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Neue Partner der Eltern - Teil 2

"Recht auf eine neue Liebe"

published: 20.08.2008

Dr. Karin Anderson ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie (Foto: Public Address)Dr. Karin Anderson ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie (Foto: Public Address)

Viele Jugendliche kommen mit dem neuen Partner eines Elternteils nicht zurecht. Auch im zweiten Teil des Interviews zum Thema beschäftigt sich Expertin Dr. Karin Anderson mit Problemen, Ängsten und Zweifeln der Scoolz-User.

Hendrik, 12: "Die Verlobte meines Vaters will ein Kind von ihm! Ich will aber kein Geschwisterchen, schon gar nicht von ihr. Dann bin ich doch ein totaler Außenseiter."
"Hallo, Hendrik. Ich kann verstehen, dass der Gedanke an ein neues Geschwister dich sehr beunruhigt. Du hast dich noch gar nicht an die Verlobte deines Vater gewöhnt, magst sie vielleicht auch noch nicht mal besonders - und sollst nun die Liebe deines Vaters auch wohlmöglich noch mit einem neuen Baby teilen. Eine neue Stiefmutter bringt die Beziehung zwischen dir und deinem Vater ja schon genug durcheinander. Und vielleicht ist das Auseinanderbrechen deiner Familie auch noch gar nicht so lange her, und du leidest noch unter der Trennung deiner Eltern. Auch wenn es dir schwerfällt, du musst den ganz normalen Wunsch deines Vater nach einer neuen Partnerschaft akzeptieren. Und dass die Verlobte deines Vater ein Baby haben möchte, ist ja ebenfalls ganz normal. Deine Bedenken und Befürchtungen sind trotzdem berechtigt, denn sie sind auch total normal. Es gibt wohl kein Kind, dass sich uneingeschränkt über ein neues Geschwister freut, besonders, wenn es vorher allein mit einem Elternteil lebte - und das Baby auch noch nicht mal den gleichen Vater oder die gleiche Mutter hat. Du befürchtest, dass du zum ´totalen Aussenseiter´ werden könntest, weil dein Vater dann vielleicht innerlich ganz mit seiner neuen Frau und dem neuen Baby beschäftigt, und die Mutter des Babys ja eh nur deine Stiefmutter ist (und daher von vornherein weniger Interesse an dir hat). Zum Glück sind Eltern aber so gebaut, dass sie in ihrem Herzen nicht nur für ein Kind Platz haben. Du kannst sicher sein, dass dein Vater dich nicht weniger lieben wird, wenn du nicht mehr sein einziges Kind bist. Auch deine zukünftige Stiefmutter wird hoffentlich lernen, dich zu lieben, wenn sie dich besser kennt. Es ist schon richtig, das neue Baby wird erstmal viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen und viel Zeit beanspruchen. Aber gerade euer Altersabstand ist auch ein Vorteil für dich. Du bist "der Große", mit dir kann dein Vater angeln gehen oder ein Baumhaus bauen, dich kann er mit zum Fußballstadion nehmen oder mit dir Tischtennis spielen. Mit dir kann er bereits vernünftig reden und dir zeigen, wie man einen Fahrradschlauch flickt. Ein Baby ist, wie du merken wirst, für Eltern nicht nur eine Wonne, sondern oft auch ganz schön nervig. Niedlich wie es ist, es hält die Eltern ordentlich in Trab, sie können nicht mal eben einfach abends ins Kino oder ein Bier trinken gehen, und mit dem Ausschlafen am Sonntagmorgen ist es auch vorbei. Da kannst du bei deinen Eltern, besonders auch bei deiner neuen Stiefmutter, Punkte sammeln, wenn du als großer Bruder deine Hilfe anbietest. Deine Stiefmutter wird sehr dankbar sein, wenn du für sie aufs Baby achtest, damit sie einmal ungestört baden oder mit ihrer Freundin telefonieren kann. Und vielleicht kannst du dir ja sogar später ein extra Taschengeld verdienen, wenn du den kleinen Bruder oder die kleine Schwester babysittest, damit die Eltern einmal abends ausgehen können. Bei eurem großen Altersabstand kann dein kleines Geschwister dich nicht wirklich stören und nicht wirklich mit dir wetteifern oder mit dir streiten. Als älterer Bruder bist du nämlich das große Vorbild. Dein Wort hat Gewicht. Dein kleiner Bruder oder deine kleine Schwester werden zu dir aufschauen und dein größter Fan sein."

