Promi-Statement

OleSoul

published: 13.01.2006

Unterstützt die Aktion Ausbildung! - OleSoul (Foto: Public Address) Unterstützt die Aktion Ausbildung! - OleSoul (Foto: Public Address)

* Du bist gelernter Tischler. Wie war das, warum wolltest du eine Ausbildung zum Tischler machen?
OleSoul: „Ehrlich gesagt war die Motivation nicht unbedingt vorbildhaft, denn ich hatte einfach keine Lust mehr, zur Schule zu gehen. Und ich habe eigentlich gedacht, dass ich das sowieso vergessen kann, wenn ich es meinen Eltern gegenüber äußere. Mein Vater ist selbst Lehrer und da habe ich natürlich gedacht, das Lehrerklischee trifft auch auf meinen Vater zu. Aber da hatte ich mich getäuscht, wie sich herausstellte. Mir ist es wichtig, dass man sich für einen Beruf begeistern kann, wenn man sich dafür entscheidet. Bei mir war es so, dass ich eines nachmittags nach Hause kam und wieder Arbeiten zurück bekommen hatte, die alle unter aller Sau waren und dann bin ich zu meinem Vater gegangen und hab gesagt: ‚Papa, ich will nicht mehr zur Schule gehen.’ Und er hat gesagt: ‚Ok!’
Aber dann kam natürlich der typische Spruch: ‚Solange du deine Füße noch unter meinen Tisch stellst, sitzt du hier nicht faul zuhause rum, überleg dir was!’ (lacht) Ich war eigentlich überhaupt nicht handwerklich begabt und das hat mich immer schon so ein bisschen genervt, denn ich fand die Richtung immer nicht schlecht. Mein Vater hat früher viel selber gemacht zuhause und das fand ich immer toll. Ein Freund von ihm war auch Tischlermeister und hat selbst eine Werkstatt gehabt, die ich als kleiner Junge oft besucht habe. Und dann kam der Gedanke auf einmal so, ich hab kurz darüber nachgedacht und es fühlte sich gleich gut an, Bauchgefühl-mäßig. Und dann habe ich gesagt: ‚So, ich werde Tischler.’ Dann sagte mein Vater: ‚Gut, hier sind ja ein paar Betriebe in der Umgebung, dann machen wir jetzt Bewerbungen fertig und dann gucken mal.’ Das hab ich dann auch gemacht. Ja, und die Ausbildung habe ich dann auch durchgezogen. Ich habe immer gemerkt, dass es wichtig ist, es durchzuziehen, wenn man sich für eine Sache entschieden hat. Es sei denn, man geht jetzt daran zugrunde, kann abends nicht schlafen, weil man weinen muss und so. Das ist dann nicht schön. Aber es ist halt im Leben so, dass man beruflich manchmal schwere Zeiten überstehen und das durchziehen muss - und das lohnt sich dann hinterher. Das hat sich bei mir im Leben immer bestätigt. Dass ich diese Tischler-Ausbildung gemacht habe, hat mich immer nur vorangebracht. Denn gerade als Musiker ist es manchmal schwierig, die Füße auf den Boden zu bekommen, sich auch wirklich durchsetzen zu können und davon leben zu können. Deshalb war es für mich die richtige Wahl. Tischler sein ist auch so eine Geschichte, wenn man das Talent dazu hat - und das habe ich dann entdeckt - ist handwerklich zu arbeiten manchmal wie eine Insel auf die man sich immer einmal wieder retten kann. Ich war da auch nicht unzufrieden, obwohl ich nicht das gemacht habe, wovon ich immer geträumt habe, nämlich Musiker zu sein. Aber es war halt eine gute Alternative, weil ich mich rechtzeitig dazu entschlossen habe und dieses Bauchgefühl hatte, dass es das Richtige ist. Ich bin auch froh, dass ich es durchgezogen habe. Und das kann ich auch wirklich nur jedem raten, sich damit auseinanderzusetzen. Es ist nämlich ganz wichtig, dass man das, was man macht, auch auf gewisse Art und Weise liebt oder sich zumindest irgendwie damit identifiziert.“

 (Foto: Public Address)(Foto: Public Address)

