Sprechstunde

Nägelkauen und Nagelhaut beißen

published: 12.08.2011

Dr. Karin Anderson ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin (Foto: Public Address)Dr. Karin Anderson ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin (Foto: Public Address)

Vom Nägelkauen sind nach Einschätzung von Experten rund 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen und zehn Prozent der Erwachsenen betroffen. Meist passiert dies unbewusst. Auch wenn viele Menschen damit unglücklich sind, fällt es schwer damit aufzuhören. Dr. Karin Anderson berät Scoolz-Userin Amidala.

Dr. Karin Anderson lebt im US-Bundesstaat Maine. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin. Als Forenexpertin für Scoolz und die Techniker Krankenkasse berät sie unsere User kostenlos. Wenn du unserer Expertin ein Problem schildern möchtest oder eine Frage stellen willst, tue dies jederzeit gerne in den Foren Gefühlssachen oder Help.

Scoolz-Userin Amidala:
Hallo,
ich habe ein ziemliches Problem. Zurzeit sehen meine Finger schrecklich aus. Der Grund ist, dass ich mir die Nägel sehr kurz beiße und seit ca. 2 Jahren sogar die Nagelhaut darum abbeiße. Ich habe so langsam echt Panik, da ich demnächst wieder zur Schule gehe, um mein Abi nachzumachen und dann die Lehrer dauernd über die Schultern gucken. Ich habe mega Panik davor, darauf angesprochen zu werden. Habt ihr Tipps, wie ich mit dem Nagel- und Nagelhaut beißen und -kauen aufhören kann?
LG Amidala


Dr. Karin Anderson:
Hallo, Carina,
Nägel- und Nagelhautkauen, und auch das Abreißen der Nagelhaut wird im Allgemeinen durch starke innere Anspannung ausgelöst. Durch dieses Kauen und Puhlen reagiert man den Druck, unter dem man steht, ein wenig ab, so ähnlich, wie wenn man unter Stress zu einer Zigarette greift.
Leider neigt dieses Verhalten dazu, sich nach einiger Zeit zu verselbstständigen. Das heißt, es bleibt auch dann noch als "Tick" weiterbestehen, selbst wenn die belastende Situation aufgehört hat.
Vielleicht merkst du ja auch schon, dass du quasi "automatisch" an deinen Nägeln herumkaust, wenn du dich langweilst, etwas genervt bist, irgendwo warten musst usw. Dann nimmst du möglicherweise dein Nägelkauen oft erst dann wahr, wenn der Finger bereits im Mund, der Nagel gekaut oder die Nagelhaut abgerissen ist.
Weil das Kauen oft ohne bewusste Absicht geschieht, kannst du dir noch so fest vornehmen, es nicht wieder zu tun, es passiert dir doch wieder.
Oft wird versucht, mit bitter schmeckenden Flüssigkeiten das Kauen von vornherein zu verhindern. Das hat leider meist den gleichen Abschreckungserfolg wie ein senfgefüllter Cupcake bei meinem diebischen Hund - nämlich Null!
Nach meiner Erfahrung (und der anderer Forums-User) klappt das Abgewöhnen nicht von heute auf morgen, sondern du musst es dir in kleinen Schritten abtrainieren.
Nehmt dir vor, zuerst nur an einem Finger (kleiner Finger) jeder Hand nicht mehr zu kauen. Alle anderen Finger sind weiterhin "erlaubt". Wenn du dich darauf konzentrierst, merkst du sofort, wenn du den "falschen" Finger in den Mund steckst. Dir fällt es aber leichter, ihn verschonen, weil du ja noch an den anderen Nägeln weiter kauen darfst.
Wenn du deine kleinen Finger eine Woche in Ruhe gelassen hast, darfst du dich mit etwas belohnen, was du gern hast. Danach sind als nächstes die Ringfinger mit dem Kauverbot an der Reihe - du darfst aber weiterhin Daumen, Zeige- und Mittelfinger attackieren.
Wenn du es geschafft hast, auch die Ringfinger zu verschonen, darfst du dich wieder mit etwas Angenehmen für deinen Erfolg belohnen. Und danach die Mittelfinger für tabu zu erklären, usw. bis es dir entweder gelingt, alle Finger völlig kaufrei zu lassen, oder die Kauerei wenigstens nur noch auf einen Finger zu beschränken. Diese Methode hat sich (auch bei mir!) als sehr wirksam erwiesen, ich kann sie nur empfehlen.
Liebe Grüße, und viel Erfolg, Dr. Karin Anderson

[TK]

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