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Dr. Karin Anderson antwortet

Wie verhalte ich mich bei Problemen?

published: 11.09.2006

Du weißt nicht, wie du dich gegenüber den Problemen deiner Freunde verhalten sollst? Dr. Karin Anderson weiß Rat (Foto: Public Address)Du weißt nicht, wie du dich gegenüber den Problemen deiner Freunde verhalten sollst? Dr. Karin Anderson weiß Rat (Foto: Public Address)

Dein Freund oder deine Freundin verhält sich seltsam und du hast einen Verdacht. Vielleicht hat sie Essprobleme, will es aber nicht zugeben? Oder du entdeckst an ihm blaue Flecken, magst ihn aber nicht darauf ansprechen. Was, wenn ein Freund so deprimiert ist, dass du Angst um ihn haben musst? Oft ist es schwierig, sich richtig zu verhalten, die Initiative zu ergreifen oder einen Außenstehenden um Hilfe zu bitten. Wie geht man mit Freunden um, die Probleme haben?
Frau Dr. Anderson hat einige der am häufigsten auftretenden Fragen beantwortet:

* Es geht um meine beste Freundin. Sie ist superdünn und alle sprechen sie darauf an. Manchmal kocht sie für mich, isst dann aber selbst nichts und hat immer eine Entschuldigung parat. Nun mache ich mir Sorgen, dass sie vielleicht magersüchtig ist. Aber sie will davon nichts hören! Wie soll ich reagieren?
Dr. med. Karin Anderson: „Du machst dir zu Recht Sorgen um deine beste Freundin, ihr Verhalten deutet wirklich auf eine Magersucht hin. Ihre extreme Schlankheit, und die Tatsache, dass sie zwar kocht, aber nur für andere und auch nicht selbst mitessen will, ist schon sehr verdächtig. Und natürlich hat sie immer eine Ausrede für ihr auffälliges Essverhalten parat, vermutlich sagt sie, sie hätte schon gegessen, gerade keinen Hunger oder sich den Magen verdorben. Treibt deine Freundin außerdem exzessiv Sport? Spricht sie viel über Essen, Kalorien und Gewicht? Verschwindet sie nach den Mahlzeiten sofort auf dem Klo? Oder nimmt sie Abführmittel ein? Bekommt sie noch ihre Regel?
Unermüdlicher Sport, um jede zugeführte Kalorie wieder abzuarbeiten, ständige gedankliche Beschäftigung mit Ernährung ohne dabei aber wirklich zu essen, heimliches Erbrechen nach den Mahlzeiten und Einnahme von Abführmitteln, um ja kein kleinstes Gramm zuzunehmen, sind weitere typische Symptome einer Magersucht. Und wenn das Körperfett eine kritische Grenze unterschreitet, bleibt außerdem noch die Regel aus, weil der ausgezehrte Körper die Belastungen einer Schwangerschaft gar nicht verkraften könnte.
Auch wenn deine Freundin ihr Problem nicht wahrhaben will: mangelnde Krankheitseinsicht gehört leider ebenfalls zu den Symptomen einer Magersucht. Deine beste Freundin hat vermutlich eine völlig verzerrte Wahrnehmung von sich selbst. Magersüchtige bestehen selbst dann noch darauf, ‚ekelhaft fett’ zu sein, wenn sie bereits zum Skelett abgemagert sind. Magersucht ist eine sehr ernste seelische Störung mit gefährlichen Folgen für den Körper. Unbehandelt kann sie durch die ständige Unterernährung zu allen möglichen Mangelerscheinungen, Schäden an Nerven und inneren Organen, Minderwuchs und schlimmstenfalls sogar zum Tod führen.
Daher ist es sehr wichtig, dass du dich als ihre beste Freundin nicht mit ihren ‚harmlosen’ Erklärungen und Ausreden abspeisen lässt, sondern den Versuch machst, ernsthaft mit deiner Freundin über ihre Essstörung zu reden. Sag ihr, dass du dir große Sorgen um sie machst, weil du Symptome und Verhaltensweisen an ihr beobachtest, von denen du weißt, dass sie typisch für eine Magersucht sind. Versuche, deine Freundin davon zu überzeugen, dass sie ärztliche Hilfe braucht. Und lass nicht locker, auch wenn sie dir deine Einmischung möglicherweise erstmal übel nehmen sollte. Mach ihr klar, dass du notfalls auch mit ihren Eltern oder einem eurer Lehrer über deine Befürchtung sprechen wirst. Magersucht ist eine ernsthafte Erkrankung, die unbedingt behandelt werden muss. Du kannst ihr nur helfen, wenn du dich ‚einmischst’!“

