Auch wenige Zigaretten am Tag sind gesundheitsschädlich (Foto: Public Address)Ecstasy (Foto: Public Address)Alcopops kommen erst einmal scheinbar harmlos daher (Foto: stocksolutions/shutterstock.com)Essen nach der Ernährungspyramide klingt erst mal hochwissenschaftlich, ist es aber nicht (Foto: Bogdan Wankowicz/shutterstock.com)Paprika jedweder Couleur sind starke Vitamin C-Bringer (Foto: couleur/shutterstock.com)Das Ursprungsland des Tees ist wahrscheinlich China (Foto: shutterstock.com/photographer)Drin ist was drauf steht, aber das ist manchmal eine Wissenschaft für sich (Foto: nenetus/shutterstock.com)

Computersucht

Leben in der virtuellen Welt

published: 13.09.2005

Wenn du beim Computer den Aus-Knopf kaum noch nutzt, läufst du in Gefahr, computersüchtig zu werden (Foto: Public Address) Wenn du beim Computer den Aus-Knopf kaum noch nutzt, läufst du in Gefahr, computersüchtig zu werden (Foto: Public Address)

Mehr frustig als lustig
Jochen hat ein tolles Hobby: seinen Computer. Er ist eine wandelnde Suchmaschine und kennt über 300 Webadressen auswendig. Er hasst Dinge, bei denen es keine „Return-Taste“ gibt. Er träumt im HTML-Format. Das Fernsehprogramm versucht er mit „Doppelklick“ zu wechseln. Wenn jemand einen Witz erzählt, sagt er „LOL“. Beim Aufsatz in der Schule braucht er viel Tipp-Ex, da er nach jedem Punkt ein „com“ oder „de“ einfügt. Weihnachtsgeschenke gibt es nur von Ebay. Er richtet sogar seinem Hund „Java“ eine eigene Webseite ein. Mit seiner letzen Freundin hat er per E-Mail Schluss gemacht (mit der davor übrigens gar nicht, weil sie kein Internet hatte). Manchmal meldet er sich am Telefon mit seinem Nickname, da Jochen ihm nicht mehr geläufig ist. Was lustig klingt, ist eigentlich sehr ernst, denn – Jochen ist computersüchtig…

Kann der PC abhängig machen?
Deine Eltern machen sich Gedanken, weil du zu oft und zu lange vor dem Computer sitzt? Du beschäftigst dich ständig mit deinem Rechner, spielst, downloadest oder surfst im Netz. Aber was ist „normal“ und was nicht? Was ist Computersucht? Gibt es so was überhaupt? Ja, Computersucht gibt es und sie sollte auch ernst genommen werden. Natürlich ist nicht der Körper abhängig, wie etwa bei Alkohol oder Zigaretten. Aber auch der Kopf, die Psyche, kann süchtig sein und du zeigst ein typisches Suchtverhalten. Woran du merkst, ob du süchtig bist? Ganz klar: Wenn du dein Verhalten nicht mehr selbst kontrollieren kannst. Eine Woche nicht die Tastatur oder den Joystick anfassen – geht das? Wenn du nicht easy über längere Zeit das Ding ausgeschaltet lassen kannst, hast du ein Problem – ein Suchtproblem.

Computersucht macht einsam
Tür zu, Computer an – und keiner nervt mehr. Viele Computerjunkies fühlen sich allein, auch wenn sie sich das nicht eingestehen, denn der Computer ist ja der beste Freund. Und wer viel am PC sitzt, wird immer einsamer. Ein Teufelskreis also. Bis du 20 bist, ist die Gefahr besonders groß, dich in eine andere, bunte, anonyme, ungefährliche, kontrollierbare Welt zu flüchten. Aber der Computer ersetzt nicht deine Freunde, den Fußballplatz oder eine eigene Band. Dabei sind abhängige Kids oft sehr begabt, kreativ und technisch fit. Eins ist klar: Der Computer ist nicht schuld. Er allein macht nicht süchtig – nur dadurch, dass er auf deinem Schreibtisch steht. Er ist Mittel zum Zweck, um anderen Problemen zu entkommen.

Auch das noch ...
Der Computer bedeutet für dich: weniger Stress und Ärger im wirklichen Leben. Dass der Computer einsam macht, ist klar. Hinzu kommt aber, dass du durch das viele Sitzen Probleme mit deinem Rücken bekommst. Zu viel Zeit am PC schadet deinen Augen, du kannst unter Kopfweh leiden oder hast einen unruhigen Schlaf. Wer nebenbei noch Chips und Schokolade knabbert, sich aber kaum bewegt, hat schnell ein paar Pfunde mehr drauf, als seine Helden im PC-Game.

