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Stresssituationen

Keine Angst vor dem Zahnarzt!

published: 06.09.2005

Zwei von drei Patienten haben Angst vor dem Zahndoktor (Foto: TK) Zwei von drei Patienten haben Angst vor dem Zahndoktor (Foto: TK)

Auf der Flucht vor Spritze und Bohrer
Zittern, Schweißausbrüche und der Drang, die Flucht zu ergreifen. So geht es vielen Patienten allein beim Gedanken an Spritze und Bohrer. Seinen Zahnarzt zu meiden, sollte jedoch nicht die einzige Lösung sein. Gegen die Panik vor der Behandlung kann man aktiv etwas unternehmen.

Wer geht schon gerne zum Zahnarzt?
Martin hat einen Termin bei seinem Zahnarzt. Er war seit Jahren nicht mehr in der Praxis. Nun hat er so starke Schmerzen, dass er den Besuch nicht mehr umgehen kann. Er hat die Nacht kaum geschlafen. Er hat Schweißausbrüche, wenn er nur an das Geräusch des Bohrers denkt und hofft, dass er sich vielleicht das Bein bricht oder ein Vulkanausbruch seinen Termin zunichte macht. Martin leidet an einer „Zahnbehandlungsphobie“. Eine Phobie bedeutet eine extrem gesteigerte, unangemessene Angst mit Panikattacken und Fluchtverhalten.

Die Gründe sind bei Martin schnell gefunden: Er hat als Kind schlechte Erfahrungen mit seinem Zahnarzt gemacht. Das grelle Licht, das jaulende Geräusch des Bohrers und jede Menge undefinierbarer Geräte versetzten ihn in Panik. Die Behandlung war schmerzhaft, aber seine Beschwerden wurden heruntergespielt. Er fühlte sich nicht ernst genommen. Kein Wunder also, dass die Kariesbeseitigung nicht zu Martins Freizeitvergnügen zählt.

Normale Angst oder ein echtes Problem?
Martin ist mit seiner Angst nicht allein. Zwei von drei Patienten haben Angst vor dem Zahndoktor. Einige davon leiden sogar unter einer krankhaften Zahnbehandlungsphobie. In Deutschland sind dies immerhin rund fünf Millionen Menschen. Schon beim bloßen Gedanken an den Zahnarzt bekommen diese Patienten Zittern und Schweißausbrüche. Panikanfälle werden begleitet von Herzrasen, Übelkeit und Brechreiz. Sie haben Angst vor den Schmerzen, Angst vor der Spritze, Angst zu ersticken und Angst vor der eigenen Angst. Viele schämen sich, ihre Zähne zu zeigen und fürchten, dass sie sich vom Zahnarzt eine Standpauke anhören müssen. So vermeiden die Phobiepatienten die Behandlung. „Nie mehr zum Zahnarzt“, haben sie sich geschworen. Gleichzeitig gibt es das schlechte Gewissen, weil die Zähne nicht rechtzeitig behandelt werden. Das dies nicht gut sein kann ist klar, doch die extreme Furcht siegt. Aber auch die „normale“ Angst sollte von deinem Zahnarzt und deiner Umwelt ernst genommen werden.

Erster Schritt: Die Angst eingestehen
Das wichtigste ist, sich der Angst zu stellen und anderen Personen seine Angst zu gestehen. Spreche mit deinen Eltern oder der besten Freundin/dem besten Freund darüber. Mache eine Liste mit allen Horrorszenarien, die du mit einem Zahnarztbesuch verbindest. Außerdem kannst du eine Person der du vertraust bitten, zum nächsten Termin mitzukommen. Gemeinsam seid ihr stärker.

