Kaufrausch

Süchtig nach Shopping?

published: 19.09.2009

Prall gefüllte Einkaufstüten sind keine Lösung für emotionale Probleme (Foto: Public Address)Prall gefüllte Einkaufstüten sind keine Lösung für emotionale Probleme (Foto: Public Address)

"Puh, nach dieser Prüfung muss ich erst einmal Klamotten kaufen", seufzt Sina nach der Englisch-Klausur. Ihre Freundin Nora verdreht die Augen: Seit Monaten spricht Sina nur noch vom Shoppen, langsam ist sogar schon Nora genervt, obwohl auch sie gerne auf Schnäppchenjagd geht. Leider macht es in letzter Zeit überhaupt keinen Spaß mehr, mit Sina durch die Läden zu streifen, denn die scheint sich gar nicht mehr dafür zu interessieren, was sie eigentlich kauft. Wo sie das ganze Geld für ihre ausgedehnten Kaufräusche hernimmt, ist Nora sowieso ein Rätsel.

Kaufsüchtiger oder nur Shoppingfan?

Fast jeder hat schon einmal etwas gekauft, was er oder sie gar nicht brauchte. In manchen Fällen soll so ein "Fehlkauf" einfach nur trösten, wenn beispielsweise der Freund Schluss gemacht hat oder eine Prüfung schlecht gelaufen ist. Wer sich ab und zu durch solche Frustkäufe belohnt oder aufmuntert, braucht sich keine Sorgen zu machen: Das ist völlig normal und bestimmt nicht krankhaft.

Heikel wird es erst, wenn man Probleme nur noch auf diese Weise zu lösen versucht. Dann geht es nämlich beim Einkaufen gar nicht mehr darum, das Produkt zu besitzen, sondern um das Kaufen selbst. Das befriedigende Gefühl, etwas zu kaufen, hilft manchen dabei, schlechte Emotionen wie Stress, Druck oder Trauer auszugleichen. Für sie ist der Kauf-Impuls wie ein innerer Zwang, gegen den sie sich nicht wehren können.

Wie benimmt sich jemand, der kaufsüchtig ist?

Oft ist es schwer, eine Kaufsucht überhaupt zu bemerken, da Einkaufen ja nichts Unnormales ist. Bei Sina kommt es immer zu "Kaufanfällen", wenn sie Probleme in der Schule oder zuhause hat. Anfangs schaffte sie es noch, sich gegen den Drang zu wehren und kaufte auch nur Klamotten, die sie sich leisten konnte. Seit einigen Wochen überfällt es sie jedoch immer häufiger. Richtig zufrieden fühlt sie sich nur noch, wenn sie sehr teure Designer-Kleidung kauft. Danach hat sie dann regelmäßig ein schlechtes Gewissen und fühlt sich schuldig, weil sie nicht widerstehen konnte.

Viele Kaufsüchtige spezialisieren sich auf ganz bestimmte Produkte. Einige kaufen beispielsweise nur Schnäppchen, nur Kleidung oder nur Haushaltsgeräte. Oft können Betroffene ihre Krankheit am Anfang noch kontrollieren. Im weiteren Verlauf verlieren sie diese Fähigkeit jedoch, sodass am Ende nur noch der Gedanke an das "Kaufen" im Mittelpunkt steht. Das einzige Gesprächsthema, das Erkrankte dann noch kennen, ist das Shoppen, manchmal ziehen sie sich aber auch völlig aus dem Freundeskreis zurück. Schuldgefühle nach den Kaufanfällen sind sehr typisch, Depressionen sind nicht selten die Folge.

Ist "Kaufsucht" eine richtige Sucht?

Ja, Kaufsucht ist eine ernst zu nehmende Suchterkrankung. Wie bei anderen Süchten befinden sich die Betroffenen in einem Teufelskreis. Typisch für eine Sucht ist unter anderem der Kontroll- und Interessenverlust, aber auch eine Dosissteigerung. Das bedeutet in diesem Fall, dass Sina immer mehr kaufen muss, um sich zufrieden zu fühlen.

Es gibt auch Entzugserscheinungen, wie Unruhe und Unwohlsein, manchmal kommt es sogar zu psychosomatischen Erkrankungen oder Selbstmordgedanken. Besonders bei einer fortgeschrittenen Sucht dreht sich alles nur noch darum, eventuelle Entzugserscheinungen zu verhindern.

Was kann man dagegen tun?

Als Nora ihre Freundin auf ihr Verhalten anspricht, antwortet diese nur: "Ich habe viel Geld gespart und außerdem habe ich das selber verdient. Ich weiß schon, was ich tue." Obwohl es richtig ist, mit der Freundin oder dem Freund zu reden, stößt man häufig auf ein ausgeklügeltes System an Ausreden, mit denen das Verhalten gerechtfertigt wird. Trotzdem ist es wichtig, denjenigen behutsam auf ein Problem anzusprechen. Wenn das auch nicht helfen sollte, kann vielleicht ein Gespräch mit den Eltern des Betroffenen sinnvoll sein, damit sie etwas unternehmen können.

Um wirklich aus der Sucht auszusteigen, müsste Sina sich psychologisch helfen lassen, da Medikamente bei Kaufsucht nicht helfen. In einer Therapie könnte sie lernen, mit dem Kaufzwang umzugehen und Situationen zu vermeiden, in denen sie in Versuchung gerät. Besonders wichtig ist, andere Strategien zu erlernen, um Probleme zu lösen.

Wer ein Therapieangebot sucht, kann von seiner Krankenkasse Tipps bekommen. Die Techniker Krankenkasse stellt auch Kontakt zu Selbsthilfegruppen her.

[TK]

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Homepage der Techniker Krankenkasse

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