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Sportsucht

Trainieren bis zum Umfallen

published: 06.06.2009

Ab welchem Maß ist Sport eigentlich ungesund? (Foto: Public Address)Ab welchem Maß ist Sport eigentlich ungesund? (Foto: Public Address)

Nina macht sich ernsthaft Sorgen um ihre Freundin Hanna. Schon immer hat Hanna viel Sport gemacht und sehr auf ihre Figur geachtet. Doch seitdem sie in diesem neuen Leichtathletikverein ist, redet sie von nichts anderem mehr als vom Training. Als Nina neulich fragte, ob sie nicht Lust auf Kino habe, schaute Hanna sie nur verständnislos an: "Dafür habe ich echt keine Zeit, ich muss heute Abend dringend trainieren." Nina hat einmal gehört, dass es eine Sportsucht gibt, aber sie hat keine Ahnung, wie sich diese äußert. Ist Hanna vielleicht sportsüchtig?

Woran erkenne ich, dass jemand sportsüchtig ist?
"Ach was, der Knöchel ist gar nicht so schlimm, damit kann ich wunderbar weiter trainieren." Für jemanden, der an Sportsucht erkrankt ist, gibt es so gut wie keinen Grund, mit dem Training auszusetzen. Verletzungen oder Überlastungssymptome werden ignoriert, da die Betroffenen lieber Schmerzen aushalten als auf die Bewegung zu verzichten. "Sportsüchtige sind wirklich verbissen. Für sie gibt es nur noch das eine: Wie lange, wie oft und wie viel man leisten kann. Der Sport ist kein Hobby oder keine Freizeitbeschäftigung mehr, sondern ein beherrschendes Thema", erklärt Dr. Karin Anderson, Fachärztin für psychotherapeutische Medizin.

In der Regel wirken sich sportliche Aktivitäten sehr gesund auf Körper und Seele aus. Sie stärken das Herz-Kreislauf-System, regen den Stoffwechsel an und halten Muskeln und Gelenke fit. Durch die Ausschüttung bestimmter Hormone trägt Sport außerdem auch zum psychischen Wohlbefinden bei. Man merke es dem Körper jedoch an, wenn Sport exzessiv betrieben werde, sagt Dr. Anderson. "Wer wirklich übertreibt, hat kein Gramm Fett mehr am Körper, nur noch Muskeln. Frauen haben dann keinen Busen mehr, sondern nur noch die Brustdrüse und Brustmuskeln." Wird der Körper dauerhaft zu stark beansprucht, kann es auch zu langfristigen Beeinträchtigungen kommen. Das Immunsystem wird geschwächt und Gelenke, Knochen, Sehnen und Bänder geschädigt.

Dr. Karin Anderson steht den Scoolz-Usern als Expertin beratend zur Seite (Foto: Public Address)Dr. Karin Anderson steht den Scoolz-Usern als Expertin beratend zur Seite (Foto: Public Address)

Warum wird man sportsüchtig?
Es gibt verschiedene Gründe, weshalb ein Mensch in eine Sportsucht hineinrutscht. Oft liegt gleichzeitig eine Magersucht vor, die aus einem kranken und verzerrten Körpergefühl entsteht. Durch intensiven Sport versucht man, möglichst alle Kalorien abzuarbeiten. "Sportsüchtige haben eine bestimmte Erwartung an ihren Körper. Es geht darum, die absolute Kontrolle zu haben", so Dr. Karin Anderson. "Außerdem werden bei denen, die viel Ausdauersport betreiben, Endorphine im Gehirn ausgeschüttet, die ein gutes Gefühl geben." Dieses so genannte "Runner's High" sei der Kick, der auf die Betroffenen wie eine Droge wirke.

Wer ist gefährdet?
Besonders Jugendliche, die wenig Selbstbewusstsein haben und versuchen, durch ihre Erfolge beim Training andere Misserfolge zu kompensieren, können in eine Abhängigkeit geraten. Dr. Anderson erklärt: "Es muss nicht immer eine Sportsucht sein. Auch andere Süchte dienen dazu, persönliche Probleme zu verdrängen. Aber Sportsüchtige haben ein Interesse daran, ihren Körper zu trimmen, sie würden also nicht so schnell alkoholsüchtig werden."

Wann ist ein normales Maß an sportlicher Aktivität überschritten?
Natürlich gibt es auch Menschen, die einfach gerne Sport treiben. Besonders bei Mannschaftssportarten ist es durchaus üblich, dass mehrfach wöchentlich trainiert wird und am Wochenende zusätzlich Spiele stattfinden. "Aber für begeisterte Sportler gibt es trotzdem noch andere Themen", sagt Dr. Anderson. "Das exzessive Trainieren von Sportsüchtigen wirkt sich verheerend auf ihr soziales Leben aus: Sie haben keine Zeit mehr für Freunde oder andere Aktivitäten."

Ein weiteres Symptom ist der extreme Leistungsgedanke. Wer sportsüchtig ist, erlebt das tägliche Trainieren als eine Art Zwang. Wird der- oder diejenige daran gehindert, kommt es zu typischen Entzugserscheinungen wie Unzufriedenheit oder Depressivität. Oft treten dann genau die Probleme zutage, die durch den Sport überspielt wurden.

Wie soll man reagieren?
Dr. Anderson rät, den Betroffenen zuerst einmal auf sein Verhalten anzusprechen. "Bei einer echten Sucht wird er oder sie es aber abstreiten. Es gibt viele Ausreden wie zum Beispiel: ´Ich bin noch gar nicht gut, ich müsste eigentlich noch mehr trainieren´." Falls der Trainer nicht eingreift und die Betroffenen keine Einsicht zeigen, sollte man ruhig auch die Eltern hinzuziehen. "Wenn sie den Sport finanzieren, können die Eltern regulierend eingreifen. Aber oft haben auch sie keine Chance." Bei einer echten Sucht hilft meist nur eine Therapie. Hilfe bekommen Betroffene bei psychologischen Beratungsstellen, Suchtberatungsstellen oder einem Sportpsychologen.

Hast du weitere Fragen zum Thema Sportsucht? Stelle sie Dr. Anderson im Help-Forum von Scoolz!

[TK]

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