Schönheitsoperationen

Unters Messer für die Schönheit?

published: 06.09.2005

Schönheitsoperation - Gesicht aus dem Baukasten? (Foto: Maksim Shmeljov/shutterstock.com) Schönheitsoperation - Gesicht aus dem Baukasten? (Foto: Maksim Shmeljov/shutterstock.com)

Unters Messer für die Schönheit
Es ist seit Jahren das gleiche Bild: In Magazinen und auf Plakaten lächeln uns makellose Schönheiten der Werbebranche entgegen; abendfüllende Dokumentationen und sensationsgierige Boulevard-Magazine berichten von Schönheitsoperationen wie am Fließband. Schnell kann man sich da die Frage stellen: Sollte ich mich vielleichtauch unters Messer legen? Bestimmt hast du dir auch schon mal überlegt, wie du wohl mit einer anderen Nase aussehenwürdest oder dir einen größeren Busen gewünscht. Doch ist dieses Thema keineswegs so easy-going, wiees im Fernsehen oft aussieht. Eine Schönheits-OP will mehr als einmal gut überlegt sein.

Schönheit ohne Grenzen
Kaum zu glauben, aber Schönheitsoperationen sind gar nicht so ”neumodisch”, wie viele oft denken. Es gibt Belege,dass schon 400 vor Christus in Indien eine Nasenplastik durchgeführt wurde. Damals ging es aber hauptsächlichdarum, entstellende Makel und kranke Menschen zu operieren. Begründer der plastischen Chirurgie in Deutschland warder Arzt Johann Friedrich Dieffenbach (1792-1847). Im Laufe der Jahrhunderte haben sich Instrumente und Methodenverändert. Heute scheint fast alles möglich in der Ästhetischen Chirurgie. Theoretisch kann man seinganzes Gesicht in die Hände eines Chirurgen legen: Nase, Lippen, Kinn, Wangen, Ohren, Augen, Stirn – keine Partie,wo der Arzt nicht sein Messer anlegen könnte. An fast jeden Teil des Körpers kann eine künstlicheVeränderung vorgenommen werden. Angeblich neuster Trend bei kosmetischen Operationen ist es, Hände undFüße auf Modelmaße trimmen zu lassen. Hoch im Kurs stehen aber auch Vergrößerungen oderVerkleinerungen der Brust, das Fettabsaugen von den Waden bis zu den Oberarmen, Bauchdeckenstraffung oder auchSilikonimplantate für einen knackigen Po.

Schönheitsoperation – ein weiblicher Wunsch?
Weit gefehlt! Zwar sind es immer noch rund 80 Prozent Frauen, die sich einer Schönheitsoperation unterziehen,aber auch immer mehr Männer sind mit ihrem eigenen Spiegelbild unzufrieden und wagen den Gang zum Arzt. Alleinim letzten Jahr wurden in Deutschland über 400.000 Schönheitsoperationen durchgeführt und über eineMilliarde Euro in diese Korrekturen investiert – Tendenz steigend.

Wo fängt Schönheitschirurgie an?
”Schönheitsoperationen kommen für mich nicht in Frage, höchstens nach einem Unfall.” Diesen Satz hörtman oft von Prominenten oder im Freundeskreis. Doch wo fängt wiederherstellende Chirurgie an und wo hört sieauf? Das ist Auslegungssache und deshalb fast nicht definierbar.

