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Sexueller Missbrauch

"Grenzen müssen respektiert werden"

published: 20.03.2008

Expertin Dr. Karin Anderson bewantwortet häufige Fragen zum Thema Missbrauch (Foto: Public Address)Expertin Dr. Karin Anderson bewantwortet häufige Fragen zum Thema Missbrauch (Foto: Public Address)

*Jana (15): Es geht um unseren Englischlehrer. Ständig schaut er uns Mädchen merkwürdig an und guckt uns in den Ausschnitt. Wenn wir Aufgaben machen, beugt er sich immer total dicht über uns und fragt ganz komisch, ob wir Hilfe brauchen. Erst dachte ich, ich bilde mir das ein, aber den anderen Mädchen ist das auch aufgefallen. Ich habe dann mit ihm geredet, aber er meinte grinsend, wir würden uns das einbilden. Als es nicht besser geworden ist, haben wir mit unserer Klassenlehrerin geredet, aber als die ihn angesprochen hat, ist er total ausgetickt. Was können wir dagegen tun, dass er uns immer so komisch behandelt?
Dr. med. Karin Anderson: "Hallo, Jana, ich finde es gut, dass du so mutig und verantwortungsvoll bist, diese Sache nicht auf sich beruhen zu lassen! Da Deine Mitschülerinnen das gleiche unbehagliche Gefuehl bei diesem Lehrer erleben, muss die Angelegenheit sehr ernst genommen werden, da es sich ja nicht nur um einen - möglicherweise fehlgedeuteten - Einzelfall handeln kann. Du hast ja schon versucht, den Lehrer dazu zu bringen, sein eigenartiges Verhalten zu unterlassen. Du hast ihn darauf angesprochen, dass Ihr Mädchen Euch von seinen Blicken bedrängt fühlt. Er hat den Vorwurf aber weit von sich gewiesen, sich obendrein noch über Euch lustig gemacht, und alles als pure Einbildung abgetan! Du hast Dich daraufhin korrekterweise mit eurem Problem an Deine Klassenlehrerin und Eure Vertrauenslehrerin gewandt. Offenbar wurde die Sache im Lehrerzimmer auch zur Sprache gebracht, aber das Ergebnis war negativ. Irgendwelche offiziellen Ermahnungen sind nicht erfolgt oder wirkungslos geblieben, und der Lehrer hat lediglich seine Wut an Euch ausgelassen, Euch die Schuld zugeschoben - und sein unpassendes Verhalten fortgesetzt. Du machst Dir jetzt zu Recht Gedanken, was zu tun ist. Nach Deiner Beschreibung steht eindeutig fest, dass ein derart betontes Anstarren junger Mädchen als eine Art sexueller Übergriff betrachtet werden kann. Die Tatsache, dass Ihr Euch durch diese intensiven Blicke (und das Zunaherücken) so unbehaglich und bedrängt fühlt, beweist, dass es sich dabei weder um einen Zufall noch um Einbildung handelt. Es ist Aufgabe der Schulleitung, Schüler vor solch unpassenden Kontakten zu schützen. Lehrer sind ja Autoritätspersonen, die ihren Schülern ein Rollenvorbild sein sollen und sich ihnen gegenüber korrekt und verantwortungsbewusst verhalten müssen. Lehrkräfte, die sich nicht an dieses Gebot halten, müssen von der Schulleitung nicht nur beiläufig ermahnt, sondern notfalls durch Disziplinarmaßnahmen zur Verantwortung gezogen werden. Falls Du es noch nicht getan hast, solltest Du jetzt unbedingt mit Deinen Eltern sprechen. Da es ja nicht nur um Dich geht, sondern um ein generelles Problem, sollten sich Deine Eltern an die Klassenelternvertreter wenden, damit die sich ganz offiziell bei der Schulleitung beschweren. Der Schulleitung (und notfalls auch dem Schulrat) muss klargemacht werden, dass die Eltern diese Angelegenheit ernst nehmen und darauf bestehen, dass ihre Kinder in Zukunft vor ähnlichen Zudringlichkeiten geschützt werden. So lange derartiges Fehlverhalten auf die leichte Schulter genommen wird, und keinerlei Konsequenzen hat, können die Betreffenden ungehindert weitermachen, bis es möglicherweise zu noch massiverem Missbrauch kommt."

