Übergewicht

Ran an den Speck

published: 06.09.2005

Manche Kinder baruchen lange, um ihren Babyspeck los zu werden (Foto: Sylvie Bouchard/shutterstock.com) Manche Kinder baruchen lange, um ihren Babyspeck los zu werden (Foto: Sylvie Bouchard/shutterstock.com)

Ran an den Speck
Beim Sportunterricht sind sie immer die letzten, die ins Team gewählt werden und in der Klasse sind sie dem Spott ihrer Mitschüler ausgesetzt – übergewichtige Kinder. Bei ihnen ist aus dem Babyspeck fast unbemerkt ein Schokoladen-Chips-Zu-Wenig-Sport-Speck geworden und der kann das Leben verdammt schwer machen. In Deutschland ist davon inzwischen fast jedes vierte Kind und jeder vierte Jugendliche betroffen. Tendenz: steigend. Und auch der Zeiger der Waage steigt bei den meisten immer höher: Sie mögen sich nicht mehr bewegen oder fühlen sich schlecht und traurig. Ein Teufelskreis aus Essen, Gewichtszunahme, Hänseleien, Frust und wieder Essen beginnt.

Wenn die Waage ächzt
Dafür gibt es zahlreiche Ursachen. Nicht nur Erziehung, Esstradition und Lernerfahrungen sind verantwortlich für unser Essverhalten. Auch die genetische Disposition spielt eine Rolle. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass an den so genannten "guten" und "schlechten" Futterverwertern wirklich etwas dran ist. Schlechte Futterverwerter sind selten dick. Ihr Stoffwechsel läuft ständig auf Hochtouren. Eine Tafel Schokolade schlägt bei ihnen nicht so schnell zu Buche. Gute Futterverwerter müssen damit leben, dass ihr Stoffwechsel auf Sparkurs läuft. Dennoch ist dies für die Betroffenen kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken und ihr Schicksal der Chipstüte zu überlassen. Denn: Dickmachende Gewohnheiten sind sehr viel häufiger die Ursache für Übergewicht. Wer zum Beispiel gelernt hat, den Teller leer zu essen, bei Stress nach Süßem zu greifen oder sich mit Essen zu belohnen, muss sich nicht wundern, wenn irgendwann die Waage zu viele Pfunde anzeigt.
Fazit: Wer schon früh mit einem Zuviel auf den Hüften zu kämpfen hat, hat dies also nicht nur geerbt, sondern vor allem von seinen Eltern oder seinem Umfeld falsch gelernt. Und wie bei fast allen Problemen gibt es bei Übergewicht keine einfache Lösung, da die Ursachen genauso vielfältig sind, wie das Problem selbst. In unserer Gesellschaft gibt es drei Hauptgründe für Übergewicht: mangelnde Bewegung, falsche Essgewohnheiten und Essen aus Langeweile.

Auf die Dauer hilft nur Power
Jeden Tag die Lieblingsserie gucken, rasant durch alle Programme zappen oder das neue Computerspiel in einem Rutsch durchspielen – die Hobbys der meisten Jugendlichen beschränken sich heute auf sitzende Tätigkeiten. Sport? Höchstens als Übertragung im Fernsehen! Doch wer sich nicht bewegt, kann keine Kalorien verbrennen. Eine Schwierigkeit, mit der auch viele Erwachsene zu kämpfen haben, da Fahrstühle, Bürotätigkeiten und Auto fahren das Leben zwar bequemer, aber auch bewegungsärmer machen. Als wenn das noch nicht verflixt genug wäre, locken süße, salzige und andere Leckereien zu einer vermehrten Kalorienaufnahme. Ohne Knabbereien einen Film ansehen? Für viele undenkbar!

Gewohnheiten sind falsche Freunde
Mit dem Essen ist es eigentlich wie mit allen guten oder schlechten Angewohnheiten: Gehört ein bestimmtes (Ess)Verhalten erst einmal zum Alltag, wird man es so schnell nicht wieder los. Hinzu kommt, dass viele gar nicht wissen, wie man ”gut” isst. Gibt es zu Hause immer nur volle Teller, damit man groß und stark wird, versorgt man sich selbst zu Mittag mit einer riesigen Tiefkühlpizza, weil die Eltern arbeiten, und gönnt man sich hier und da eine Tafel Schokolade, weil das gut für die Nerven ist, ist es schwer zu verstehen, warum man anders essen sollte. Es gibt nämlich keine ”bösen” Lebensmittel, es gibt nur falsches Essverhalten.

