Sprechstunde

"Ich ekel mich vor Küssen"

published: 05.06.2013

TK-Expertin Dr. Karin Anderson berät Unikosmos-Userin Edith (Foto: Public Address)TK-Expertin Dr. Karin Anderson berät Unikosmos-Userin Edith (Foto: Public Address)

Unikosmos-Userin Edith ekelt sich davor, ihren Freund zu küssen. Im Hilfe-Forum fragt sie Dr. Karin Anderson, Expertin der Techniker Krankenkasse, um Rat.

Dr. Karin Anderson lebt im US-Bundesstaat Maine. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin. Als Forenexpertin für Unikosmos und die Techniker Krankenkasse berät sie unsere User kostenlos. Wenn du unserer Expertin ein Problem schildern möchtest oder eine Frage stellen willst, tue dies jederzeit gerne im Hilfe-Forum.

Unikosmos-Userin Edith fragt:

"Hallo Dr Anderson, ich habe seit zwei Jahren einen Freund und die Beziehung läuft auch ganz gut (ich bin 26). Allerdings ist es so, dass ich nicht so gerne mit ihm schlafe. Mir würde überhaupt nichts fehlen, wenn wir nie wieder miteinander schlafen würden. Am schlimmsten finde ich küssen: Das finde ich total ekelhaft, auch mit meinem Freund. Mein Freund findet das nicht normal und beschwert sich ständig und ich versuche, es ihm recht zu machen und deswegen haben wir auch ab und zu Sex und küssen uns. Aber ganz ehrlich: Das Küssen finde ich immer total ekelhaft. Aber einen anderen habe ich auch nicht und ich will auch keinen anderen. Kuscheln tu ich schon gerne. Was ist bei mir los? Edith"

Dr. Karin Anderson antwortet:

"Hallo,
Auch wenn die Lust zu Intimität und Sex individuell unterschiedlich stark ausgeprägt ist - die sexuelle Beziehung ist schon ein wichtiger Aspekt einer zufriedenstellenden Partnerbeziehung. Sich so weit auf den anderen einlassen, dass man ihm Zugang zu seinen intimsten Gefühlen, sowohl seelisch wie körperlich, gewährt, ist ja Ausdruck von Liebe, Freundschaft und Vertrauen. Wenn du die intime körperliche Nähe mit deinem Freund aber nicht nur als nicht besonders erstrebenswert, sondern sogar als abstoßend erlebst, kann das zweierlei bedeuten.

Entweder hast du eine unbewusste Abneigung gegen ihn als Person und liebst ihn nicht wirklich - dann ist er einfach der falsche Partner für dich und die Beziehung führt letztendlich zu nichts. Du könntest aber auch generell unter Angst vor Ausgeliefertsein und Kontrollverlust leiden und einem tiefen Misstrauen gegenüber einer Nähe, die möglicherweise Enttäuschung und Verlassenwerden nach sich zieht.

Solche Ängste werden oft durch schmerzhafte Erlebnisse in der Kindheit ausgelöst. Werden sie nicht seelisch verarbeitet und überwunden, neigen sie dazu, unbewusst jede zukünftige Partnerbeziehung zu torpedieren. Auf die Dauer spürt ein sensibler Partner nämlich das Misstrauen und die Zurückweisung seiner Person, selbst, wenn du dir Mühe gibst, diese Gefühle nicht zu zeigen. Dass du den Geschlechtsverkehr dabei nicht so intim wie Küssen findest, halte ich doch für bemerkenswert. Es scheint, dass du dich dabei seelisch von deinem jeweiligen Partner entfernen und nur auf dein eigenes körperliches Empfinden zurückziehen kannst. Auch das ist keine besonders günstige Basis für eine glückliche Beziehung.

Du solltest dir daher überlegen, ob die Abneigung gegen Intimität sich in erster Linie gegen deinen jetzigen Freund richtet - dann wäre eine Trennung vermutlich sinnvoller - oder ob es dabei um ein generelles Problem geht. In diesem Fall würde ich dir unbedingt eine psychotherapeutische Beratung vorschlagen. Ich glaube übrigens nicht, dass es bei diesen Gefühlen eventuell nur um eine nicht erkannte Neigung zum eigenen Geschlecht geht. Das Problem scheint mir eher intime körperliche Nähe als solche zu sein.
LG, Dr. Karin Anderson"

[TK]

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