An Heroin sterben nach wie vor die meisten Drogenabhängigen (Foto: Public Address)Zu den vier Trendsportarten der Bw-Olympix der Bundeswehr zählt auch Beachvolleyball (Foto: SKA/IMZBw Michael Mandt)Immer mehr Menschen reagieren allergisch auf Blütenpollen. Doch es gibt Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken (Foto: luna4/shutterstock.com)Jürgen Klopps Team von Borussia Dortmund steht im Finale des DFB-Pokals (Foto: Public Address)Dr. Karin Anderson berät Scoolz-User: Heute hilft sie Stef (Foto: Public Address)Bayern-Star Robben: Postings künftig auf  "MyFCB" (Foto: Public Address)Sümeyye Manz und Helena Fromm treten in London bei den Olympischen Spielen an (Foto: Public Address)

Sprechstunde mit Dr. Karin Anderson

Wegen der Freundin mit den Nerven fertig

published: 28.03.2012

Dr. Karin Anderson berät Unikosmos-User Seerose (Foto: Public Address)Dr. Karin Anderson berät Unikosmos-User Seerose (Foto: Public Address)

Unikosmos-User Seerose macht sich Sorgen um seine Freundin, die offenbar psychische Probleme hat. Er ist mit den Nerven am Ende. Im Hilfe-Forum sucht er Rat bei Dr. Karin Anderson.

Dr. Karin Anderson lebt im US-Bundesstaat Maine. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin. Als Forenexpertin für Unikosmos berät sie unsere User kostenlos. Wenn du unserer Expertin ein Problem schildern möchtest oder eine Frage stellen willst, tue dies jederzeit gerne im Hilfe-Forum.

Seerose fragt:

"Hallo! Ich habe ein großes Problem mit meiner Freundin, bei dem ich mit meinem Latein am Ende bin und nicht mehr weiß, was ich machen soll. Ich bin 27, meine Freundin ist 22 und wir wohnen seit ca. zwei Jahren zusammen. Im Jahr 2007 hatte meine Freundin (lange bevor ich Sie kannte) versucht, sich umzubringen. Glücklicherweise wurde sie rechtzeitig von ihrem Stiefvater gefunden. Sie wurde dann in eine geschlossene Psychatrie eingewiesen, soweit ich das sagen kann, das volle Programm.

Ich lernte sie als fröhlichen und offenherzigen Menschen kennen und es war soweit auch alles okay. Nur unsere Diskussionen wurden immer recht schnell zu handfesten Streits, aber sonst war soweit immer alles noch okay. In den letzten zwei jahren wurde es allerdings schleichend immer schlimmer, sodass sie schon bei Kleinigkeiten regelrecht ausgeflippt ist und alles damit endete, dass sie weinte und sich für alles Mögliche die Schuld gab oder richtig apathisch und wimmernd in der Badewanne saß. Für mich war das ein sehr schlimmer Anblick und die ersten Male schob ich das auf unseren Streit. Mittlerweile nehmen die Abstände zwischen solchen Zwischenfällen immer mehr ab und ich mache mir große Sorgen, dass sie sich irgendwann wirklich was antun könnte.

Zu einem Therapeuten will sie nicht und auch eine Einweisung oder dass ich mich an ihre Eltern wende, will Sie nicht. Sie hat z.b. Angst, ihre Ausbildung zu gefährden. Ich denke, es muss dringend etwas passieren, aber ich fühle mich selber recht hilflos mit dem ganzen Thema."

Dr. Karin Anderson antwortet:

"Hallo Sebastian,
ich kann deine Ratlosigkeit sehr gut verstehen, denn deine Freundin stellt dich vor ein unlösbares Problem. Was du auch machst, es wird in keinem Fall 'richtig' sein. Und du hast leider Recht, es ist tatsächlich nicht auszuschließen, dass sie sich doch etwas antut. Deine Freundin leidet unter einer psychischen Erkrankung mit erhöhter Reizbarkeit und depressiven Stimmungschwankungen, und bedarf dringend einer ärztlichen Behandlung!

Unhaltbare Situation
Mit ihrer Weigerung, zum einem Arzt oder Therapeuten zu gehen, oder ihre Eltern darüber zu informieren, gefährdet sie sich selbst, und bringt dich in eine unhaltbare Situation. Lässt du dich nämlich darauf ein, um ihr Vertrauen nicht zu verlieren, wird ihr Zustand wahrscheinlich immer schlimmer werden. Wenn dann etwas mit ihr passiert, wirst du dir sicher grosse Vorwürfe machen. Wenn du dich aber an ihre Eltern wendest, wird sie dir einen Vertrauensbruch vorwerfen, und zum Arzt oder Therapeuten kannst du sie ohnehin nicht schleppen, wenn sie nicht freiwillig mitgeht. So oder so, du kannst diese seelische Belastung nicht aushalten. Mit jemandem zusammenzuleben, der derartige Stimmungstiefs erlebt, mit der unausgesprochenen (oder ausgesprochenen) Drohung, sich das Leben zu nehmen, mit dem man sich ständig wie auf rohen Eiern bewegen muss, um ja kein 'Ausflippen' hervorzurufen - was dann doch passiert - zieht dich selbst herunter und zerstört schliesslich eure Beziehung.

Professionelle Hilfe nötig
Du bist nicht ihr Therapeut, ihre seelische Bedürftigkeit kannst du nicht heilen, auch wenn du sie noch so sehr liebst. Ein professioneller Helfer kann einen innerlichen Abstand bewahren, um mit solchen emotionalen Anforderungen umzugehen, für einen Partner ist das ganz unmöglich. Um diesen Teufelkreis zu beenden, musst du das tun, was das einzig Vernünftige und Sinnvolle ist - auch wenn es ihr nicht gefallen wird, und dir vielleicht ein schlechtes Gewissen bereitest.

Beende des Teufelskreis
Du musst ihre Eltern über den verschlechtertes Zustand deiner Freundin informieren. Sie haben möglicherweise die nötige Autorität, um ihre Tochter zu ärztlicher Behandlung zu nötigen oder in eine Klinik einweisen zu lassen. Und du solltest deiner Freundin ganz klar sagen, dass sie sich entweder behandeln lässt, oder du dich von ihr trennen wirst. Das klingt zwar hart, ist aber die einzige Möglichkeit, sie zur Einsicht zu bringen. Und wenn sie dir mit Suizid droht, sag ihr ganz deutlich, dass du in diesem Fall zwar alles unternehmen wirst, um sie zu retten, aber eure Beziehung damit endgültig beendet sein wird.

Bleib hart
Diese Empfehlungen stammen von dem bekannten Psychoanalytiker Prof. Otto Kernberg, der sehr viel Erfahrungen mit Störungen dieser Art hat. Ich habe immer wieder festgestellt, dass solch scheinbare Härte die einzige Möglichkeit war, um den Teufelkreis von Depressivität, Schuldgefühlen und Selbstmorddrohungen zu unterbrechen, und die Betroffenen zu einer Behandlung zu bewegen - und ihnen dadurch unter Umständen sogar das Leben zu retten.
Da deine Freundin, wie du sagst, noch gelegentlich von ihren quälenden Gefühlen und Gedanken abgelenkt werden kann, ist sie zum Glück noch nicht so tief in ihr Tief abgerutscht, und ihr Zustand kann sich möglicherweise auch schneller wieder bessern. Ihre Ausbildung ist mit Sicherheit dann mehr gefährdet, wenn sie noch kränker wird, und sich ihre Symptome schliesslich unweigerlich auch am Ausbildungsplatz bemerkbar machen.
LG, Dr. Karin Anderson"

[TK]

Links

Zum Foren-Thread
Hilfe-Forum

Das könnte dich auch interessieren:

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung