Richtig streiten

Konflikte als Chance

published: 13.09.2005

Konflikte können auch als Chance genutzt werden (Foto: Andrey_Popov/shutterstock.com) Konflikte können auch als Chance genutzt werden (Foto: Andrey_Popov/shutterstock.com)

Du dumme Kuh!
„Du kannst mich mal“, „blöde Kuh“, „selber blöde Kuh“, „du wolltest doch“, „wollte ich nicht ...“. Verstehst du, worum es geht? Kein Wunder, denn oft weiß man beim Streiten selber kaum, worum es ursprünglich ging. Das Gespräch dreht sich plötzlich im Kreis, man wird laut und beleidigend. Eine alltägliche Situation. Andere überzeugen oder überreden zu wollen, also lediglich Recht bekommen zu wollen, ist sicher der falsche Ansatz. Fühlen wir uns in einem Streit bedroht, reagieren wir meist instinktiv mit Gegenangriff, Verteidigung oder Flucht. Wenn die Wogen erst hoch schlagen, wird man kaum mehr zu einem versöhnenden Ergebnis kommen.

Konflikte als Chance
Unterschiedliche Ansichten sind normal. Streiten gehört zu jeder Familie, Beziehung und Freundschaft. Aber Konflikte sind immer auch eine Chance. Wer um der Harmonie willen schweigt, staut innerlich Ärger und Wut an. Je schneller man darüber redet, desto leichter ist der Konflikt zu bewältigen. Richtig streiten heißt, den eigenen Standpunkt klar zu vertreten, dem anderen zuzuhören und nach einer Lösung zu suchen. Jeder kann richtig streiten. Voraussetzungen dafür sind lediglich eine gute Wahrnehmung und die Fähigkeit, aktiv zuzuhören. Respektvolles Verhalten ist das Wichtigste bei einem Streit. Fair diskutieren will gelernt sein und braucht daher einige Regeln.

1. Trau dich
Wichtig ist natürlich, sich dem Konflikt überhaupt zu stellen. Das bedeutet auch, einen Streit eventuell zu provozieren, wenn dich etwas stört oder beschäftigt. Bedenke immer: Ärger runterzuschlucken, ist falsch. Ständig dergleichen Meinung zu sein, nie „Nein“ zum anderen zu sagen, ist auf Dauer langweilig und eher ein Zeichen von Angst und Harmoniesucht als ein Zeichen von Liebe.

2. Ort und Zeitpunkt
Am besten solltest du Ärger immer gleich aussprechen, dann staut sich nichts auf und der andere hat sofort die Möglichkeit zu reagieren. Größere Probleme solltest du jedoch aufs Wochenende oder einen freien Abend verschieben. Streite nie unter Zeitdruck oder vor Publikum. Ihr solltet euch anschauen können, also nicht am Telefon oder via SMS. Nicht geeignet sind Mahlzeiten, das Auto oder mit einem Partner das Bett.

3. Spreche von dir
Bleibe bei deinen eigenen Gedanken und Gefühlen. Gebrauche Ich-Sätze und vermeide Du-Sätze. „Ich fühle mich unverstanden“ statt „Du hörst mir nie zu“. So vermeidest du Vorwürfe.

4. Werde konkret
Mache keine Verallgemeinerungen, sondern spreche konkrete Dinge an. „Immer“ und „nie“ sind tabu. Nenne Punkte beim Namen. So wird deine Aussage anschaulicher.

5. Bleibe beim Thema
Abschweifen gilt nicht. Wechsle nicht das Thema, wenn dir die Argumente ausgehen oder werfe dem anderen alles vor, was dir momentan einfällt.

6. Spreche Gefühle an
Sag dem anderen, wie du dich gerade fühlst. Bist du verletzt oder beleidigt? Der andere muss wissen, was in dir vorgeht und woran er bei dir ist. Also: nicht um den heißen Brei reden, Andeutungen machen oder indirekt streiten.

7. Versuche nicht zu siegen
Hör auf, nach einem Schuldigen zu suchen. Es geht nicht darum, wer Recht hat und wer nicht, sondern darum, eine Lösung für euer Problem zu finden.

8. Gebe Irrtümer zu
Stellst du im Verlauf des Streites fest, dass du dem anderen doch Unrecht getan hast, versuche es zuzugeben. Keine Angst, du verlierst dein Gesicht nicht. Einen Irrtum einzuräumen ist ein Zeichen von Stärke.

9. Nimm den anderen ernst
Den anderen mit seinen Sorgen, Ängsten und Wünschen ernst zu nehmen, ist die Grundvoraussetzung für eine Lösung des Konflikts. Wer ironisch wird oder den anderen belächelt, kann selber nicht ernst genommen werden.

10. Vermeide Vorwürfe
Vorwürfe und Abwertungen rufen meist das Gefühl hervor, versagt zu haben, weil man etwas falsch gemacht hat. Dein Gegenüber reagiert darauf mit Rückzug oder Trotz. Ein offenes Gespräch wird dadurch verhindert.

11. Vermeide Drohungen
Fies ist es, den anderen unter Druck zu setzten. Mit einer Drohung versucht man zu erreichen, dass der andere sich so verhält, wie man es möchte. Du solltest aber die Gefühle und Wünsche deines Gesprächspartners ernst nehmen.

12. Höre aktiv zu
Zeige dem anderen, dass du intensiv zuhörst. Schaue ihn an und wende dich ihm zu. „Aktives Zuhören“ ist die Kunst des Streitens. Es geht darum, Gefühle, Interessen und Wünsche hinter den Worten zu entschlüsseln. Nicht immer sagt man genau das, was man meint. Also achte auf Körpersprache, Gestik und Mimik.

13. Fasse zusammen
„Wenn ich dich richtig verstanden habe, meinst du ...“. Überprüfe das, was du verstanden hast und wiederhole es mit eigenen Worten. So lassen sich Missverständnisse vermeiden und du zeigst, dass du zuhören kannst.

14. Überhöre Äußerungen
Auch wenn es schwer fällt, aber du solltest lernen, Dinge zu überhören. Es gibt viele Äußerungen, die meist unüberlegt fallen und die Gespräche abbremsen. Wer im richtigen Augenblick schweigt, kann oft besser streiten, weil er nur dort streitet, wo es sich lohnt.

15. Verschiebe den Streit
Wenn die Emotionen zu hoch gehen und der Streit eskaliert, versuche den Streit zu verschieben. So vermeidet ihr Endlosdiskussionen. Akzeptiere auch, wenn dein Gesprächspartner sich zurück zieht oder um eine Bedenkpause bittet.

Brisante Themen
Die häufigsten Streitgründe sind übrigens Geld, Eifersucht, Hausarbeit und Unordnung.

Folgende Sätze sind tabu

„Halt endlich die Klappe!“
„Hau doch ab!“
„Mach doch, was du willst!“
„Du kannst mir nichts vormachen!“
„Du Idiot, Versager, Niete ...!“

Wichtig:
Rutscht dir doch eine Gemeinheit raus, entschuldige dich möglichst sofort!

[TK]

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