*Max (23): Meine Freundin ist erst 15 Jahre alt. Bisher haben wir noch nicht miteinander geschlafen, da es ihr erstes Mal wäre und ich sie zu nichts drängen wollte. Ich liebe sie wirklich. Seitdem ihr Vater von mir weiß, macht der total Stress und will mich anzeigen. Ist unsere Beziehung strafbar, auch wenn wir bis jetzt noch keinen wirklichen Sex hatten?
"Hallo, Max, zwar sind Gefühle zum Glück nicht strafbar. Aber eine intime körperlichen Beziehung in eurem Alter kann das durchaus sein! Deine Freundin ist zwar bereits über 14 und gilt daher vom Gesetz her nicht mehr als Kind (das absolut vor sexuellen Handlungen geschützt werden muss), sie ist aber andererseits auch noch nicht 16. Ab diesem Alter wird ihr nämlich zugestanden, dass sie über ihren Körper und ihre Sexualität selbst bestimmen kann. In dieser gesetzlichen Grauzone zwischen 14 und 16 spielt das Alter des Partners eine entscheidende Rolle. Hat die Jugendliche nämlich einen gleichaltrigen Freund, macht sich niemand strafbar. Ist ihr Freund aber bereits volljährig und wird z. B. von den Eltern des Mädchens angezeigt, drückt der Richter eher ein Auge zu, wenn der Freund noch jünger als 21 Jahre alt ist. Ist der Partner der Minderjährigen aber wie Du bereits über 21, könnte sich das Gericht bei einer Anzeige auf den Standpunkt stellen, dass Du als der deutlich ältere Erwachsene Deine minderjährige Freundin seelisch so unter Druck gesetzt hast, dass sie nicht aus freien Stücken mit Dir geschlafen hat, sondern weil sie Dich nicht enttäuschen oder gar verlieren wollte. Ich würde Dir daher raten zu versuchen, mit den Eltern Deiner Freundin zu sprechen, am besten in einer gemeinsamen Runde. Dann könntest Du den besorgten Vater davon überzeugen, dass Du Deine Freundin wirklich liebst und nichts tun willst, was ihr schaden könnte. Dazu würde es dann auch gehören, mit einer intimen Beziehung zu warten, bis Deine Freundin älter ist. Wenn die Eltern Dich als einen einsichtigen und rücksichtsvollen jungen Mann kennen lernen, der bereit ist, sich an Grenzen und Regeln zu halten, werden sie Eure Beziehung sicher eher akzeptieren."

*Melanie (16): Ich glaube, dass ich als Kind missbraucht worden bin. Ich kann mich aber nicht daran erinnern, das sind alles nur Vermutungen. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass etwas in der Vergangenheit verborgen liegt. Es ist sehr schwer für mich darüber zu sprechen, da ich glaube, dass es mein großer Bruder war und ich ein sehr schlechtes Gewissen habe, ihn so zu beschuldigen. Ich kann ihm nur noch mit Mühe gegenüber treten und meide, so gut es geht, jeden Kontakt. Bilde ich mir das Ganze nur ein? Wenn ja, woran erkenne ich das?
"Liebe Melanie, aus meiner psychotherapeutischen Praxis weiß ich, dass derartige Ahnungen sehr oft einen wahren Hintergrund haben. Dass Du Dich an keine einzelne konkrete Begebenheit erinnern kannst, ist dabei besonders typisch. Wenn ein Kind nämlich Opfer eines sexuellen Missbrauchs wird, muss sich seine Seele
schützen, um einigermaßen normal weiterleben zu können. Daher werden die Erinnerungen an unerträgliche Erlebnisse in eine verborgene Kammer des Unbewussten gesperrt, die dem bewussten Denken nicht zugänglich ist. Aber auch, wenn nichts in diese 'Kammer' hinein kann, bedeutet das noch lange nicht, dass auch nichts herauskommen kann.

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