* Was sind deine konkreten Tipps an die Leute, die jetzt gerade die Schule abschließen?
„Eigentlich fängt es schon viel früher an. Das kann man nicht von jedem erwarten, aber ich persönlich habe schon in der siebten/achten Klasse angefangen zu grübeln, was ich irgendwann mal machen will. Und das hat mich dann auch jahrelang beschäftigt. Und als die Entscheidung dann anstand, dass ich die Schule zur mittleren Reife verlassen kann, war ich zum Glück schon so weit, dass ich zumindest wusste, was ich nicht machen wollte. Also man soll sich schon damit auseinandersetzen und nichts über die Kante brechen. Was mich zum Beispiel interessiert hat, war dieses Berufsbildungszentrum. Das war für alle eher Belustigung, hatte ich so das Gefühl, weil für die klar war, dass sie auf dem Gymnasium sind und sich in der achten Klasse ja wohl noch keine Gedanken um ihren Beruf machen müssten. Man kann sich ja da so Filme ausleihen und ansehen, und da haben sich fast 90 Prozent der Leute spaßeshalber das Zahnarzt-Video ausgeliehen, weil da besonders eklige Szenen zu sehen waren. Ich habe mir halt damals schon Gedanken darüber gemacht. Ich kann nur raten, vielleicht auch wenn es schwer fällt, in der Freizeit mal auf das eine oder andere Unterhaltungsprogramm zu verzichten und sich mal darüber klar zu werden, was man eigentlich will. Denn das ist wichtig. Ich sage immer ‚Verschwende deine Jugend’ klingt zwar ganz gut, aber man muss auch schon ein bisschen in die Zukunft gucken.
Gar nicht, weil es um das Finanzielle geht, sondern für mich ist das wichtigste, das man glücklich ist - dazu gehört auch der berufliche Werdegang. Das darf man nicht vergessen, man muss schon früh anfangen, darüber nachzudenken. Je früher man weiß wohin man will und sich in diese Richtung engagiert, desto eher besteht auch die Chance, das wirklich machen zu können. Mein Tipp ist eigentlich nur: Nachzudenken und sich klar werden, wohin es mal gehen soll und auch wirklich nur das zu machen, bei dem das Bauchgefühl zustimmt. Es ist ganz normal, dass man in der Ausbildung mal denkt ‚Oh Gott, was ist das denn hier, ist das wirklich etwas für mich?’.“ Ich kenne das auch, man hat mal Angst vor gewissen Sachen. Aber man muss sich auch dafür begeistern und sich vielleicht auch begeistern lassen - es zulassen.“

* Warum sollten die Firmen zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen?
„Ich glaube, es ist der allgemeine Zeitgeist, dass alles so schnelllebig gedacht wird. Daher finde ich es gut, wenn die Firmen wieder anfangen, Verantwortung übernehmen. Auch in der Situation, wenn sie Auszubildende einstellen, wenn sie dann vielleicht längerfristig denken und überlegen, ob es nicht Sinn macht, die auch zu übernehmen. Oft ist es so, dass Lehrlinge als billige Hilfsarbeiter benutzt werden, das muss man leider sagen - ich kenne da auch Leute, die nur den Hof aufräumen mussten.
Da muss man den Leuten ins Gewissen reden und da muss vielleicht auch strenger kontrolliert werden. Man darf nicht nur seine eigene Not überbrücken. Es muss also längerfristig gedacht werden.“

* Warum unterstützt du die Aktion Ausbildung?
„Ich halte es für sehr wichtig, dass man eine fundierte Ausbildung hat, selbst, wenn man nicht seinem Traumberuf nachgeht. Es ist wichtig, dass man eine Ausbildung hat, das merke ich immer wieder. Ich kenne Musiker, die haben das nicht und wenn sie dann mal in eine Situation geraten, in der sie kein Bein auf den Boden kriegen, ist es immer super, wenn man was hat. Wenn man eine gelernte Fachkraft ist, dann hat man einen Anhaltspunkt. Man sieht, was es wert ist, was man macht. Auch auf das Geld bezogen. Deshalb ist es wichtig, eine Ausbildung zu haben. Und wenn man sich mal durchbeißen muss, dann festigt es einen auch fürs Leben. Das wird einem immer wieder deutlich. Mit einer Ausbildung steht man einfach besser da!“

[PA]

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