Neinsagen

Tust du nur, was du willst?

published: 21.07.2007

Wirklich mutig ist , wer sich auch einmal traut, Nein zu sagen (Foto: Hugo Felix/shutterstock.com) Wirklich mutig ist , wer sich auch einmal traut, Nein zu sagen (Foto: Hugo Felix/shutterstock.com)

Es klingelt zur großen Pause. Lars und seine Freunde treffen sich wie jeden Tag in einem abgelegenen Winkel des Schulhofs, wo sich die Jungs von Lehrern und Mitschülern unbeobachtet fühlen. "Los, probier´ mal!" Plötzlich hält ihm sein bester Freund Jan eine Packung Zigaretten vor die Nase. Gespannt richten sich die Augen der Gruppe auf den 13-Jährigen, der zögert. Eigentlich hatte er sich vorgenommen, nie eine Zigarette zu rauchen. Aber wenn er jetzt ablehnt, halten ihn die anderen bestimmt für einen Feigling, oder?

Jeder hat schon einmal etwas gegen die eigene Überzeugung getan. Übrig bleibt meistens ein schlechtes Gewissen oder das üble Gefühl, nicht für seine Meinung geradegestanden zu haben. Warum fällt das Neinsagen eigentlich so schwer?

Jasager sind bequemer
Wer Nein sagt, eckt an. Schon Kindern wird beigebracht, dass Neinsagen mit unangenehmen Reaktionen verbunden ist. Weigern sie sich beispielsweise, das Zimmer aufzuräumen oder die Tante anzurufen, gibt es Ärger. So ensteht in Situationen, in denen man sich eigentlich anders als verlangt verhalten möchte, immer eine gewisse Angst, nicht mehr gemocht zu werden.

Weiterhin fällt es immer schwer, die Erwartungen von Freunden, Mitschülern oder Familienmitgliedern nicht zu erfüllen. Niemand enttäuscht gerne oder möchte gar für egoistisch gehalten werden. Und da ist auch oft die Angst vor einer möglichen "Retourkutsche". Wie in Lars´ Fall denken auch viele, dass sie sich gar lächerlich machen oder vielleicht etwas versäumen, wenn sie nicht mitmachen.

Nicht jeder akzeptiert ein Nein
Leider machen es einem andere oft nicht leicht, etwas abzulehnen. So reagieren Abgewiesene manchmal mit Unverständnis und setzen Tricks ein, um doch noch zu ihrem Willen zu kommen. Einige versuchen, einem ein schlechtes Gewissen einzureden oder einen vor anderen bloßzustellen. Angesichts solcher Konflikte ist Nachgeben die einfachste Lösung, ganz nach dem Motto: "Lieber schnell den eigenen Unwillen runterschlucken als einen Streit zu riskieren." Besonders in Gruppen ist es schwer, sich gegen den Willen der Mehrheit zu stellen, da sie einen großen Druck ausüben können. Um weiterhin dazuzugehören, lässt man sich auch leichter überreden.

Was bringt das Neinsagen?
Wer sich traut, das zu tun, was er möchte, ist unabhängig von anderen. Durch ein klares Nein steigt nicht unbedingt die eigene Beliebtheit, aber man bleibt sich selber treu und wird für andere viel verständlicher. Außerdem gibt es weniger unangenehme Situation, in denen man Ausreden erfinden oder seine Zeit unwillig mit Dingen verbringen muss, die man gar nicht will.

Es ist völlig in Ordnung, nicht immer zu allem Ja zu sagen. Sei es, einem Freund nicht mal eben schnell etwas vom Supermarkt zu holen, der Freundin nicht zum zehnten Mal bei derselben Geschichte zuzuhören oder nicht zu rauchen, nur weil die Freunde es so von einem erwarten. Jeder braucht Zeit für sich und seine Bedürfnisse und hat ein Recht auf seine eigene Meinung. Dafür muss sich keiner schämen.

Wie sage ich freundlich und bestimmt Nein?
Neinsagen muss nicht zwangsläufig unhöflich sein. Eine nett formulierte Absage kommt beim Gegenüber meist auch richtig an. "Tut mir leid, aber ich freue mich schon seit Tagen auf einen gemütlichen Fernsehabend, vielleicht telefonieren wir lieber morgen" oder "Du kannst ruhig rauchen, aber ich möchte das nicht" sind klare Aussagen, die niemanden verletzen. Wichtig ist auch, konsequent zu bleiben und sich nicht zu etwas Gegenteiligem überreden zu lassen.

Jeder sollte sich immer genug Zeit lassen, um sich darüber klar zu werden, ob er das, was er im Begriff zu tun ist, wirklich möchte. Wenn eine Absage besonders schwer fällt, kann man demjenigen auch erklären, warum. Das heißt nicht, das eine Rechtfertigung notwendig wäre, aber manchmal erleichtert ein verständlicher Grund die Situation.

Warum ist Neinsagen wichtig?
Gibt man zu oft dem Willen anderer nach, stellt sich irgendwann das Gefühl ein, ständig ausgenutzt zu werden. Es quält einen der Ärger, wieder nachgegeben zu haben. Dieses negative Gefühl überträgt sich auf alle, die etwas von einem möchten. Dauerhaft seine Zeit für andere zu opfern bedeutet weniger Zeit, Kraft und Energie für die eigenen Vorhaben und Hobbys. Gleichzeitig keimt häufig eine Art Unzufriedenheit auf, weil die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund gerückt werden.

Schafft man es andererseits, in einer unangenehmen Situation zu sagen, was man wirklich möchte, kann man berechtigterweise stolz auf sich sein. Wirklich mutig ist nämlich, wer die eigene Meinung vertritt, obwohl er sich dafür gegen andere stellen muss. Und einmal ganz ehrlich: Sind nicht die Menschen viel beeindruckernder, die tun, was sie wollen, und das auch sagen?

[TK]

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