Der spannende Inhalt des Kühlschrankes
Nahrung ist in unseren Breiten ein ständig verfügbares Gut. Kein Wunder, dass man da gerne die Kühlschranktür öffnet. Das Werbefernsehen und die großen Displays in den Supermärkten zeigen uns den ganzen Tag Bilder von leckeren Dingen. Die Folge: Oft isst man gar nicht mehr, weil man Hunger hat, sondern einfach aus Appetit, Langeweile oder Frust. Mit der Zeit gewöhnt sich der Körper an große Nahrungsmengen und es ist nicht leicht, die Essenszufuhr wieder zu verringern. Auch hier spielt die Gewohnheit eine große Rolle. Essen hat auch eine enorme psychische Bedeutung. Es ist eine Art Zaubermittel für Menschen mit Gewichtsproblemen, durch das sie versuchen, ihre unangenehmen Gefühle zu beeinflussen. Essen hilft kurzfristig bei Langeweile, Einsamkeit, Ärger, Kränkung und Enttäuschung. So wie Mami uns mit Schokolade tröstete oder belohnte, tun wir es als Jugendliche oder Erwachsene selbst. Die innere Leere wird so scheinbar aufgefüllt, doch an den dahinter steckenden Problemen ändert das rein gar nichts.


Wann bin ich eigentlich ”zu dick”?
Du bist nicht zu dick, nur weil du den im Fernsehen angepriesenen Idealmaßen nicht ganz entsprichst. Models sind nicht ”normal”, sie haben fast immer starkes Untergewicht, was auch extrem ungesund ist. Ob du zu dick bist oder nicht, hängt auch immer davon ab, wie du dich wohl fühlst.
Aber es gibt tatsächlich eine medizinische Berechnungsform, an der man sich orientieren kann, den so genannten ”Body-Mass-Index” (BMI). Der BMI errechnet sich nach dem Körpergewicht in Kilogramm, geteilt durch die Körpergröße in Metern im Quadrat. Kompliziert? Macht nichts, hier ein Beispiel:
Steffi ist 13 Jahre alt, 1.62 Meter groß und wiegt 63 Kilo. Sie muss rechnen: 63 durch 2.62 (1.62 x 1.62), und kommt so auf einen BMI von 24,05. Die Grenze zwischen Normal- und Übergewicht ist je nach Alter und Geschlecht verschieden. Bei Kindern und Jugendlichen teilt man Mädchen und Jungen in so genannte Perzentilgruppen ein, um den unterschiedlichen BMI zu definieren:
BMI für Jungen
BMI für Mädchen
Bei Jugendlichen über 14 und Erwachsenen unterscheidet man nur noch zwischen einer BMI-Grenze von 24 bei Frauen und von 25 bei Männern. Wenn du einen höheren BMI hast, dann giltst du medizinisch als übergewichtig. Wenn ein Mädchen mit 13 Jahren einen BMI von 23 hat, wird sie als leicht übergewichtig eingestuft, bei Jungen liegt die Grenze in diesem Alter bei einem BMI von ebenfalls 23.

”Ich esse doch nur, was zu Hause auf den Tisch kommt”

Egal ob in der ersten eigenen Wohnung, an der Fast-Food-Theke oder zu Hause bei den Eltern – Essen mit guten Geschmacksträgern schmeckt immer am Besten. Das Dumme daran ist, dass einer der besten Geschmacksträger das kalorientriefende Fett ist. Kalorienbomben mit vielen Geschmacksverstärkern, wie beispielsweise Natriumglutamat, sind zwar köstlich, halten aber durch fehlende Ballaststoffe nicht lange satt – schon schnell bekommt man wieder ein Hungergefühl, obwohl man bereits viele Kalorien zu sich genommen hat. Gerade bei Fast Food ist hier Vorsicht geboten. Und wenn bei deinen Eltern nur fettreiche Sachen auf den Tisch kommen, hilft nur eines: mit deinen Eltern darüber reden oder vielleicht einmal selbst den Kochlöffel schwingen. Mit ein paar Tricks lassen sich kalorienarme Mahlzeiten zubereiten, die auch gut schmecken. Puten- und Hähnchenfleisch ist beispielsweise eine fettarme Variante zu anderen Fleischsorten, Joghurt lässt sich als kalorienarme Alternative zu Sahne einsetzen. Auch die Wahl des Fettes spielt eine Rolle, denn gänzlich auf die Kalorienbombe zu verzichten, wäre nicht nur ein Geschmacksverlust, sondern auch nicht gut für den Körper. Dabei gilt: Ungesättigte Fettsäuren (dazu zählen alle pflanzlichen Fette), dürfen in den Kochtopf, gesättigte Fettsäuren sollte man gänzlich vom Speiseplan streichen, wenn man abnehmen will.

[TK]

Links

BMI für Jungen
BMI für Mädchen

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