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Sprechstunde

Probleme mit dem Ex-Freund

published: 18.09.2011

Dr. Karin Anderson ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin (Foto: Public Address)Dr. Karin Anderson ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin (Foto: Public Address)

Pubertät. Die Phase in der so viel in so kurzer Zeit passiert. Ständig verändert sich alles. Sei es körperlich oder emotional. Die große Liebe und die pure Verzweiflung können da dicht beieinander liegen. Ein einziges Gefühlschaos. Was im Alter von 16 Jahren vielleicht noch gut für einen funktioniert hat, kann mit 19 Jahren wieder ganz anders aussehen. Diese Erfahrung musste auch Scoolz-Userin Lara machen. Expertin Dr. Karin Anderson berät sie.

Dr. Karin Anderson lebt im US-Bundesstaat Maine. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin. Als Forenexpertin für Scoolz berät sie unsere User kostenlos. Wenn du unserer Expertin ein Problem schildern möchtest oder eine Frage stellen willst, tue dies jederzeit gerne in den Foren Gefühlssachen oder Help.

Scoolz-Userin Lara:
Hallo,
Ich bin weiblich und 19 Jahre alt und habe ein Problem mit einem Jungen. Dachte ich versuch mal ob hier jemand ein Rat hat, denn ich weiß nicht mehr was ich denken soll. Ich weiß die Geschichte ist lang, aber für mich zum verzweifeln.

Also: Ich hatte bis ca. Ende Januar 3 Jahre lang einen Freund. Wir haben uns wirklich sehr geliebt, aber am Schluss sehr oft gestritten (zum Großteil auch wegen Kleinigkeiten, meiner Eifersucht etc). Ich vermisse ihn wirklich sehr. Danach hatte ich eine kurze Beziehung zu einem guten Bekannten von ihm. Er war wirklich stinksauer, wollte komplett den Kontakt abbrechen. Sofort hab ich diese Beziehung beendet. Dann waren wir auf einer Klassenfahrt, habe mich dort mit ihm ausgesprochen und wir sind uns wieder näher gekommen, haben auch öfter was unternommen. Schließlich wollte er wieder mit mir zusammen sein, sagte mir wie sehr er mich liebt usw. Nach 3 Tagen aber meinte er, dass er nicht weiß ob es Gewohnheit oder Liebe ist und es war wieder vorbei. Er hatte mir aber wirklich so oft in den 3 Tagen gesagt wie sehr er mich vermisst und liebt. Ich denke, der Vorfall mit dem Bekannten steckte noch sehr in seinem Kopf, da er da auch Anspielungen zu machte und da er als Schlussmachgrund auch sagte, es wäre nicht so wie früher. Aber das kann er doch nach 3 Tagen kaum beurteilen..
Auf jeden Fall sind wir mittlerweile, Monate später, die besten Freunde. Wir telefonieren, machen viel miteinander. Er kümmert sich immernoch sehr um mich, wenn ich Probleme hab, sorgt für mein Essen, sagt er hat mich lieb, rechtfertigt sich wenn er mit einem anderen Mädchen schreibt. Sogar ist es jetzt auch einige Male zum Sex gekommen. Und er weiß auch, ich habe mich geändert. Er möchte aber trotzdem keine Beziehung.
Ich weiß jetzt einfach nicht was ich denken soll. Ich kann einfach nicht glauben, dass er keine Gefühle mehr hat. Er will unbedingt diesen engen Kontakt zu mir halten und macht diese Andeutungen. Was soll ich da denken? Was soll ich machen? Er will keine Beziehung, aber ich weiß nicht wie lange ich so eine Freundschaft aushalte. Andererseits ist eine Freundschaft besser als nichts.
Warum verhält er sich so, wenn er mich doch anscheinend nicht mehr liebt? Er weiß einfach genau, ich würde ihn niemals aufgeben und loslassen.
Ich hoffe jemand hat da irgendwie einen Rat oder eine Ahnung was sein Verhalten zeigt. Er ist mein erster Freund gewesen, deswegen hab ich da wenig Erfahrung.

Gruß Lara

Dr. Karin Anderson:
Hallo, Lara,
Ich kann mir gut vorstellen, dass du unglücklich und verwirrt bist, und nicht weißt, was du von diesem Hin und Her mit deinem Ex- und irgendwie Noch-Freund halten sollst.
Du hast deinen (vermutlich gleichaltrigen) Freund mit 16 kennengelernt, ihr wart drei Jahre zusammen, habt euch zwar anfangs sehr geliebt, dann aber so oft gestritten, dass die Beziehung auseinander ging. In diesem Zeitabschnitt, vom Teenager zum jungen Erwachsenen, verändert man sich sehr, wird reifer, und auch eine große Liebe braucht mehr als nur Gefühl als Basis, um sich in dieser Phase großer Veränderungen mitzuentwickeln.
Wenn ihr euch oft gestritten habt, bedeutet das, dass ihr nicht mehr recht zufrieden mit eurer Beziehung wart. Wenn man in einer Partnerschaft glücklich ist, nimmt man nicht so schnell übel und fühlt sich auch nicht durch Kleinigkeiten so leicht irritiert, dass man deswegen streiten muss.
Eine größere Toleranz und Akzeptanz kommt aber auch mit der Erfahrung - je mehr man mit anderen Partnern erlebt hat, desto eher kann man Prioritäten setzen, weiß, was man am anderen hat, und weiß auch, womit man einfach nicht klarkommen kann.
Dieser Freund war dein erster, daher fehlt dir diese Vergleichsmöglichkeit (sicher gilt das auch umgekehrt für ihn). Dazu ist vermutlich auch dein Selbstbewusstsein noch nicht besonders gut entwickelt, sonst wäre deine Eifersucht (du erwähnst nicht, dass es dazu einen Grund gab) nicht so häufig Anlass zum Streit gewesen.
Auf jeden Fall warst du schließlich bereit, eine neue Beziehung einzugehen, hast dich aber durch die unerwartet starke Eifersuchtsreaktion deines Exfreunds und seine Drohung zum Kontaktabbruch so beeindrucken lassen ("so sehr muss er mich offenbar doch noch lieben!"), dass du die neue Beziehung "sofort" abgebrochen hast, und bereit warst, wieder mit deinem Ex zusammenzukommen.
Aber heftige Gefühlsausbrüche sind leider kein Garant für das Gelingen einer Beziehung! Eine solche Reaktion - schließlich war eure Beziehung ja offiziell beendet - zeigt neben noch vorhandenen Zuneigungsgefühlen vor allem auch ein hohes Maß an Kränkung, dein Exfreund fühlte sich plötzlich "austauschbar" und weniger wert.
Ihr habt dann während einer gemeinsamen Klassenreise die Gelegenheit genutzt, euch auszusprechen und seid euch dann allmählich wieder nähergekommen. Das hätte durchaus eure Beziehung auf die nächste Stufe heben und reifer werden lassen können.
Euer Wiederzusammenkommen hat dann allerdings im Gegenteil gezeigt, dass die damaligen Trennungsgründe eben doch noch weiter bestehen, und die Beziehung war nicht mehr "so wie früher". Dein Freund wollte sich nicht mehr richtig auf dich einlassen, und konnte deine kurze anderweitige Beziehung (die ja schließlich nach eurer Trennung stattfand!) nicht verwinden (was wiederum seine eigene Selbstunsicherheit zeigt).
Wenn zwei Partner sich ohne massive Kränkungen und Verletzungen entfremden, haben freundschaftliche Gefühle eine viel größere Chance, weiterzubestehen, als wenn die Beziehung mit großem Drama auseinanderbricht. Daher ist es wirklich nicht verwunderlich, dass ihr beide noch solche Gefühle für einander hegt. Dabei spielt tatsächlich ein großes Stück Vertrautheit eine Rolle - schließlich seid ihr ja drei Jahre lang zusammengewesen. Und ihr habt beide noch keine neue Liebe gefunden.
Dein Freund sieht das wohl etwas klarer als du, aber da er bisher keine neue Freundin hat, und dich nicht ganz verlieren möchte, vermittelt er mehr den Eindruck von "Festhalten und Weitersuchen".
Dir scheint es aber im Grunde ähnlich zu gehen, denn du sagst "Freundschaft ist besser als gar nichts". Das stimmt! Aber bevor eine ehemalige Liebe zu einer "normalen" Freundschaft wird, braucht es seine Zeit. Eine solche Freundschaft mit einem Ehemaligen oder einer Ehemaligen ist sehr wertvoll, denn der ehemalige Partner kennt dich ja sehr gut, und kann dich daher, wie eine beste Freundin oder ein bester Freund, wesentlich besser verstehen als jemand, der weniger vertraut mit dir ist.
Aber bis dahin braucht es, wie schon gesagt, einer längeren Entwicklung, und du solltest Vertrautheit und - noch nicht wieder neu gebundene - Zuneigungsgefühle nicht mit Liebe verwechseln.
In einigen Fällen kann es, manchmal sogar nach Jahrzehnten, wieder zu einer neuen Liebe mit einem früheren Partner kommen - besonders dann, wenn beide zur Zeit ihres ersten Kennenlernens noch sehr jung waren. Aber das geschieht nur dann, wenn beide Partner in der Zwischenzeit wesentlich reifer und erfahrener geworden sind, und daher wieder auf eine ganz neue Weise zusammenpassen.
LG, Dr. Karin Anderson

[TK]

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