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Mobbing-Opfer im Interview

"Jahrelang gemobbt"

published: 15.03.2012

Manche Jugendliche werden jahrelang gemobbt (Foto: Vitchanan Photography/shutterstock.com) Manche Jugendliche werden jahrelang gemobbt (Foto: Vitchanan Photography/shutterstock.com)

Interview mit Matthias Kaiser, der jahrelang gemobbt wurde.

Wann und über welchen Zeitraum bist du gemobbt worden?
"Nach meinem Hauptschulabschluss bin ich im Sommer 1992 auf eine Kaufmännische Berufsfachschule gegangen. Mein Ziel war, den Bildungsabschluss Mittlere Reife zu erwerben. Während der gesamten zwei Jahre - also bis zum Jahr 1994 - war ich massivem Psychoterror ausgesetzt."

Wer hat dich gemobbt?
"Es handelte sich in erster Linie um zwei Mitschüler. Besonders schwerwiegend war dabei, dass ich mit einem dieser Schüler, und zwar demjenigen, von dem diese Aggressionen ursächlich ausgingen, bereits zuvor einige Jahre die Schulbank gedrückt hatte. Bis dahin war er mir nie negativ aufgefallen."

Wie lief das Mobbing ab?
"Es äußerte sich recht vielfältig und reichte von Anschreien über Sachbeschädigungen bis hin zu den tagtäglichen verbalen Attacken. Körperliche Gewalt ist aber weitgehend ausgeblieben."

Warum wurdest du gemobbt?
"Das ist mir bis heute ein Rätsel geblieben. Als Vorwand wurden immer wieder meine schulischen Leistungen genannt, die sich später als Folge des Mobbings in einigen Fächern weiter verschlechterten."

Wie hast du dich dabei gefühlt?
"Auf gut Deutsch gesagt: wie der letzte Dreck."

Was war die schlimmste Situation, an die du dich erinnern kannst?
"Es war auf einer Klassenfahrt nach Prag, wo ich für einen ziemlich langen Zeitraum von den beiden Hauptmobbern in meinem Zimmer eingesperrt wurde. Aber das ist nur eine Episode aus einer langen Kette von Demütigungen."

Hast du mit jemandem darüber geredet?
"Mit einem Mitschüler habe ich die Situation immer wieder besprochen, aber dieser konnte natürlich auch nichts gegen solche Leute ausrichten."

Wie haben deine Mitschüler reagiert?
"Einigen Mitschülern blieb meine Situation nicht verborgen, aber letztlich haben die sich um ihren eigenen Kram gekümmert. Sie sahen nur wenig Anlass einzuschreiten, zumal die Täter in der Klasse über ein hohes Ansehen verfügten."

Wie haben die Lehrer reagiert?
"Den Lehrern ist nicht sonderlich viel aufgefallen. Ich wurde im Gegensatz zu einer weiteren Mitschülerin meiner Klasse ja nicht von der gesamten ,Klassengemeinschaft‘ gepiesackt - die Attacken gingen von Einzelnen aus. Und an meinen Klassenlehrer wollte ich mich nicht wenden, da meine damalige Klasse mit ihm ohnehin enorme Probleme hatte."

Wie haben deine Eltern reagiert?
"Meine Eltern wissen im Grunde bis heute nichts von dieser Sache."

Haben deine Freunde etwas gemerkt?
"Freundschaften hatte ich zum damaligen Zeitpunkt außerhalb der Schule nur recht sporadisch."

Welche Auswirkungen hatte das Mobbing auf deine schulischen Leistungen?
"Die Auswirkungen auf meine schulischen Leistungen waren katastrophal. Zu Beginn der beiden Jahre war ich mit einem ziemlich guten schulischen Leistungsbild gestartet, wenn man von Mathematik einmal absieht. Doch insbesondere im zweiten Jahr haben sich meine Leistungen massiv verschlechtert. Im Maschinenschreiben stürzte ich beispielsweise von ,gut‘ auf fast ,mangelhaft‘ ab. Und im Halbjahreszeugnis des zweiten Jahres stand gar zu lesen: 'Bestehen der Abschlussprüfung gefährdet.' Auch meine mündlichen Beiträge zum schulischen Unterricht wurden immer seltener."

Welche Auswirkungen hatte das Mobbing auf deine Persönlichkeit?
"Ich wurde in dieser Zeit immer verschlossener, wenngleich ich nach außen hin eine Fassade aufbaute, die meinen Mitschülern das Bild eines ,coolen‘ und mitunter lustigen Typen vermittelte. Tief im Innern war ich jedoch extrem unglücklich über meine Situation."

Was für psychosomatische Symptome hattest du?
"Eines Nachmittags brach ich zum ersten Mal mit einem epileptischen Anfall zusammen. Die psychosomatischen Symptome sind verheerend. Weit dramatischer sind jedoch die posttraumatischen Auswirkungen. Nahezu tagtäglich quälen mich die Ereignisse - und das, obgleich sie mittlerweile schon gut zehn Jahre zurück liegen. Es sind einzelne Episoden, die mich verfolgen. Auf meine Ausbildung zum Industriekaufmann hat sich das besonders negativ ausgewirkt."

Wann hörte das Mobbing auf und warum?
"Das Mobbing endete, als sich meine Wege mit denen der beiden Mobber nicht mehr kreuzten. Es dauerte exakt zwei Jahre."

Wie hast du das Mobbing verarbeitet?
"Bis heute noch nicht richtig. Ich hoffe jedoch, dass ich in nächster Zeit die schlimmen Erlebnisse einigermaßen verarbeiten werde."

Hast du eine Therapie gemacht?
"Einer Therapie habe ich mich nicht unterzogen. Ich habe jedoch immer wieder die Angebote psychologischer Beratung wahrgenommen. Jetzt habe ich mich zu einer Selbsttherapie entschlossen: Ich werde in nächster Zeit auf meiner Homepage über diese Erlebnisse detailliert berichten. Damit hoffe ich auch, anderen Mobbing-Opfern Mut machen zu können."

Was hat dir rückblickend am meisten geholfen?
"Mit wem auch immer über die Erlebnisse zu sprechen."

Welchen Rat würdest du Schülern geben, die gemobbt werden?
"Um die Situation zu entschärfen, würde ich den Betroffenen zunächst vorschlagen, das Gespräch mit den Tätern zu suchen. Wenn dies nicht fruchten sollte, besteht immer noch die Möglichkeit, sich an höhere Instanzen, also Lehrer oder Schulleitung, zu wenden. Von dort aus können schließlich auch massivere Schritte gegen den oder die Täter bis hin zum Schulverweis eingeleitet werden."

An wen können sich gemobbte Schüler wenden?
"Am besten an einen Lehrer ihres Vertrauens. Der Klassensprecher ist nicht selten ein schlechter Ratschlag, da Leute auf solchen Posten oftmals ebenso an solchen Attacken beteiligt sind oder im Fall des erhofften Beistands ebenso in die Schusslinie der Täter geraten."

Was wünschst du dir für deine Zukunft?
"Dass ich endgültig von den Auswirkungen des Mobbings geheilt werde und positiv in die Zukunft blicken kann."

[TK]

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