Wir suchen uns nichts Gemeinsames, ist viel zu schwierig, weil es so wenig gute Wohnungen gibt. Nun fühle ich mich aber ein wenig komisch, weil ich immer denke, dass ist seine Wohnung und wird nie wirklich unsere. Was kann ich dagegen tun?"

Dr. Karin Anderson antwortet:

"Ich kenne dieses Problem sehr gut aus eigener Erfahrung. Es ist wirklich ein etwas merkwürdiges Gefühl, in eine fertig eingerichtete Wohnung einzuziehen, die völlig dem Geschmack und der Persönlichkeit eines anderen Menschen entspricht. Um dich dort wirklich zuhause, und nicht wie ein Gast, oder auf der Durchreise zu fühlen, solltest du dich als Erstes mit deinem Freund zusammensetzen, und eine Liste vorhandener Möbelstücke machen, die jeder von euch besitzt.

Jeder von euch muss dann erklären, auf welche Gegenstände er verzichten und welche er unbedingt behalten möchte. Manchmal ist das nicht sehr schwer - vielleicht ist sein von Tante Uschi 'geerbtes' Sofa abgewetzt und durchgesessen, und dein Zweisitzer neu und bequem. Aber manchmal verteidigt der eine Partner ein heißgeliebtes Stück gegen einen gewaltsamen Rausschmiss auch dann, wenn der andere es einfach nur potthässlich findet. Dann müssen beide sich auf einen Kompromiss einigen, bei dem jeder einige liebgewordene Teile behalten darf, wenn er bereit ist, sich von anderen freiwillig zu trennen.

Selbst, wenn die Möbelfrage geklärt ist, ein anderer kritischer Punkt kann der Raum sein, den der bisherige Wohnungsinhaber dem neuen Mitbewohner einräumt - in seinen Schränken, Bücherregalen, und an den Wänden. Als ich in die USA übersiedelte, waren Möbel kein großes Thema - mein Mann hatte dort ein Möbelgeschäft - aber seine Schränke waren vollgestopft mit Kleidungsstücken, die Regale voll mit seinen Büchern, und die Wände dekoriert mit seinen Bildern. Ich musste mir erst einmal Platz für meine Sachen freischaufeln. Dabei wurde auch die weise Vereinbarung getroffen, dass mein Liebster zukünftig für jede neuerworbene Hose zwei alte in die Sammlung geben muss. (Der härteste Kampf ging übrigens um sichtbaren Wandplatz für moderne Kunst).

Wenn du darüber nachdenkst, wird dir bestimmt klar, welche deiner Besitztümer einfach nur einem praktische Zweck dienen und welche dich als Persönlichkeit charakterisieren, die du um dich haben möchtest, damit du dich heimisch fühlen kannst. So habe ich beispielsweise eine hübsche, leicht eingedellte, weißblau-gepunktete Blechdose für Kaffee mitgenommen - aus praktischer Sicht völlig unsinnig, aber ich freue mich jeden Tag, wenn ich sie sehe.

Richtig schwierig wird es aber dann, wenn du und dein Freund einen völlig unterschiedlichen Geschmack habt. Wenn er nämlich auf schwarz-weißes Dekor und minimalistische Stahlmöbel steht und du Brokatdeckchen auf dem Tisch und Hasenohren in den Kissen liebst, ist es sehr unwahrscheinlich, dass ihr eine für beide erträgliche Kompromisslösung findet.
LG, Dr. Karin Anderson"

[TK]

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