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Sprechstunde mit Dr. Karin Anderson

"Mein Freund raucht Gras"

published: 25.04.2013

Melisas Freund kifft seit acht Jahren und sieht nicht ein, dass ihn die Drogen kaputt machen (Foto: nhungboon/shutterstock.com) Melisas Freund kifft seit acht Jahren und sieht nicht ein, dass ihn die Drogen kaputt machen (Foto: nhungboon/shutterstock.com)

Melisas Freund kifft seit acht Jahren und sieht nicht ein, dass ihn die Drogen kaputt machen. Das Mädchen wendet sich im Help-Forum an Dr. Karin Anderson. Die Foren-Expertin klärt Melisa über die Auswirkungen von Haschisch und Marijuana auf - und sagt ihr auch, welchen Stellenwert eine Beziehung für einen Drogensüchtigen hat.

Dr. Karin Anderson lebt im US-Bundesstaat Maine. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin. Als Forenexpertin für Scoolz berät sie unsere User kostenlos. Wenn du unserer Expertin ein Problem schildern möchtest oder eine Frage stellen willst, tue dies jederzeit gerne in den Foren Gefühlssachen oder Help.

Melisa fragt:

"Hallo, ich hab ein Problem. Mein Freund raucht seit ca. 8 Jahren Gras und sagt immer: "Das ist nicht schlimm." Ich will das nicht, weil wir zusamen eine Zukunft haben wollen. Ich weiß aber nicht, wie ich ihn davon wegbringe, weil er immer lacht, wenn ich ihm sage, dass es unfruchtbar, dumm und so macht. Und zu einen Drogenberater will er nicht gehen. Ich habe auch schon versucht, ihn da mit einer Lüge hinzubringen. Aber das ging auch nicht. Ich weiß nicht mehr weiter, weil er nicht zugeben will, dass es ihn kaputt macht. Hoffe, Sie können mir helfen. Danke Melisa"

Dr. Karin Anderson antwortet:

"Hallo, Melisa,
du machst dir zu Recht Sorgen um deinen Freund und eine gemeinsame Zukunft. Auch wenn gelegentlicher Haschisch- oder Marijuana-Gebrauch im Allgemeinen keine negativen Folgen hat, sieht die Sache bei regelmäßigem Cannabiskonsum leider ganz anders aus. Die Gefahren, die daraus entstehen, sind sehr lange unterschätzt worden. Mittlerweile hat sich nämlich herausgestellt, dass die Spätfolgen bei Kindern und Jugendlichen, die regelmäßig Haschisch oder Marijuana konsumieren, sogar sehr massiv sein können - und sich in schweren Fällen sogar nicht von denen bei Heroinabhängigen unterscheiden!

Nicht nur haben Dauer-User den ständigen Druck, sich regelmäßig neuen Stoff zu beschaffen, sondern sie können auch diese Symptome entwickeln:
* Störungen bei der Persönlichkeitsentwicklung
* Angstzustände und Depressionen
* Bluthochdruck und Herzrasen, Halluzinationen und Verfolgungsideen
* Psychische Abhängigkeit mit starken Entzugserscheinungen (wie Unruhe, Schweißausbrüchen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen und schweren Depressionen), Verwirrtheit
* Reifungsstörungen der Nerven, die zu Sehstörungen führen können
* Verstärkung bereits existierender psychischer Probleme
* Schulischer und berufliche Leistungsabfall, Motivationslosigkeit
* Herabsetzung der Zeugungsfähigkeit durch verminderte Produktion des männlichen Hormons Testosteron
* Lungenkrebsrisiko (5-mal so hoch wie bei normalem Zigarettenkonsum!)

Kiffer ohne Ehrgeiz
Der Sohn einer meiner Bekannten musste beispielsweise nach massivem (noch nicht mal jahrelangem) Kiffen die Schule abbrechen und wegen einer schweren Depression ein halbes Jahr lang in der Psychiatrie behandelt werden. Hier in den USA werden chronische Marijuana (Pot)-User als "pot heads whose brains are fried" bezeichnet. Ich kenne mehrere davon. Alle sind nette Leute, die sich dadurch auszeichnen, dass sie bei guter Intelligenz (und teilweise sogar trotz abgeschlossenem Studium!) als Tellerwäscher, Burger-Flipper bei Fast-food-Ketten oder Handlanger arbeiten, ohne den geringsten Ehrgeiz, ihre berufliche Situation zu verbessern. Das geringe Einkommen, das sie haben, wird im Allgemeinen für ihren Drogenkonsum ausgegeben. Wenn man sich mit ihnen unterhält, zeigen sie keinerlei Krankheitseinsicht, sondern beteuern, dass es ihnen gut geht, und sie ihr Leben gar nicht anders gestalten wollen. Und behaupten natürlich auch, dass sie jederzeit aufhören könnten, wenn sie nur wollten.

Stoff ist ihm wichtiger als du
Nicht-drogenabhängige Freundinnen, die sie kennenlernen, machen das meistens nicht lange mit, sie haben es schnell satt, für alles allein die Verantwortung zu übernehmen, während ihr Liebster als Spät-Hippie in den Tag hinein lebt. Du musst dir also überlegen, ob du dir so ein Leben mit einem Freund vorstellen kannst, dem sein tägliches Gras immer wichtiger sein wird als die Gefühle seiner Partnerin.
LG, Dr. Karin Anderson"

[TK]

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