Zweiter Schritt: Den Zahnarzt deines Vertrauens finden
Als nächstes gilt es, einen Arzt mit Fingerspitzengefühl zu finden. Inzwischen haben sich viele Zahnärzte auf die Behandlung von Angstpatienten spezialisiert. Sie besitzen die nötige Geduld und das Einfühlungsvermögen, aber auch die spezielle Technik für eine angstfreie Zahnsanierung. Trotzdem solltest du gleich bei der Terminvergabe und vor der Behandlung noch einmal deutlich machen: „Ich habe tierische Angst“. So wird man sich schon im Vorfeld auf dich einstellen und die nötige Zeit einplanen. Was kannst du also von deinem Zahnarzt erwarten?
Zunächst eine gründliche Aufklärung über die nötige Behandlung. Ihr könnt auch vereinbaren, dass der erste Termin nur zu einem intensiven Gespräch genutzt wird. So kannst du dich nach und nach deinen Ängsten stellen. Woher kommen sie? Wovor hast du konkret Angst? Es hilft auch, sich die unbekannten Geräte erklären zu lassen, oder sie selbst einmal anfassen zu können.
Der Arzt sollte jeden Schritt der Behandlung erklären und begründen und mehrere Pausen einlegen. Ihr könnt ein Zeichen vereinbaren (z.B. die Hand heben), wenn du eine Pause brauchst oder Schmerzen hast. Dann kommst du dir nicht mehr ausgeliefert vor.
Du solltest nicht allein im Zimmer gelassen werden. Schon gar nicht mit irgendwelchen Instrumenten im Mund. Die Zahnarzthelferin sollte beruhigend mit dir sprechen, dich ablenken und Körperkontakt halten. Der Arzt kann dich auch als Assistenten deiner eigenen Behandlung integrieren.
Nach der Behandlung solltet ihr kurz über den Erfolg reden.
Und zuletzt: Eine gute Praxis erinnert seine Angstpatienten telefonisch an den Vorsorgetermin. Es fällt dir dann nicht mehr so leicht, die Behandlung zu „schwänzen“.

Dritter Schritt: Die Angst austricksen
Um die Angst in den Griff zu bekommen gibt es zahlreiche Methoden. Du kannst eine Menge aktiv tun, um den Teufelskreis der Angst zu durchbrechen. Lass dir für den Nachmittag einen Termin geben. Das Schmerzgefühl ist am Nachmittag und nach einem guten Mittagessen geringer. Nimm eine spannende Lektüre für das Wartezimmer mit, oder lass dich von deiner Begleitperson ablenken. Bitte deinen Arzt, dich vorher umfassend durch Bilder, Filme oder Schautafeln zu informieren.

Angst hat kaum eine Chancen, wenn du gut abgelenkt wirst. Ein Fernseher im Sichtfeld, detailreiche Bilder an der Wand oder ein Aquarium können hilfreich sein. Über eine Multimedia-Brille mit integriertem Bildschirm und Kopfhörer kannst du in die Spielfilmwelt abtauchen. Aber auch selbst mitgebrachte Walkman, I-Pods oder CD-Player können helfen, sich zu entspannen – sprich das vorher mit deinem Arzt ab, denn die Schleif- und Bohrgeräusche werden so kaum mehr wahrgenommen und Schmerzen weniger intensiv empfunden. Besser entspannen kannst du auch durch Autogenes Training, Yoga, homöopathische Medikamente oder beruhigende Musik.

Wer Angst vor dem Bohrer hat, für den gibt es eine Alternativ-Methode zur Behandlung der Karies mit einem speziellen Gel. Nach kurzer Einwirkzeit wird die gelöste Zahnsubstanz mit einem kleinen Schaber entfernt. So wird kein Bohrer gebraucht. Wichtig ist auch, dass du frei durch die Nase atmen kannst. Ein Tipp: Ein Tropfen Pfefferminzöl unter die Nase garantiert ein freies, ruhiges Atmen.
Nach seinem erfolgreichen Zahnarztbesuch konnte Martin übrigens über seine Horrorvorstellungen nur lächeln. Es war gar nicht so schlimm, wie er befürchtet hatte. Er wusste einfach zu wenig von dem, was mit ihm bei der Behandlung passiert. Inzwischen hat er vollstes Vertrauen zu seinem Zahnarzt.
Du hast noch Fragen? Die Deutsche Gesellschaft zur Behandlung der Zahnbehandlungsphobie (DGZP) hilft dir weiter. Bei vielen Landesärztekammern gibt es Verzeichnisse mit Zahnärzten, die sich um Angstpatienten kümmern.

[TK]

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