* Eine Klassenkameradin von mir trägt immer lange T-Shirts, auch im Sportunterricht. Neulich hab ich beim Umziehen gesehen, dass sie auf den Armen lauter kleine Narben hat. Ich hab’ mich nicht getraut, sie danach zu fragen. Sollte ich es tun?
„Ja, du solltest deine Klassenkameradin unbedingt auf deine Beobachtung ansprechen. Offenbar hat sie ein ernstzunehmendes seelisches Problem! Mädchen oder Jungen, die sich selbst verletzen, leiden meistens unter einer unerträglichen inneren Spannung, die sie durch Schneiden, Ritzen, Kratzen oder andere Verwundungen abzubauen versuchen. Anstatt trauriger, ängstlicher oder wütender Gefühle spüren sie oft nur eine innere Leere, ein Gefühl wie unter einer Glasglocke, oder wie abgestorben zu sein. Durch den Schmerz, den sie sich beim Selbstverletzen zufügen, stellen sie gewissermaßen die Verbindung zur Außenwelt wieder her und nehmen sich selbst und ihren Körper wieder wahr.
Wie du dir vorstellen kannst, ist diese Art und Weise mit seelischen Spannungen, Traurigkeit, Angst oder Ärger umzugehen, sehr destruktiv und bringt deiner Klassenkameradin nur momentane Erleichterung. Anstatt sich mit negativen Gefühlen auf normale Weise auseinanderzusetzen, führt selbstverletzendes Verhalten in eine emotionale Sackgasse, seelische Schmerzen werden nicht verarbeitet, sondern mit Hilfe von körperlichen Schmerzen unterdrückt.
Obwohl die Wunden, die sich Selbstverletzer zufügen, meistens nicht sehr tief oder wirklich gefährlich sind, besteht doch die große Gefahr, dass das Schneiden, Ritzen, Kratzen usw. zu einer regelrechten Sucht ausartet. In dem Augenblick der Selbstverletzung erlebt das Gehirn nämlich zunehmend einen ‚Kick’, eine Art von Hochgefühl, Stärke und Kontrolle. Durch wiederholtes Erleben dieses ‚Kicks’ wird dann die innere Hemmschwelle, seinem Körper Wunden beizubringen, immer niedriger und der Griff zu Rasierklinge, Schere oder Messer geschieht immer häufiger.
Versuche daher auf jeden Fall, mit deiner Klassenkameradin über die Narben an ihren Armen zu sprechen. Sag ihr, dass du ihr gern helfen würdest, frag sie, ob sie Kummer oder Schwierigkeiten hat, die sie zu so einem Verhalten veranlassen. Vielleicht ist sie ja bereit, sich dir anzuvertrauen und mit dir über ihre Probleme zu reden. Wenn sie deine echte Besorgnis und Anteilnahme spürt, fühlt sie sich nicht mehr so allein und greift in Zukunft vielleicht eher zum Telefon, um mit dir zu reden, als sich selbst wehzutun. Sollte sie aber alles von sich weisen und versuchen, dich abzuwimmeln, oder kommt sie gar mit irgendwelchen dummen Ausreden, wie etwa, sie sei in eine Glasscheibe gefallen und habe dadurch so viele Narben, solltest du mit deiner Klassenlehrerin oder einem Vertrauenslehrer über deine Beobachtung sprechen. Deine Lehrerin oder dein Lehrer können dann mit den Eltern deiner Mitschülerin Kontakt aufnehmen und über Möglichkeiten beraten, wie deiner Klassenkameradin am besten geholfen werden kann.“

* Mein bester Kumpel wurde vor einem Monat von seiner Freundin sitzen gelassen. Das hat ihn total umgehauen. Er hat keinen Bock mehr auf Schule und ich sehe ihn kaum noch. Jetzt habe ich Schiss, dass er sich vielleicht etwas antut. Wie kann ich ihm helfen?

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