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Sprechstunde mit Dr. Karin Anderson

Essstörung

published: 19.03.2010

Dr. Karin Anderson berät Unikosmos-Userin Merle (Foto: Public Address)Dr. Karin Anderson berät Unikosmos-Userin Merle (Foto: Public Address)

Um zu funktionieren, braucht unser Körper Energie. Die bekommt er nur, wenn wir uns ausreichend und gesund ernähren. Für die meisten Menschen ist das Essen etwas alltägliches und normales, über das man sich nicht ständig Gedanken macht. Für Menschen, die unter einer Essstörung leiden, ist die Nahrungsaufnahme alles andere als normal. Ob Ess-Sucht, Magersucht oder Ess-Brech-Sucht, Essen ist das zentrale Thema in ihrem Alltag. Wie kann man aus dem gefährlichen Suchtverhalten ausbrechen, wenn sich jeder Gedanke um Nahrung dreht? Dr. Karin Anderson hilft.

Dr. Karin Anderson lebt im US-Bundesstaat Maine. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin. Als Forenexpertin für Scoolz berät sie unsere User kostenlos. Wenn du unserer Expertin ein Problem schildern möchtest oder eine Frage stellen willst, tue dies jederzeit gerne in den Foren Gefühlssachen oder Help.

Merle: "Hallo ihr Lieben,
ein kleines bisschen ausholen muss ich leider: Ich bin essgestört, laut Psychologen angeblich schon sehr lange, aber wirklich gefährlich wurde es vor ca. einem Jahr. Ich habe kaum mehr gegessen und (absichtlich) sehr schnell sehr stark abgenommen, obwohl ich nicht einmal ansatzweise übergewichtig war. Auch Sport habe ich extrem betrieben. Die folgende Zeit war unglaublich hart. ich bin auch in Therapie, aber sie hilft mir so gar nicht - trotzdem habe ich mich nun wieder an einen Punkt gekämpft, der wohl halbwegs in Ordnung ist, vom Gewicht her. Jedenfalls scheint das nach Außen so. Allerdings gab es auf dem Weg einige Rückschläge.

Das Essen macht mich fertig. Ich fühle mich so unglaublich schlecht danach, dass es mich depressiv macht, schlimmer als es war, als ich noch extrem untergewichtig war. Aber ich kann auch nicht mehr einfach aufhören - zum einen, weil ich meiner Familie hier nicht mehr so wehtun möchte, zum anderen aber auch, weil mein Körper mich nicht mehr lässt. Er reagiert im Gegenteil sogar mit vermehrtem Appetit und auch ständigem Magenknurren im Wechsel mit unerträglichem Völlegefühl nach dem Essen (ich habe das mal beobachtet, es setzt schon beim Zubereiten des Essens ein, daher denke ich, dass es auch viel mit Angst zu tun hat). So erlebte ich irgendwann meinen ersten Essanfall mit anschließendem Erbrechen. Und leider habe ich es dann eine ganze Weile so gehandhabt, bis ich auch das nicht mehr ertragen konnte. Jetzt unterlasse ich das konsequent, auch wenn es sehr viel Kraft kostet.

Am schlimmsten ist es jetzt nachts. Zu der Essstörung habe ich nämlich seit zwei Jahren starke Schlafstörungen begleitet von Panikattacken. Und nun sieht es so aus, das ich abends ins Bett gehe und kurz bevor ich einschlafen sollte, durchzuckt irgendetwas meinen ganzen Körper und mein Herz hämmert gegen meine Brust. Von dem Punkt an hat schlafen keinen Sinn mehr, das passiert dann in immer kürzeren Abständen immer wieder. Aus Angst vor so schlimmen Nächten wie damals reagiere ich fast vollautomatisch sehr destruktiv: und esse wieder. Meist Obst oder sowas, damit der Drang zum Erbrechen nicht allzu groß wird.

Irgendwann kann ich dann schlafen und wache am nächsten Morgen auf und fühle mich gleich schon schlecht. Unglücklich, minderwertig, ekelhaft, unförmig. Ich frage mich, was das bloß soll? Vor allem dieses schmerzhafte Zucken nachts macht mir Angst, ganz abgesehen von dem unnatürlichen Essverhalten. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll und verstehe es auch einfach nicht. Nun habe ich Angst, dass es wieder in ein destruktives Verhalten abrutscht. Falls irgendjemand hier etwas mehr damit anfangen kann, wäre ich unglaublich dankbar! Ganz liebe Grüße"


Dr. Karin Anderson: "Liebe Merle,
ich finde es großartig, dass du es bereits geschafft hast, das lebensgefährliche Hungern abzustellen. Es ist aber kein Wunder, dass du immer noch mit vielen Symptomen deiner Essstörung zu kämpfen hast, denn es handelt sich dabei ja, wie du leidvoll erfahren musstest, nicht einfach nur um ein "schlechtes" Essverhalten, sondern um eine schwere psychische Störung, bei der sich hinter dem problematischen Umgang mit dem Essen massive Ängste und ein sehr verzerrtes Selbstbild verbergen. Du sagst, dass du dich in psychotherapeutischer Behandlung befindest, dass sie dir aber nicht ausreichend hilft. Ich kann natürlich nichts über die Qualität deiner Behandlung sagen, aber ich weiß, dass bei so gravierenden Symptomen die Heilung viel Zeit und Geduld beansprucht, und jeder Schritt erkämpft werden muss.

Symptome können sich verschlimmern

Als Psychotherapeutin weiß ich auch aus meiner Arbeit mit essgestörten Patienten, dass es oft bereits einen Therapiefortschritt bedeutet, wenn die zugrunde liegenden Ängste und neurotischen Anteile, die vorher hinter der Anorexie oder Bulimie nicht sichtbar wurden, ans Tageslicht kommen, und dadurch erst einer Behandlung zugänglich werden. In so einer Therapiephase können sich Symptome vorübergehend leider auch verschlimmern, denn der kranke Anteil in dir kämpft ja gegen jede drohende Veränderung an, die ihm viel mehr Angst macht, als das Gewohnte und Vertraute der Essproblematik.

Geduld haben

Du kannst dich nur immer wieder an deinen gesunden, erwachsenen Anteil halten, wie du es ja auch tust, wenn du dir vor Augen führst, dass du deine Familie nicht enttäuschen willst, oder dass du deinem Körper keinen weiteren Schaden zufügen möchtest. Ich weiß, dass diese Auseinandersetzung zwischen dem angstvollen, kranken kleinen Kind in dir und der gesunden Erwachsenen sehr hart und schmerzhaft ist. Aber du musst Geduld mit dir haben und an deinen gesunden Anteil glauben, er ist vorhanden und wird dir helfen, auch wenn es sich oft nicht so anfühlt! Gib dir und deinem Therapeuten diese Chance.

Heilung braucht Zeit

Glaub mir, ein Jahr Behandlung für eine solch schwerwiegende Erkrankung ist noch nicht sehr lang, und auch wenn die neuen Symptome dich erschrecken und dich quälen - sie bedeuten nicht, dass deine Therapie nichts bringt, sondern sind eher ein Hinweis darauf, dass sich etwas tut und Veränderungen im Gange sind. Bitte, sprich mit deinem Psychologen über deine Bedenken und Ängste, sie sind normal und zu erwarten bei jeder tief greifenden, therapeutischen Arbeit. Liebe Grüße, Dr. Karin Anderson"

[TK]

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