Ärztliche Schweigepflicht

Streng vertraulich?

published: 03.03.2007

(Foto: dotshock/shutterstock.com) (Foto: dotshock/shutterstock.com)

Anna ist 14 Jahre alt und seit einem halben Jahr mit ihrem Freund Ben zusammen. Die beiden sind sich auch körperlich schon sehr nahe gekommen. Da Anna sichergehen möchte, würde sie sich gerne die Antibabypille verschreiben lassen, hat aber Angst, dass der Frauenarzt ihre Eltern darüber informiert.

Ob ein Arzt diese vertraulichen Informationen überhaupt weitergeben dürfte oder in jedem Fall der ärztlichen Schweigepflicht unterliegt, weiß die Techniker Krankenkasse.

Das geht keinen etwas an!
Die ärztliche Schweigepflicht lässt sich auf den hippokratischen Eid zurückführen, in dem es heißt: "Was immer ich sehe und höre bei der Behandlung oder außerhalb der Behandlung im Leben der Menschen, so werde ich von dem, was niemals nach draußen ausgeplaudert werden soll, schweigen, indem ich alles derartige als solches betrachte, das nicht ausgesprochen werden darf." Sie ist eine grundlegende Voraussetzung für ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis und soll verhindern, dass Privatgeheimnisse verletzt werden.

Prinzipiell darf der Mediziner nicht einmal preisgeben, wen er behandelt, geschweige denn, weswegen. Vertraulich sind nicht nur Angelegenheiten, die die Gesundheit betreffen, sondern auch die Wohn- und Lebenssituation, die finanzielle Lage, sexuelle Vorlieben oder körperliche Hygiene. Sogar den Arzthelferinnen, Pflegern, Zivis und Sprechstundenhilfen ist es untersagt, irgendwelche Informationen weiterzugeben.

Gilt die Schweigepflicht auch bei minderjährigen Patienten?
Im Prinzip ist jeder Arzt auch Minderjährigen gegenüber verpflichtet, dessen Belange geheim zu halten. Allerdings muss er zwischen zwei Dingen abwägen: dem Selbstbestimmungsrecht und dem Schutz der Intimsphäre des Jugendlichen auf der einen Seite und der Erziehungs- bzw. Fürsorgepflicht der Eltern auf der anderen Seite.

Welche Ausnahmen er macht, hängt zum einen von der so genannten „Einsichtsfähigkeit" und zum anderen vom Alter der Jugendlichen ab. Patienten, die älter als 15 Jahre sind, wird in der Regel zugetraut, ihre Entscheidungen richtig einzuschätzen. Hat der Arzt aber aus bestimmten Gründen Zweifel an der Einsichtsfähigkeit des Jugendlichen, ist er theoretisch berechtigt, den Eltern alles zu erzählen. Bei jüngeren Patienten darf der Arzt auch ohne bestimmte Gründe die Eltern hinzuziehen.

Wann könnte der Arzt Informationen weitergeben?
In einigen Situationen hat der Arzt eine so genannte "Offenbarungsbefugnis": Er darf zwar Daten preisgeben, muss es aber nicht tun. Angenommen, du wirst bewusstlos aufgefunden und die behandelnden Ärzte im Krankenhaus benötigen Informationen: Dann wird deine Einwilligung hierfür vorausgesetzt.

Bei minderjährigen Patienten wird es der Arzt immer von dem jeweiligen Problem und Patienten abhängig machen, ob er Informationen an Dritte weitergibt oder nicht. Erfährt er beispielsweise, dass sein Schützling regelmäßig kifft oder trinkt, muss er im Gespräch herausfinden, ob dieses Problem unter vier Augen gelöst werden kann oder die Eltern hinzugezogen werden sollten.

Auch in Annas Fall wird der Arzt vermutlich genau überlegen, wie er vorgeht. Anna sollte also vorher lieber ein allgemeines Gespräch mit ihrem Gynäkologen führen. So kann sie herausfinden, wie er oder sie mit einer solchen Situation umgehen und die Schweigepflicht handhaben würde. Dann kann Anna immer noch entscheiden, ob und was sie ihm erzählen möchte.

[TK]

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