Daniela, 13: "Meine Mutter will ihren neuen Freund heiraten. Ich dachte eigentlich, dass sie wieder mit meinem Vater zusammen kommt. Wie kann ich die Hochzeit verhindern?"
"Liebe Daniela. So nachfühlbar dein Wunsch auch ist, die Hochzeit deiner Mutter zu verhindern, damit die Tür zu einer Versöhnung deiner Eltern offen bleibt - realistisch ist dieser Wunschgedanke leider nicht. In den liebenswerten Filmen ´Charlie und Luise´, der amerikanischen `Elternfalle´ oder dem ´Doppelten Lottchen´ von Erich Kästner (von dem die Idee ursprünglich stammt) sind die Kinder zwar mit ihrem trickreichen Zusammenbringen der getrennten Eltern nach vielem Hin- und Her letztendlich erfolgreich - aber du hast sicher keine unbekannte Zwillingsschwester, die dir hilft, und solche überraschenden Versöhnungen zerstrittener Eltern, die eigentlich überhaupt nichts mehr gemeinsam haben, sind eben leider wohl auch nur im Film oder Roman möglich. Deine Eltern haben sich aus Gründen getrennt, die du vermutlich im Einzelnen nicht kennst - und auch nicht wirklich wissen solltest. Deine Eltern haben dich ja hoffentlich mit den unschönen Details ihrer Streitigkeiten verschont und dich nicht dadurch belastet, dass sie dir alles, was ihre Ehe auseinandergebracht hat, unpassenderweise erzählt haben. Der Grund für ihre Trennung ist sicherlich nicht ein einzelner Streit oder gar ein Missverständnis, sondern die schmerzhafte Erkenntnis, dass man sich auseinandergelebt hat und dass die Liebe, und möglicherweise auch die Achtung voreinander, irgendwann dabei auf der Strecke geblieben ist. Sie lieben dich beide und du hast ein gutes Verhältnis zu ihnen, daher ist dein Wunsch, sie möchten wieder zueinander finden, nahe liegend. Dass sie gute Eltern für dich geblieben sind und dich lieben, bedeutet aber leider nicht, dass sie auch gute Ehepartner füreinander sein und ihre Liebe wieder entdecken könnten. Deine Eltern haben ein Recht darauf, wieder in einer Liebesbeziehung und Partnerschaft zu leben. Möchtest du wirklich, dass deine Mutter sich nie wieder von einem Mann geliebt, geachtet und unterstützt fühlt, nur weil du einen unrealistischen Traum nicht aufgeben kannst? Selbst, wenn es dir gelingen würde, die Wiederheirat deiner Mutter zu torpedieren - möchtest du denn, dass deine Mutter unglücklich und irgendwann allein und dadurch emotional völlig auf dich angewiesen ist? Wenn du erwachsen bist und dann dein eigenes Leben leben willst?"

Hans, 14: "Mein Vater hat seit zwei Jahren eine Freundin. Am Anfang hatte er versprochen, dass wir auch einmal ohne sie und ihre Kinder etwas unternehmen. Doch seit einem halben Jahr war sie immer nur dabei. Ich bin total enttäuscht, warum macht er das?"
"Lieber Hans, du bist zu Recht über das nicht eingehaltene Versprechen deines Vaters enttäuscht! Auch wenn deine Beziehung zu der neuen Partnerin deines Vater und auch zu ihren Kindern an sich gut ist - du brauchst auch einmal eine Alleinzeit mit deinem Vater! Solche Zeiten ganz allein mit einem Elternteil benötigt jedes Kind von Zeit zu Zeit, auch in Familien mit beiden Eltern und leiblichen Geschwistern. Zum Heranwachsen eines Jungen sind Unternehmungen und Gespräche ´von Mann zu Mann´ mit dem Vater sehr wichtig, denn dein Vater ist ja ein wichtiges männliches Vorbild, von dem du (hoffentlich) viel lernen kannst. (Für Mädchen gilt natürlich umgekehrt das Gleiche). Dein Vater macht sich wahrscheinlich gar nicht klar, dass er sein Versprechen nicht eingehalten hat und dich so sehr enttäuscht. Er ist vermutlich froh, dass alles zu Hause ganz gut klappt und macht sich sicher gar keine Gedanken darüber, dass das für dich noch keineswegs bedeutet, dass du diese versprochenen Zeiten allein mit ihm nicht mehr gebrauchst. Vielleicht möchte er auch seiner Freundin und ihren Kindern nicht das Gefühl geben, dass er sie von etwas ausschließen will, oder er glaubt, dass so ein Vater-Sohn-Alleingang sie kränken könnte. Damit muss sich aber jeder Vater und jede Mutter auseinandersetzen, die eine neue Partnerschaft eingehen. Die besondere Vater-Sohn-Beziehung (oder Mutter-Tochter-Beziehung) kann nicht völlig zugunsten eines Wir-sind-eine-Familie-und-machen-alles-zusammen aufgegeben werden - diese Tatsache gilt im Übrigen genauso für Familien mit zwei leiblichen Eltern. Ich würde dir daher raten, ganz offen mit deinem Vater über deine Gefühle zu sprechen. Sag ihm, dass du dich auf gemeinsame Unternehmungen mit ihm gefreut hättest und dass du sehr enttäuscht bist, dass er sein Versprechen scheinbar vergessen hat. Mach ihm klar, wie wichtig solche Vater-Sohn-Zeiten für dich sind, auch wenn du bereits 14 und bald erwachsen bist. Und wenn du willst, druck deine Frage und meine Stellungnahme aus, und lass sie deinen Vater lesen - dann nimmt er dein Problem ganz bestimmt ernst."

[TK]

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