Sprechstunde mit Dr. Karin Anderson

Das "Medizinstudenten-Syndrom"

published: 29.01.2012

Das "Medizinstudenten-Syndrom" mach User Falko zu schaffen (Foto: EAKARAT BUANOI/shuttestock.com) Das "Medizinstudenten-Syndrom" mach User Falko zu schaffen (Foto: EAKARAT BUANOI/shuttestock.com)

Unikosmos-User Falko wird schwarz vor Augen, wenn über Körperfunktionen gesprochen wird. Im Hilfe-Forum fragt er Dr. Karin Anderson um Rat. Die Expertin kennt dieses Phänomen als "Medizinstudenten-Syndrom".

Dr. Karin Anderson lebt im US-Bundesstaat Maine. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin. Als Forenexpertin für Unikosmos berät sie unsere User kostenlos. Wenn du unserer Expertin ein Problem schildern möchtest oder eine Frage stellen willst, tue dies jederzeit gerne im Hilfe-Forum.

Falko fragt:

"Guten Tag,
ich heiße Falko bin 16 Jahre alt und gehe noch zur Schule. In der Schule habe ich auch mein Problem 'entdeckt' und zwar habe ich es des Öfteren im Biountericht oder auch anderen Fächern gehabt, dass wenn über den Blutkreislauf oder die Funktionen der Organe im Körper geredet wird, ich ein Druck auf dem Nacken spüre und mir dann schwarz vor Augen wird in diesem Moment habe ich bis jetzt immer den Unterichtsraum verlassen und mich hingelegt damit war es dann nach kurzer Zeit auch wieder weg. Jedoch verstehe ich dies nicht und würde es gerne verhindern, weil ich auch bald mein Führerschein machen will, und dort den Sanitätskurs machen muss.


Dieser Vorfall fühlt sich an, wie wenn man lange gelegen hat, dann aufsteht und einem kurz schwarz vor Augen wird. Nur dass es bei mir nicht wieder verschwindet, bis ich das Gespräch verlassen habe oder ähnliches. Danke im Vorraus. Ich hoffe, Sie können mir helfen.
Mfg Falko"

Dr. Karin Anderson antwortet:

"Hallo, Falko,
da diese Kreislaufbeschwerden offenbar immer dann auftreten, wenn du im Unterricht etwas über den Körper und seine Funktionen erfährst, leidest du vermutlich unter dem sogenannten 'Medizinstudenten-Syndrom'. Aus dem Medizinstudium ist nämlich seit langem bekannt, dass manche besonders sensiblen Studenten immer jeweils die Symptome derjenigen Krankheiten bei sich feststellen, über die gerade in der Vorlesung gesprochen wurde.


Gerade Kreislaufbeschwerden haben oft eine starke psychosomatische Komponente. Ich selbst bin als Medizinstudentin beim bloßen Zuschauen bei einer Augenoperation an einem Kind in Ohnmacht gefallen - sehr zum Ärger des OP-Personals. Als ich sah, wie ein winziger Blutstropfen aus dem ersten Einstich des Skalpells in den Augapfel austrat, wurde mir schwarz vor Augen und ich fiel einfach um. Du solltest dich wegen deiner Beschwerden zwar vorsichtshalber vorsorglich ärztlich untersuchen lassen. Vermutlich wird aber außer der Diagnose eines labilen Kreislaufs nichts Aufregendes dabei herauskommen.

Wie du siehst, bin ich trotz dieses damaligen Kreislaufkollapses Ärztin geworden. Deiner Ausbildung zum Sanitäter (und deinem Führerschein) sollte daher auch nichts im Wege stehen. Du kannst aber eins tun, um dich bei solchen Situationen zu schützen, wo deine Psyche in Gefahr gerät, sich zu sehr mit dem Unterrichtmaterial zu identifizieren: Iss etwas oder trink etwas. Der Ess- oder Trinkvorgang lenkt dich nämlich ab und unterbricht die Gedankenkette.
LG, Dr. Karin Anderson"

[TK]

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