DOSB-Präsident Thomas Bach im Interview

"Organspenden sind Brücken ins Leben"

published: 17.10.2012

Unikosmos führte mit DOSB-Präsident Thomas Bach ein Interview zum Thema Organspende (Foto: Public Address) Unikosmos führte mit DOSB-Präsident Thomas Bach ein Interview zum Thema Organspende (Foto: Public Address)

Die Bereitschaft der Deutschen, Organe zu spenden, ist deutlich zurückgegangen. Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation stellten im Vergleich zum Vorjahr 11,6 Prozent weniger Menschen ihre Organe zur Verfügung. Das mag eine Folge der Skandale um Manipulationsvorwürfe gegenüber einzelnen Kliniken sein. Es ist leicht, das als Vorwand zu nehmen, sich mit dem Thema Organspenden nicht auseinanderzusetzen.

Doch die traurigen Tatsachen bleiben bestehen: 12.000 Menschen in Deutschland stehen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. An jedem Tag sterben drei von ihnen, weil sie das lebensrettende Organ nicht rechtzeitig erhalten. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, apelliert im Interview mit Unikosmos vor allem an junge Menschen, sich für Organspenden zu entscheiden.

Biografie Thomas Bach

Thomas Bach ist Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes und Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Der Jurist wurde am 29. Dezember 1953 in Würzburg geboren. Nach dem Abitur studierte der Bundesverdienstkreuzträger Rechts- und Politikwissenschaften an der Universität Würzburg, promovierte und eröffnete seine eigene Kanzlei. In den 70er Jahren war Bach aktiver Florettfechter und zweifacher Weltmeister, mit der Mannschaft wurde er bei den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montréal Olympiasieger.

Warum setzen Sie sich für Organspenden ein?
"Enorm viele Menschen äußern sich mittlerweile positiv zur Organspende. Dies gilt allerdings nur solange, wie das Thema abstrakt bleibt. Wenn es darum geht, einen Organspende-Ausweis auszufüllen, sind die Zahlen leider immer noch nicht ausreichend. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) unterstützt den Verein Sportler für Organspende dabei, auf diese Schere aufmerksam zu machen. Wir wollen die 27,5 Millionen Mitglieder in den 91.000 deutschen Sportvereinen motivieren, sich mit dem Thema Organspende auseinander zu setzen und ihre Entscheidung in einem Organspende-Ausweis zu notieren. Für uns ist das ein Zeichen der Solidarität und des Mannschaftsgeistes im Sport. Auch wenn damit am Ende nur ein Leben gerettet werden könnte, wäre das Engagement des DOSB schon erfolgreich gewesen."

Was sind Ihre persönlichen Gründe, Organspenden zu unterstützen?
"Zum Sport gehören Hilfsbereitschaft, Solidarität und Mitmenschlichkeit. Ich möchte einen Anstoß geben, über das Thema nachzudenken und eine Entscheidung zu treffen. Ich habe dies getan: Ich bin ein Sportler für Organspende. Ich möchte, dass sich die aktuelle Situation verbessert. In Deutschland leben 12.000 schwer kranke Menschen zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Zwar retten Ärzte jährlich Tausende Leben durch Transplantationen, doch es fehlt an Spenderorganen, um allen Kranken zu helfen. Jeden Tag sterben drei Mitbürger auf den Wartelisten. Über zwei Drittel der Deutschen stehen der Organspende zwar positiv gegenüber – doch nur 17 Prozent besitzen einen Organspende-Ausweis. Deshalb ist Aufklärung so wichtig: Viele wissen nicht, dass die Wahrscheinlichkeit, selbst ein Organ zu benötigen, dreimal höher ist als die, nach dem eigenen Tod Spender zu werden."

Als Florettfechter gewann Thomas Bach mit der Mannschaft Gold bei den Olympischen Spielen von 1976 (Foto: Sportfoto Witters)Als Florettfechter gewann Thomas Bach mit der Mannschaft Gold bei den Olympischen Spielen von 1976 (Foto: Sportfoto Witters)

Wie lief Ihre persönliche Entscheidungsfindung ab?
"Für mich war der Anstoß ein Gespräch mit Hans Wilhelm Gäb, dem Vorsitzenden des Vereins Sportler für Organspende, der selbst eine Lebertransplantation hatte. Dabei ist mir klar geworden, wie schnell jeder Mensch selbst zu einem sehnsüchtig auf eine Organspende Wartenden werden kann."

Wie haben Sie mit Ihrer Familie und Ihren Freunden über dieses Thema gesprochen?
"Selbstverständlich habe ich vor dieser Entscheidung mit meiner Familie gesprochen. Ich habe mir diesen Entschluss nicht leicht gemacht. Aber ich bin heute fester denn je davon überzeugt, dass es der richtige Weg ist."

Was raten Sie anderen, jungen Menschen, die sich gerade am Anfang Ihres beruflichen Lebens befinden? Wie sollten sie mit diesem Thema umgehen und an dieses Thema herangehen?
"Informieren Sie sich über dieses zugegebenermaßen sehr schwierige Thema. Wägen Sie genau ab und treffen Sie eine Entscheidung für die Organspende, denn Spenderorgane sind Brücken ins Leben, wie Hartwig Gauder, der Olympiasieger im Gehen, gesagt hat. Er musste sich 1997 einer Herztransplantation unterziehen. Lesen Sie seine Geschichte und Sie werden verstehen, warum wir Menschen Organspende-Ausweise tragen sollten."

[PA]

Links

www.dosb.de
Sportler für Organspende

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