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Jungs und Mädels

Der feine Unterschied

published: 13.09.2005

Jungs und Mädchen drücken ihe Emotionen unterschiedlich aus (Foto: Syda Productions/shutterstock) Jungs und Mädchen drücken ihe Emotionen unterschiedlich aus (Foto: Syda Productions/shutterstock)

Jungen werden in unserer Gesellschaft anders erzogen als Mädchen. "Zäh wie Leder und hart wie Krupp-Stahl" sollte ein Junge sein. Das forderten unsere Großeltern vor 70 Jahren. Ausserdem hieß es: ”Ein Indianer kennt keinen Schmerz.” Für unsere Eltern, die mit Karl Mays Büchern vom romantischen Wilden Westen aufwuchsen, war der stolze, stumm am Marterpfahl schlimmste Qualen erleidende Indianer das leuchtende Vorbild für Männlichkeit.

Auch wenn die Protest- und Flower-Power-Generation der 60-er und 70-er Jahre versuchte, alles ganz anders als ihre eigenen Väter und Mütter zu machen und ihre Sprösslinge ”repressionsfrei und antiautoritär” zu erziehen, blieb der Gegensatz zwischen Jungen und Mädchen in punkto ”Gefühle zeigen” bestehen.

Wie kann das sein? Wo Eltern sich doch alle Mühe geben, ihre Töchter und Söhne gleich zu behandeln. Mädchen dürfen doch Fußball und Jungen mit Puppen spielen, sie ziehen sich doch gleich an und besuchen die gleichen Schulen.

Warum klagen trotzdem so viele Mädchen darüber, dass ihre Freunde nie mit ihnen über ihre Gefühle sprechen wollen? Und warum beschweren sich Jungen, dass ihre Freundinnen dauernd ”über die Beziehung quatschen” wollen?

Auch wenn viele es nicht wahrhaben wollen: Männer und Frauen funktionieren unterschiedlich, auch wenn sie ganz gleich erzogen werden. Untersuchungen haben ergeben: Das Gehirn von Jungen unterscheidet sich tatsächlich ein wenig von Mädchengehirnen. Bestimmte Zentren sind bei beiden Geschlechtern unterschiedlich stark ausgebildet. Im weiblichen Gehirn sind eindeutig Areale grösser, die für Sozialkontakte, für Einfühlungsvermögen und Verständigungsbereitschaft zuständig sind. Auch die Begabung zum Lernen von Sprachen scheint bei Mädchen stärker entwickelt zu sein als bei Jungen.

All diese Fähigkeiten haben mit dem Ausdrücken von Gefühlen zu tun! Jungen sind damit von Natur aus leider etwas schlechter ausgestattet.
Das ist aber noch nicht alles. Das menschliche Gehirn ist ungeheuer lern- und wandlungsfähig. Je mehr eine Fähigkeit trainiert wird, desto mehr Nervenverbindungen bilden sich an der Stelle im Gehirn, die für diese bestimmte Tätigkeit zuständig ist. Zum Beispiel hat man nachgewiesen, dass Londoner Taxifahrer ein wesentlich grösseres Orientierungszentrum in ihren Gehirnen haben als andere Engländer! Sie verdienen schließlich ihr Geld damit, dass sie sich überall schnell in dieser Riesenstadt zurechtfinden können.

Trainieren Jungen ihr Gehirnzentrum für das Zeigen von Gefühlen denn wirklich weniger als Mädchen? Werden sie nicht gleich erzogen?
Auch wenn Eltern glauben, keine Unterschiede zu machen: Die Wirklichkeit sieht anders aus! Mit kleinen Gesten, mit Blicken und mit scheinbar unbedeutenden Bemerkungen wird dem kleinen Jungen klar gemacht, wie ein echter Junge zu sein hat. Er ist ein ”Angsthase”, wenn er sich nicht traut, von der großen Rutsche zu rutschen und lieber oben stehen bleibt. Er ist eine ”Heulsuse”, wenn er weint, weil ihn ein anderes Kind auf dem Spielplatz geschubst hat. Er soll ”hart im Nehmen” sein, nicht ”wie ein Mädchen”, wenn er sich wehgetan hat. Er soll keine ”Zimperliese” sein, wenn er sich vor dem Eintauchen ins kalte Wasser scheut.

Und was passiert, wenn kleine Jungen größer werden? Dann urteilen Mitschüler und Freunde gnadenlos: ”Schlappschwanz”, ”Weichei”, ”Softie”, ”Waschlappen” oder neuerdings ”Warmduscher”! So werden Jungen bezeichnet, die Angst statt Waghalsigkeit, Schüchternheit statt Draufgängertum, Empfindsamkeit statt Coolness und Kompromissbereitschaft statt Angriffslust zeigen.

Und dann lernen sie ihre erste Liebe kennen und begegnen damit einem Wesen, das ganz anders sozialisiert ist!
Keine Mutter ist genervt, wenn sich ihre kleine Tochter ängstlich an sie klammert, wenn fremde Leute da sind oder wenn sie weint, weil sie sich erschrocken ist. Kein Vater nimmt es seiner Tochter übel, wenn sie sich in der Sandkiste die Schaufel wegnehmen lässt oder sich nicht wehrt, wenn ein anderes Kind auf sie losgeht.

Mädchen dürfen alle ”weichen” Gefühle zeigen, sie bekommen positives Feedback, wenn sie emotional, empfindsam, verletzlich, rücksichtsvoll, mitfühlend und kompromissbereit sind. Sie trainieren von früh an ihre Fähigkeiten, soziale Kontakte zu schließen und zu pflegen und sie tun das, indem sie Gefühle zeigen und darüber reden.

Von ihrem Freund erwarten sie das gleiche Verhalten wie von ihren Freundinnen, nur noch besser. Schließlich liebt er sie doch! Also muss er, ihrer Meinung nach, das gleiche Bedürfnis wie sie haben, gern und häufig über seine Gefühle und ihre Beziehung zu sprechen. Damit sind Jungen oft völlig überfordert. Sie verstehen nicht, warum ihre Freundinnen so großes Aufheben um diese Dinge machen, reagieren genervt und ziehen sich eventuell sogar zurück, weil ihnen dieses ”ewige Beziehungsgesabbel” Unbehagen bereitet.

Aber, wie schon gesagt, zum Glück ist das menschliche Gehirn ja lern- und wandlungsfähig. Auch das männliche!

Viele Jungen merken nämlich nach einer Weile doch, wie wohltuend es ist, mit ihrer Freundin über alles reden zu können - sich zu öffnen bei einer verständnisvollen Partnerin, die gern zuhört und vor der sie nicht ständig den coolen Typen herauskehren mussen. Leider bleibt die Anwendung diese neu erlernten Fähigkeiten häufig auf die Freundinnen beschränkt. Anderen Jungen gegenüber bleiben sie bei ihren gewohnten ”männlichen” Verhaltensweisen, um nicht für Schwächlinge gehalten zu werden.Frauen kommen ja angeblich von der Venus und Männer vom Mars.

[TK]

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