Studie der Universität Luxemburg

Zweisprachige Kinder im Vorteil

published: 10.09.2012

Wer mit zwei Sprachen aufwächst, weist ein Plus gegenüber einsprachigen Menschen auf (Foto: fotoinfot/shutterstock.com) Wer mit zwei Sprachen aufwächst, weist ein Plus gegenüber einsprachigen Menschen auf (Foto: fotoinfot/shutterstock.com)

Von Geburt an zwei Sprachen lernen? Für viele Kinder und Jugendliche ist das selbstverständlich. Sie sind zweisprachig aufgewachsen. Wie sich das auf ihre Entwicklung ausgewirkt hat, untersuchten nun Wissenschaftler an der Universität Luxemburg. Dabei verglichen sie bilingual und einsprachig aufgewachsene Sprösslinge aus einkommensschwachen Familien. Das Ergebnis: Zweisprachig aufwachsenden Kindern fällt es leichter, ihre Aufmerksamkeit zu lenken und zu fokussieren. Die Studie wurde im "Journal Psychological Science" veröffentlicht.


80 Kinder untersucht

Insgesamt nahmen 80 Zweitklässler aus einkommensschwachen Familien an der Studie teil. Die erste Hälfte bestand aus Kindern, die aus dem Norden Portugals in erster oder zweiter Generation nach Luxemburg eingewandert war. Diese Gruppe sprach täglich Luxemburgisch und Portugiesisch. Die andere Hälfte der Kinder lebte im Norden Portugals und sprach ausschließlich Portugiesisch.

Wortschatz, Gedächtnis, Konzentration

Zuerst untersuchten die Wissenschaftler ihren Wortschatz und baten die Kinder, Gegenstände oder Aktionen auf Bildern zu nennen. Beide Gruppen machten die Aufgabe auf Portugiesisch und die zweisprachigen Kinder machten sie ebenfalls auf Luxemburgisch. Um zu untersuchen, wie die Kinder Wissen im Gedächtnis darstellten, forderten die Wissenschaftler sie auf, ein fehlendes Stück zur Ergänzung einer speziellen geometrischen Form zu finden. Weiter maßen sie, wie viele visuelle Informationen die Kinder im Gedächtnis behalten konnten. Anschließend nahmen die Kinder an Aufgaben teil, die ihre Fähigkeit untersuchten, ihre Aufmerksamkeit bei Ablenkung zu lenken und zu fokussieren.


Obwohl die zweisprachigen Kinder weniger Wörter kannten als ihre einsprachigen Alterskollegen und keinen Vorteil bei den Gedächtnisaufgaben aufwiesen, schnitten sie bei der Kontrollaufgabe, bei der sie ihre Aufmerksamkeit unter Ablenkung lenken und fokussieren mussten, besser ab.


Nutzen von Fremdsprachenunterricht

"Kinder aus einkommensschwachen Familien sind eine besonders gefährdete Bevölkerungsgruppe", sagt Studienleiterin Dr. Pascale Engel de Abreu. Die Forscher glauben, dass die Forschungsergebnisse dazu anregen, die Leistungsunterschiede zwischen Kindern mit unterschiedlichem sozioökonomischem Hintergrund zu verringern. "Fremdsprachenunterricht benötigt keine teure Ausstattung. Er erweitert den sprachlichen und kulturellen Horizont von Kindern und fördert eine gesunde Entwicklung des Kommandosystems des Gehirns, das für die Planung und Problemlösung wichtig ist", so Engel de Abreu.

[idw]

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