Legasthenie

Nagel oder Nadel?

published: 06.01.2007

Albert Einstein konnte es trotz seiner Legasthenie zum Genie bringen (Foto: Albert Einstein, 1921, Fotografie von Ferdinand Schmutzer von Ferdinand Schmutzer lizensiert durch gemeinrei) Albert Einstein konnte es trotz seiner Legasthenie zum Genie bringen (Foto: Albert Einstein, 1921, Fotografie von Ferdinand Schmutzer von Ferdinand Schmutzer lizensiert durch gemeinrei)

Albert Einstein, Leonardo da Vinci, Walt Disney, Whoopi Goldberg und George W. Bush haben eines gemeinsam: Sie sind berühmt, erfolgreich – und, glaubt man dem Internet, Legastheniker! Interessant, oder? Aber was bedeutet es überhaupt, ein Legastheniker zu sein? Ein Legastheniker hat Probleme, Schreiben und Lesen zu lernen, obwohl er normal intelligent oder oft sogar überdurchschnittlich talentiert ist. Das siehst du an den Beispielen. Legasthenie ist eine Lese-Rechtschreib-Schwäche, kurz LRS. Sie ist nach dem heutigen Kenntnisstand eine genetisch bedingte neuro-biologische Störung, die nicht heilbar ist. Dennoch ist den Betroffenen mit speziellen Trainingsprogrammen gut zu helfen. Trotz dieser Schwäche kann ein Legastheniker die Schule durchziehen, sogar Abi machen und auch studieren.

Lese-Rechtschreib-Schwäche: „Kann-Merkmale“
Jeder hat seine eigene Legasthenie mit für ihn typischen Merkmalen. Meist zeigt sich die Schwäche deutlich zwischen dem zweiten und vierten Schuljahr oder sogar erst beim Wechsel auf eine weiterführende Schule. Folgende Merkmale können auf Legasthenie hinweisen:

Die Deutschnote fällt schlecht aus. Auch mit den Fremdsprachen hapert es. Das Lesen klappt nur stockend und/oder es gibt Probleme bei der Rechtschreibung. Besonders Diktate und Aufsätze liegen den Betroffenen nicht. Für sie ist es schwer, Laute und Silben richtig wahrzunehmen und zu unterscheiden. Meist sind sie selbst nicht in der Lage, Fehler zu erkennen und zu korrigieren. In anderen Fächern sind sie deutlich besser. Doch auch in den Naturwissenschaften rutschen sie durch die mangelhafte Rechtschreibung und das langsame Lesen nach und nach ab. Obwohl sie sich anstrengen und viel üben, wird es nicht besser. Die Lehrer werfen Legasthenikern oft vor, faul zu sein. Das macht natürlich traurig.

Typische Fehler:
* Ein Wort wird richtig ausgesprochen, jedoch falsch geschrieben.
* Es kann sein, dass das gleiche Wort in einem Text unterschiedlich falsch geschrieben wird.
* Buchstabendreher und so genannte „Wortruinen“, also das Weglassen von Buchstaben, sind typisch.
* Symmetrische Buchstaben werden verwechselt(q statt p oder d statt b).
* Ähnlich klingende Buchstaben wie d und t werden manchmal nicht unterschieden. „Kanne“ klingt wie „Tanne“ und „Nadel“ wie „Nagel“.
* Die Betroffenen lesen auffallend langsam. Die Buchstaben „tanzen“, sie überspringen häufig Zeilen, verlieren die Textstelle oder übersehen einzelne Wörter oder Teile davon, besonders die Endungen.
* Der Inhalt des Gelesenen kann nur schwer wiedergegeben werden.

Wichtig: Nicht die Art der Fehler deutet auf eine Legasthenie hin, sondern wie viele es insgesamt sind. Sind es mehr als bei den Klassenkameraden, obwohl die Leistungen in der Schule sonst stimmen?

Schulangst und Notendruck
Das Problem: Häufig sind die Lehrer leider unzureichend über Legasthenie informiert. Manche sind sogar uneinsichtig oder der Meinung, Legastheniker wären lernbehindert oder einfach faul. Kein Wunder, denn Legasthenie ist ein sehr komplexes Problem. Von Seiten der Schule ist es daher schwer, richtig zu fördern. Wird die Schwäche nicht rechtzeitig erkannt und werden keine Maßnahmen getroffen, verlieren die Betroffenen schnell den Spaß am Lernen und an der Schule.

Die Folge: Sie fühlen sich ständig überfordert und können nur Misserfolge verbuchen. Sie haben keine Lust mehr am Lernen, rutschen auch in anderen Fächern ab, werden eventuell von Mitschülern gehänselt und leiden darunter, werden sogar aggressiv oder traurig. Sie ziehen sich vielleicht zurück, bekommen Kopf- oder Bauchschmerzen und können schlecht schlafen.

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