Wie wichtig ist dir dein Computer?
Wie erkennst du rechtzeitig, dass ihr – du und dein Computer – ein Problem habt? Schau mal in die folgende Liste: Kommt dir etwas bekannt vor?

* Du verbringst deine gesamte Freizeit am PC.
* Vor dem Bildschirm sitzt du mehr als 20 Stunden pro Woche.
* Du hast keinen Bock mehr auf Sportverein und Kumpels.
* Du hast schon mal wegen deines Rechners ein Date sausen lassen.
* Deine Freunde kennst du hauptsächlich übers Internet.
* Du hast mit deinen Chatfreunden mehr Spaß und kannst ihnen alles anvertrauen.
* Du bist am liebsten allein in deinem Zimmer – dort fühlst du dich am wohlsten.
* In der Schule geht es in letzter Zeit bergab.
* Oft bist du müde.
* Manchmal schläfst du weniger, weil du es nicht schaffst, auf „Herunterfahren“ zu klicken.
* Wenn du nicht gut drauf bist oder dich allein fühlst, schaltest du den PC an.
* Du kannst es kaum erwarten, nach Hause zu kommen und dich vor den Computer zu setzen. Du sehnst dich nach ihm.
* Wenn du deinen „Freund“ nicht einschalten kannst, bist du nervös und reizbar.
* Manchmal lügst du und verschweigst, wie lange du am Rechner sitzt.
* Du bist total uninteressiert an sportlichen Aktivitäten.

Wo ist das Problem?
Blöd ist: Meist merkst du als Letzter, dass irgendetwas schief läuft. Während deine Eltern sich bereits zu Tode sorgen, weil du immer nur vor dem Bildschirm hockst, bist du fest davon überzeugt alles im Griff zu haben. No Problemo. Grundsätzlich gilt: Wenn dir jemand zum Thema Computer eine Ansage macht, wird schon was dran sein! Dass dein Computer nicht nur dein bester Freund ist, sondern du auch unter ihm leidest, entdeckst du erst sehr spät – aber nicht zu spät.

Raus aus der Bildschirmwelt
Gefahr erkannt – Gefahr gebannt. Dir selbst einzugestehen, dass in deinem Leben etwas schief läuft, ist der allererste Schritt. Wenn du versuchst, dem Computer keine Kontrolle mehr über dein Leben zu geben, wirst du wahrscheinlich zuerst in ein Loch fallen. Was nun? Was fange ich mit meiner Zeit an? Deine Freizeit rechtzeitig neu zu planen ist wichtig. Überleg dir: Was kannst du alles? Worauf bist du besonders stolz? Was hast du früher gerne gemacht? Nun zum PC: Schreib dir auf, wie lange du täglich am Computer verbringst. Dann setzt du dir ein Ziel – vielleicht eine Stunde weniger am Tag. Stelle dir einen Wecker. Es hilft auch, wenn ihr den Computer ins Wohnzimmer oder in die Küche stellt. Wichtig ist, andere Dinge in deiner freien Zeit zu planen und nicht stattdessen vor der Glotze zu hängen. Und beim Kicken oder im Schwimmbad wirst du die Kiste garantiert nicht vermissen.

Geht nicht, gibt’s nicht
Es fällt immer schwer, etwas zu verändern – einmal dich selbst zu bewegen und nicht nur die Maus, aber: Spielen und Surfen kann man nicht nur am PC! Wenn du jedoch extreme Probleme hast, deine computerfreien Zeiten einzuhalten, ist Hilfe angesagt. Dann solltest du dich an deinen Hausarzt oder einen Psychologen wenden. Denk dran: Hilfe anzunehmen ist eine Stärke und keine Schwäche. Eine Therapie wirkt nur, wenn DU es wirklich willst, nicht wenn deine Eltern dich hinschleppen.

Das „Wichernhaus“ bietet als erstes Kinderkurheim eine Therapie für computersüchtige Kids an. Das Kinderkurheim liegt im mecklenburgischen Ostseebad Boltenhagen und bietet einen Ausweg für Jugendliche aus dem Teufelskreis Computersucht.

Hier findest du Unterstützung: www.wichernhaus.m-vp.de

[TK]

Links

www.wichernhaus.m-vp.de
www.rollenspielsucht.de

ANZEIGE

Das könnte dich auch interessieren:

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung