Akupunktur

Mit Nadeln heilen

published: 06.09.2005

Was ist Akupunktur genau und wo kommt sie ursprünglich her? (Foto: Public Address) Was ist Akupunktur genau und wo kommt sie ursprünglich her? (Foto: Public Address)

Hauptsache es wirkt!
Sabine hatte über mehrere Jahre Kopfschmerzen. Sie wurde von Arzt zu Arzt geschickt, aber keine Behandlung konnte helfen. Dann schafften ein paar Nadeln das, was sie nie erwartet hätte: Nach einigen Akupunktur-Sitzungen war sie die lästigen Schmerzen los. Wie konnte das sein? Sabine war egal, warum diese kleinen Nadeln eine so große Wirkung hatten – Hauptsache sie war wieder gesund.

Trotz ihrer uralten Tradition ist die Akupunktur in der westlichen Welt noch nicht lange bekannt und die Wirkungsweise konnte lange Zeit nicht genau wissenschaftlich erklärt werden.

Eine fernöstliche Therapie
Was ist Akupunktur genau und wo kommt sie ursprünglich her?
Akupunktur ist eine 3000 Jahre alte chinesische Regulations- und Ordnungstherapie. Indem bei der Akupunktur spezielle Punkte der Haut gereizt werden, können mit den Nadeln bei einer ganzen Reihe von Krankheiten die Beschwerden gelindert oder die Krankheit sogar ganz geheilt werden. Aus der ältesten chinesischen Naturphilosophie, dem Taoismus, stammt das Prinzip der Einteilung des gesamten Universums und sämtlicher Naturphänomene nach dem sich ergänzenden polaren Gegensatzpaar Yin und Yang. Die dazwischen liegende Spannung wird als Qi bezeichnet. Der Begriff steht für Lebensenergie: Yin lässt sich mit Kälte, Schwäche, Leere, Yang mit Wärme und Fülle gleichsetzen. Ist der Mensch gesund, liegen beide Pole im Gleichgewicht. Ist das Gleichgewicht jedoch durch krankhafte Faktoren gestört, kommt es zu einem stockenden Energiefluss, der häufig Schmerzen verursacht.

Was passiert bei der Akupunktur?
Der Begriff Akupunktur setzt sich aus Acus = Nadel und pungere = stechen zusammen. Die chinesische Bezeichnung bedeutet soviel wie „stechen und wärmen“. Somit umfasst die Akupunktur sowohl eine Therapie über ausgewählte Akupunkturpunkte mittels Nadeln als auch die Erwärmung dieser Punkte. Genauso, wie es einen Weg von den krankhaften inneren Organen zur Körperoberfläche gibt, gibt es auch einen Zugangsweg von der Körperoberfläche zu den inneren Organen. Vermutlich wirkt die Akupunktur so: Über Reizung von Akupunkturpunkten bilden sich im Körper morphiumartige Substanzen (Endorphine) und Nervenüberträgersubstanzen (Neurotransmitter). Diese wirken schmerzstillend und psychisch ausgleichend. Die Schmerzakupunktur wird häufig bei chronischen Kopfschmerzen, Lendenwirbelsäulenschmerzen und chronischen Gelenkschmerzen eingesetzt. Über Reize an bestimmten Hautstellen können diese Symptome beeinflusst werden.

Tun die Nadeln nicht weh?
Bei der Akupunktur werden sehr feine, sterile Einmalnadeln verwendet. Der Einstich selbst ist fast schmerzfrei und nicht mit einer Spritze zu vergleichen. Die Behandlung geschieht durch Stechen von Nadeln in die notwendigen Punkte am Körper. Häufig folgt ein leichtes Schwere-, Wärme- oder Druckgefühl, eventuell auch ein Gefühl der „Elektrisierung“. Nach einigen Minuten entspannt sich der Körper - Arme und Beine fühlen sich schwer an. Viele Patienten empfinden ein „Fließen“ im Körper.

Die TK und das Modellvorhaben „Akupunktur“
Dass die Akupunktur schon in der Vergangenheit zahlreichen Patienten geholfen hat, ihre Beschwerden zu lindern oder die Krankheit sogar auf Dauer zu heilen, reichte bisher als Argument nicht aus, um sie als Kassenleistung in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung aufnehmen zu können.

In einem Modellprojekt hat die TK jetzt die Wirkung der Akupunktur wissenschaftlich nachgewiesen. Die im Rahmen des Modellprojektes gewonnenen Daten sollen die Wirksamkeit der Akupunktur untersuchen. Im Falle der Wirksamkeit könnte die Akupunktur in Zukunft Kassenleistung werden. Die Entscheidung darüber trifft der Gemeinsame Bundesausschuss. Im Auftrag der Techniker Krankenkasse haben in den vergangenen viereinhalb Jahren in unserem wissenschaftlich begleiteten Modellvorhaben rund 13.000 Ärzte über 360.000 Patienten (der Versicherte musste das 18.Lebensjahr vollendet haben) mit Akupunktur behandelt und dabei weit über 20 Millionen Akupunktur-Nadeln gesetzt. Nun liegt ein Abschlussbericht für das Modellprojekt vor, in dem es heißt, dass die Akupunktur den Vergleich mit anerkannten medizinischen Verfahren nicht zu scheuen braucht. Akupunktur wirkt, ist sicher und erhöht die Lebensqualität. Wissenschaftler der Berliner Charité haben dafür über drei Millionen Akupunktur-Behandlungen ausgewertet. Bei einigen Krankheiten konnte die Wirksamkeit der Akupunktur bewiesen werden.

Wobei helfen die Nadeln?
Ob bei deinen Beschwerden Akupunktur sinnvoll ist und durchgeführt werden kann, entscheidet dein Arzt. Akupunktur wird von Ärzten mit spezieller Zusatzausbildung durchgeführt. Akupunktur kann nur ein Teil einer gesamten Therapie sein. Daher sollte dein Arzt vor der Behandlung eine genaue Diagnose stellen. Vorraussetzung dafür, dass die TK (oder eine andere Krankenkasse) Kosten für die Akupunktur übernimmt, ist die Teilnahme an dem Modellvorhaben. Deine Erkrankung muss seit mehr als sechs Monaten behandelt worden sein, du musst das 18. Lebensjahr vollendet haben und der die Akupunktur durchführende Vertragsarzt muss an dem Modellprojekt der TK teilnehmen. Folgende Krankheiten werden im Modellvorhaben behandelt:

· chronische Kopfschmerzen
· chronische Lendenwirbelsäulen-Schmerzen
· chronische osteoarthritische Schmerzen bei degenerativen Gelenkerkrankungen

Die TK erstattet die Kosten für bis zu zehn Akupunkturbehandlungen pro Behandlungsjahr bei einer der im Modellvorhaben enthaltenen Indikationen. Das Behandlungsjahr beginnt mit dem ersten Behandlungstag. In ärztlich begründeten Einzelfällen können bis zu fünf weitere Behandlungen durchgeführt werden.

Die einzelne Akupunkturbehandlung dauert mindestens 30 Minuten. Pro Sitzung berechnet der am Modellvorhaben teilnehmende Arzt bis zu 35 EUR. Nach Vorlage der Rechnung und eines auszufüllenden Patientenabschlussbogens werden dir unter Abzug einer Eigenbeteiligung in Höhe von 10 Prozent die Kosten erstattet. Soweit du durch gesetzliche Zuzahlungen deine jährliche Belastungsgrenze erreicht hast, entfällt auch deine Eigenbeteiligung an den Akupunkturkosten.

Nähere Infos zum Thema Modellprojekt Akupunktur gibt es in einem kostenlosen Beratungsblatt, das in jeder TK-Geschäftsstelle erhältlich ist.

[TK]

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