Frühlingsgefühle

"Schmetterlinge im Bauch"

published: 02.04.2010

Wer verliebt ist, schüttet große Mengen des Glückshormons Dopamin aus (Foto: Public Address)Wer verliebt ist, schüttet große Mengen des Glückshormons Dopamin aus (Foto: Public Address)

Hannas Blick gleitet aus dem Fenster über die Baumkrone der alten Eiche und weiter in die Wolken. Ob Paul sie wohl heute anruft? Gestern hatte sie wirklich das Gefühl, dass da etwas zwischen ihnen ist, aber hat er das auch so empfunden? "Na, Hanna, Frühlingsgefühle? Oder denkst Du so angestrengt über meine Frage nach?", dringt auf einmal die Stimme ihres Deutschlehrers durch Hannas Gedanken. "So ein Quatsch", verteidigt sie sich, "wissen Sie denn nicht, dass es so etwas gar nicht mehr gibt?"

Zumindest nicht in der Zivilisation, meinen einige Forscher. Lassen uns die ersten Sonnenstrahlen also völlig unbeeindruckt?
Die Techniker Krankenkasse erklärt euch, was es mit den Frühlingsgefühlen auf sich hat.

Reine Hormonsache?

Wenigstens früher, darüber ist sich die Wissenschaft einig, dienten die so genannten Frühlingsgefühle dazu, die Fortpflanzung des Menschen anzukurbeln. Verursacht wurden die "Schmetterlinge im Bauch" durch hormonelle Veränderungen im Körper. So sorgten die stärkere Sonneneinstrahlung und die steigenden Temperaturen dafür, dass der Organismus geringere Mengen des Schlafhormons Melatonin produzierte.

Umso mehr Licht durch die Augen-Netzhaut ins Gehirn gelangt, desto weniger wird von dem Schlaf fördernden Hormon freigesetzt. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass biologische Vorgänge wie die Ausschüttung verschiedener Sexualhormone, die im Winter durch das Melatonin gedämpft werden, durch die längeren Tage im Frühling angeregt werden.

Opfer der Zivilisation?

Heutzutage, so die Meinung des Freiburger Professors für Endokrinologie, Martin Reincke, spiele das Melatonin jedoch keine große Rolle. Durch Kunstlicht werden nämlich auch die dunkelsten Winternächte hell erleuchtet, sodass der Körper den Unterschied zum Sommer nicht mehr so stark spürt. Und auch durch Heizungswärme, Urlaubsausflüge in den Süden oder die Anti-Baby-Pille sei der Hormonhaushalt der Menschen sowieso an andere Bedingungen gebunden.

Lediglich bei den Naturvölkern wie beispielsweise den Eskimos würden die Jahreszeiten noch einen Einfluss auf die Hormone ausüben, meint Reincke. Und so dunkel und kalt wie in der Arktis wird es in der zivilisierten Welt wohl kaum.

Zumindest die Statistik gibt dem Wissenschaftler recht: Während in den 70er Jahren noch die meisten Kinder im Februar zur Welt kamen, werden laut Statistischem Bundesamt heute die meisten Babys im Juli, August und Anfang September geboren – und folglich um die Adventszeit gezeugt. Man könnte also meinen, dass sich Pärchen weniger von ihrem biologischen als von ihrem sozialen Rhythmus beeinflussen lassen und die ruhigen Winterstunden für gemütliche Abende zu zweit nutzen.

Frühling kann immer sein!

Dennoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass der Frühling nach einem langen Winter neue Energien weckt. Ihr verbringt mehr Zeit an der frischen Luft, Straßencafés bevölkern sich und es gibt wieder viel Raum zum Flirten. Übrigens hat es auch Hanna bei einer solchen Gelegenheit erwischt: Sie und Paul haben sich nämlich zufällig in einer Eisdiele kennen gelernt.

Und hat es erst einmal gefunkt, sind die Jahreszeiten auch völlig egal: Wer verliebt ist, schüttet nämlich große Mengen von Botenstoffen aus, darunter auch das Glückshormon Dopamin. Von Glückshormonen kann auch Hanna ein Liedchen trällern, als am Nachmittag endlich ihr Telefon klingelt und Paul sich mit ihr verabreden möchte. Hannas Gefühle stehen Kopf, ihr Herz klopft wie wild und die Hände werden feucht, wenn sie nur an Paul denkt. Klar, denn Dopamin löst Euphorie, Appetitverlust und sexuelles Verlangen aus. Egal ob Sommer oder Winter, in eurem Kopf herrscht in einem solchen Moment sowieso strahlender Frühling.

Übrigens: Gewisse Frühlingsgefühle-Leugner behaupten, dass nicht Vogelgezwitscher und erste Sonnenstrahlen für die Hormonschwankungen verantwortlich sind, sondern die frühlingshaften Outfits, die man auf den Straßen bewundern kann. Zumindest Hanna ist neuerdings von dem frühlingshaften Hormonschub überzeugt - aber eigentlich ist es ja auch nicht so wichtig, weshalb der Frühling so schön ist, oder?

[TK]

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