Warum unters Messer?
Es gibt viele Gründe für Menschen, sich einer Schönheitsoperation unterziehen zu wollen. Selten ist esnur der körperliche Makel. Meist spielen auch andere Faktoren eine Rolle, derer man sich nicht immervollständig bewusst ist. Gerade Jugendliche betrachten ihr Äußeres oft überkritisch: Sie habenihren Platz in der Gesellschaft noch nicht gefunden und stellen fest, dass das körperliche Erscheinungsbild starkbeachtet und beurteilt wird. Beispielsweise Tine: Die 15-Jährige fühlt sich in ihrer Schule und ihrer Klassenicht wohl. Sie hat das Gefühl, die anderen hänselten sie. Tine kommt ins Grübeln und denkt darübernach, ob die anderen vielleicht netter zu ihr wären, wenn sie weniger wiegen würde. Gerade die Models in derWerbung suggerieren: Wer schön ist, hat auch Erfolg, ist beliebt und glücklich. Doch Glück mitSchönheit gleichzusetzen, ist eine gefährliche Rechnung, die nicht aufgeht. Eine andere Geschichte hatJana, 19 Jahre alt, zu erzählen: ”Meine Nase war, als ich noch klein war, süß – eine richtige Stupsnaseeben. Doch als ich etwa zehn Jahre alt war, wurde langsam deutlich, dass ich den riesigen Zinken meines Vaters geerbthabe. Das hat mich nie gestört, auch wenn von Jungen mal ein dummer Spruch kam. Das war meine Nase und diegehörte zu mir, samt ihrer Ausmaße und dem Höcker.” Inzwischen wurde Janas Nase aber operiert und dashatte nicht nur kosmetische Gründe, denn der Höcker wuchs immer weiter und auch die Nasenscheidewand begann,Jana gesundheitliche Probleme zu bereiten.

Jeder ist ab und zu unzufrieden mit seinem Äußeren. Erst wenn die Fixierung auf die Optik zur Obsession wird,sollte ein Arzt konsultiert werden. Und zwar zuerst der Hausarzt. Zusammen mit ihm kann dann der richtige Facharztfür Plastische Chirurgie gefunden werden. Ganz wichtig: Der Begriff “Schönheitschirurg” ist übrigens keinQualitätssiegel, da diese Ärzte keine besondere Ausbildung haben müssen und sich jeder so nennen kann.Wenn du selbst Probleme hast, solltest du dir genau überlegen, ob die Probleme gesundheitlicher oder ästhetischerNatur sind. Und du solltest dir darüber im Klaren sein, dass dein Leben sich nicht verändern wird, nur weil duplötzlich aussiehst wie Britney Spears. Persönlichkeit und Ausstrahlung sind mindestens genauso wichtig. Undwer will schon die Kopie eines Stars sein, ein Abziehbildchen anstelle eines individuellen Wesens? Und was wäre,wenn Britney Spears plötzlich ”out” wäre – dein neuer Look wäre genauso von gestern!

Zu jung für die OP?
Experten raten von Schönheitsoperationen bei Jugendlichen ab. Das hat mehrere Gründe: Ist der Körpernoch nicht ausgereift, lässt sich noch nicht abschätzen, wie er sich im Laufe der Jahre entwickeln wird.Narben können noch wachsen und das sieht nicht nur hässlich aus, sondern kann auch gesundheitliche Problemezur Folge haben. Da jeder Körper anders wächst, gibt es kaum allgemeine Regeln. Aber grundsätzlich solltenvor dem 18. Lebensjahr keine größeren Eingriffe durchgeführt werden. Lediglich das Ohrenanlegen führenÄrzte schon im Grundschulalter aus. Sollte ein Arzt ohne Bedenken eine Operation durchführen wollen, obwohl dunoch nicht 18 Jahre alt bist, und nicht einmal einen Psychologen hinzuziehen wollen, ist es ratsam, einen zweiten Facharzt für Plastische Chirurgie zu konsultieren.

Mehr als einmal überlegen
Wer glaubt, an einem Makel zu leiden, der auch gesundheitliche oder starke psychische Probleme mit sich bringt, solltesich den Gang zum Plastischen Chirurgen mehr als einmal überlegen. Eine Operation ist in jedem Falle eineBelastung für den Körper und Komplikationen können nie ganz ausgeschlossen werden. Später kann esSchwierigkeiten mit Verkapselungen oder Narben geben. Nachkorrekturen könnten notwendig werden. In anderen Fällenist es vielleicht gar nicht mehr möglich, nachträglich etwas zu verbessern. Es gibt beispielsweiseSelbsthilfegruppen für Silikon geschädigte Frauen. Deswegen solltest du genau darüber nachdenken,welche Risiken eine Operation birgt und welchen Nutzen sie für dich hat. Dabei ist auch zu bedenken, dass das Operationsergebnis am Ende anders aussehen kann als geplant.

[TK]

Das könnte dich auch interessieren:

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung