Redeangst

Haste Töne!

published: 05.01.2005

Frei vor anderen Menschen zu reden ist kein Hexenwerk, sondern erlernbar (Foto: shutterstock.com/l i g h t p o e t) Frei vor anderen Menschen zu reden ist kein Hexenwerk, sondern erlernbar (Foto: shutterstock.com/l i g h t p o e t)

Die Notizen verschwimmen vor den Augen, der Puls pocht bis zum Hals und der Magen dreht sich wie ein Kettenkarussell. Diese Symptome kennt fast jeder, der schon einmal vor einer versammelten Mannschaft öffentlich Reden musste. Selbst Profis mit langjähriger Erfahrung haben mit kleineren oder größeren Angstattacken vor Auftritten zu kämpfen. Für viele ist es jedoch gerade diese innere Anspannung, das Adrenalin, das zu Höchstleistungen führt und unsere Konzentration sichert. Für alle, die die Redeangst mehr hemmt als beflügelt, gibt es einige Tipps gegen den berüchtigten Kloß im Hals:

1. Antizipation ist alles
Um dir dich und dein Auftreten in der Redesituation besser vorstellen zu können, solltest du dir den Moment der Rede in deiner Phantasie ausmalen. Versuche, dich zu sehen, wie du genauso frei und unbeschwert redest, wie du es am liebsten tun möchtest. Stelle dir die Situation so realistisch wie möglich vor, so kannst du dich mit der Rolle des Redners auseinandersetzen und dich langsam mit ihr identifizieren. Es ist sinnvoll, die beängstigende Situation wiederholt vor dem inneren Auge ablaufen lassen. So wie ein Sportler, der vor dem Start den Hürdenlauf mental bestreitet, bist du besser vorbereitet, wenn du dir vorstellst, wie der entscheidende Moment ablaufen soll. So kannst du auch mit eventuell auftretenden „Hürden“ besser umgehen, wie beispielsweise dem Umgang mit technischen Hilfsmitteln (Projektoren, Video-Rekorder).


2. Spieglein, Spieglein
Es ist hilfreich, wenn du deinen Auftritt auf Video aufnimmst und ihn dir nachher anschaust – die Videoaufzeichnung dient dir quasi als Spiegelbild. So lernst du, dich einzuschätzen und eventuelle Unsicherheiten zu erkennen, die du dann besser in den Griff bekommen kannst. Auch hier gilt: Übung macht den Meister!

3. Gut vorbereiten
Natürlich ist eine gründliche Vorbereitung das A und O jeder guten Rede. Von daher solltest du deinen Vortrag von Anfang an klar gliedern und dir sinnvolle Stichwörter machen. Wenn die äußere Form stimmt, gibt dir das ein Gefühl der Sicherheit und schützt dich davor, beim freien Reden nach Formulierungen zu ringen.


4. Harmlose Zuhörer
Falls du gerade bei dem Gedanken an dein Publikum ins Schwitzen gerätst, solltest du dir die Zuhörer nicht als Feinde, sondern als gutmütige, interessierte Bekannte vorstellen. Hilft das nicht, kannst du noch einen Schritt weiter gehen. Beispielsweise kannst du deinem Publikum geistig eine Zipfelmütze aufsetzen oder eine rote Pappnase, und es somit verharmlosen. So kannst du die Angstgefühle, die du mit der Situation verbindest, verändern und die Situation von etwas Bedrohlichem in etwas Witziges, Positives verwandeln.

5. Entspannung hilft
Ist der Tag des Vortrags gekommen, ist es hilfreich, vor dem Auftritt bewusst zu entspannen. Ob du einen Spaziergang machst, dir deine Lieblingsmusik anhörst oder dich rein mental, beispielsweise mit Yoga oder Meditation entspannst, bleibt dir überlassen.

6. Anderen geht es nicht anders
Bald betrittst du den Raum, in dem du im Mittelpunkt stehen wirst. Bevor du herein gehst, solltest du dir noch einmal vor Augen halten, dass es anderen Leuten nicht anders geht als dir. Nicht nur du, auch bekannte Persönlichkeiten, Schauspieler, Politiker oder Sportler sind vor ihrem Auftritt nervös. Sei dir dessen stets bewusst, aber lass die Nervosität nicht Oberhand gewinnen. Versuche, dir die Anspannung zu nutze zu machen und besinne dich deiner intensiven Vorbereitungen.


7. Keine Panik
Falls du aber doch spürst, wie die Angst in dir aufsteigt, solltest du dich nicht auf sie konzentrieren, denn das verstärkt das negative Gefühl nur noch. Versuche, dich auf einen Körperteil, beispielsweise deine Hände oder Füße, zu konzentrieren, sie bewusst zu spüren und ihnen all deine Aufmerksamkeit zu schenken. So lenkst du dich ab, denn es ist nicht möglich, sich gleichzeitig auf den eigenen Körper und die aufsteigende Angst zu konzentrieren. Dieses Ablenkungsmanöver kannst du immer und überall durchführen!

8. Aufmerksamkeit wecken
Nun ist es also soweit: dein Vortrag beginnt. Und hier solltest du dir bewusst sein, dass, wie bei einem persönlichen Treffen, die ersten Sätze entscheidend sind. Versuche daher, das Interesse deines Publikums zu wecken, seine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Deshalb solltest du den Beginn deiner Rede bereits in der Vorbereitung besonders bedenken. Du kannst dich beispielsweise auf eine Aussage deines Vorredners beziehen, mit einem Scherz einsteigen oder eine anschauliche Geschichte erzählen.

9. Blickkontakt halten
Wichtig hierbei ist es auch, den Blick des Publikums zu suchen, ihm nicht auszuweichen. Nur wer mit seinem Publikum von Anfangt an Kontakt sucht, kann es für sich begeistern und „bei der Stange halten“. Außerdem ist es leichter, sich anfangs auf die Zuschauer zu konzentrieren, als es während des laufenden Vortrags zu versuchen.

10. Auflockern mit Kleinigkeiten
Für den Redner selber und auch für das Publikum bieten beispielsweise Zeichnungen, Fotos oder Folien, die während des Vortrags gezeigt werden, eine angenehme Abwechslung und eine Verschnaufpause zugleich. Auch bildhafte Aussagen veranschaulichen und vereinfachen komplizierte Sachverhalte und sorgen für eine entspannte Atmosphäre zwischen Redner und Zuhörern.

Diese verschiedenen Hilfsmittel machen dich vielleicht nicht gleich zu einem Meisterredner, aber sie können dir helfen, deine Redeangst in den Griff zu bekommen. Falls das alles nicht hilft, wende dich an die psychologische Beratungsstelle deiner Hochschule. Hier werden häufig Kurse für freies Reden angeboten, in denen du dich üben und austauschen kannst.

[Sonja Ritter]

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