Kinderhospiz Sternenbrücke

Bis dass der Tod euch scheidet

published: 13.03.2011

Der Urlaub in Hamburg hat auch Fabian gut getan (Foto: Public Address)Der Urlaub in Hamburg hat auch Fabian gut getan (Foto: Public Address)

Vor drei Tagen hat Fabian spontan geheiratet. Sein kleiner Hochzeitsanzug hängt am Haken in seinem Zimmer, die gestreifte Krawatte daneben. Der Ehering ist aus goldener Pappe und liegt auf dem Nachttisch. Fabians Finger sind winzig, ein echter Ring hätte da nicht gepasst. Der 14-Jährige leidet seit seiner Geburt an einem unheilbaren Herzfehler, sein kleiner Körper ist viel zu schmal für einen Teenager. Kati, seine Braut, arbeitet in der Sternenbrücke in Hamburg und pflegt dort totkranke Kinder. Patienten wie Fabian werden dort auch ungewöhnliche Wünsche erfüllt, und sei es eine spontane Hochzeit.

In dem Kinderhospiz, das in dem noblen Elbvorort Rissen liegt, wird alles dafür getan, dass Fabian und seine Eltern die gemeinsame Zeit, die ihnen noch bleibt, genießen können. Weiße Wände gibt es hier nicht, viele Zimmer sind in hellem Gelb gestrichen. Überall hängen bunte Bilder, in den Ecken stehen mannshohe Kuscheltiere. Lampen sind leuchtende Blumen oder Sterne, indirektes Licht sorgt für Wärme, der Behandlungstisch für die Kinderärzte ist ein blaues Nilpferd und heißt Geena. Es riecht nach Teppichboden. Die kleinen Bewohner kommen nicht nur zum Sterben sondern vor allem zum Leben in das Hospiz. Zusammen mit ihren Familien erholen sich unheilbar kranke Kinder wie Fabian auf dem riesigen Gelände am Waldrand und machen Urlaub von ihrem anstrengenden Pflege-Alltag. Unter uralten Eichen und Buchen können sich jeweils knapp zehn Familien bis zu vier Wochen pro Jahr entspannen und von den Strapazen erholen, die entstehen, wenn ein krankes Kind versorgt werden muss. "Entlastungspflege" heißt das in der Fachsprache und erfreut auch die Geschwisterkinder, die im Alltag immer zu kurz kommen.

"Wer das nicht selbst erlebt, kann mich nicht verstehen."

Gerne wären Fabians Eltern bei seiner Hochzeit die Trauzeugen gewesen. Aber als ihr Junge mit der blonden Kinderkrankenschwester vor dem Traualtar stand und Seelsorger Uwe eine gespielte Zeremonie improvisierte, waren Isolde und Jörg nicht da. Zum ersten Mal in Fabians Leben. Seit der Geburt pflegt Mutter Isolde ihren Sohn rund um die Uhr, begleitet ihn auf seiner Odyssee durch Krankenhäuser und Reha-Zentren. In der Sternenbrücke haben sie erst neu lernen müssen, wie ein normales Familienleben aussehen könnte. Dazu gehört auch, dass Isolde und Jörg mal alleine etwas unternehmen. Am Tag der Hochzeit haben sie eine Hafentour gemacht, Fabian wurde in der Sternenbrücke betreut. Einfach war das für Isolde nicht. "Das erste Mal, dass er nicht von mir gepflegt wurde, war sehr schwer für mich. Aber jemand, der das nicht selbst erlebt, kann mich nicht verstehen", sagt die 37-Jährige. Jeden Tag steht Isolde mit Fabian um 4.30 Uhr auf. Dann braucht er die ersten Medikamente, muss gewaschen und angezogen werden. Bis er abends versorgt ist, ist es oft elf Uhr. Einen Computer oder gar einen Internet-Anschluss besitzen Isolde und Jörg nicht. Wozu auch, fürs Surfen wäre eh keine Zeit.

Heute schleicht Fabian matt über den Parkettboden der Sternenbrücke.

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www.sternenbruecke.de

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