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Sprechstunde

Angst vorm Vorlesen

published: 06.05.2013

Eine Scoolz-Userin hat große Angst davor, in der Schule vor der ganzen Klasse lesen zu müssen (Foto: wavebreakmedia/shutterstock.com) Eine Scoolz-Userin hat große Angst davor, in der Schule vor der ganzen Klasse lesen zu müssen (Foto: wavebreakmedia/shutterstock.com)

Eine Scoolz-Userin hat große Angst davor, in der Schule vor der ganzen Klasse lesen zu müssen. Sie wendet sich im Forum Gefühlssachen an Dr. Karin Anderson.

Dr. Karin Anderson lebt im US-Bundesstaat Maine. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin. Als Forenexpertin für Scoolz berät sie unsere User kostenlos. Wenn du unserer Expertin ein Problem schildern möchtest oder eine Frage stellen willst, tue dies jederzeit gerne in den Foren Gefühlssachen oder Help.

elena.maria fragt:

"Ich bin dieses Jahr nach Bayern umgezogen. In NRW, wo ich früher gewohnt habe, hatte ich keine Probleme mit dem Vorlesen. Aber als wir dieses Jahr ein Buch gelesen haben und ich wusste, dass ich als nächste drankomme, bin ich wahnsinig nervös geworden. Meine Stimme wurde zitterig und mein Herz hat angefangen zu rasen. Seitdem kann ich gar nicht mehr lesen. Und als ich mein Referat halten musste, hatte ich schon eine Woche davor Angst. Als ich es dann halten musste, war ich so nervös, dass ich nur ein bis zwei Minuten etwas erzählt habe.

Ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll. Letzte Woche, als wir eine Vertretungsstunde hatten, hatte ich so Angst, dass wir in einem Geschichtenbuch lesen, dass ich gesagt habe, dass es mir nicht gut geht und ich mich gerne abholen lassen würde. Morgen haben wir wieder Vertretungsstunde. Ich habe Angst, morgen in die Schule zu gehen, obwohl ich garnicht weiß, was wir morgen machen."

Dr. Karin Anderson antwortet:

"Hallo,
es gibt Situation, bei der ein einmaliger Vorfall einen Teufelskreis ängstlicher Erwartung auslöst, der sich bei jeder Wiederholung dieser Situation verstärkt. Grundlage dafür ist mangelndes Selbstvertrauen, das ein an sich harmloses Ereignis, das jedem einmal passieren kann, zu einer großen Peinlichkeit umdeutet. Aus einem Stolpern der Stimme beim Vorlesen in der Klasse wird dann ein Versagen, man fühlt alle Augen auf sich gerichtet und hat den Eindruck, sich vor allen abgrundtief blamiert zu haben.

Anstatt die Sache nicht so tragisch zu nehmen, oder gar selbst über das Stottern zu lachen, nimmt die vermeintliche Bloßstellung so furchteinflößende Dimensionen an, dass man nicht mehr objektiv sein kann und sich in sich selbst verkriecht. Da du innerlich auch nachher keine Distanz zu diesem Ereignis bekommen kannst, bleibt die Ängstlichkeit bestehen, weitet sich aus und wird schließlich zu einer Angst vor der Angst, d.h. nicht mehr der eigentliche Auslöser, das Vorlesen vor Publikum, schreckt dich am meisten, sondern die Vorstellung, wieder einen Angstanfall in aller Öffentlichkeit zu erleiden.

Du bist überkritisch mit dir selbst
Dabei sind es nicht deine Zuhörer, die überkritisch sind und aus einer kleinen Stolpermaus einen Blamage-Elefanten machen, sondern deine eigene Vorstellung. Du selbst kannst dir diesen vermeintlichen Fehler nicht verzeihen, du selbst findest, dass du versagt hast, nicht deine Klassenkameraden und Lehrer, die deine nicht so großartige Darbietung vielleicht einen Moment lang belustigend finden, aber dann nicht mehr daran denken - und ihm schon gar keine große Bedeutung beimessen!

Konfrontiere dich
Überwinden kannst du diese Angst nur durch Umdenken und Konfrontation. Sich mit seiner Angst zu konfrontieren, heißt, diese Situation nicht ängstlich zu vermeiden, sondern sie sogar aktiv zu suchen. Vorher mit den Lehrern über seine Angst vorm Vorlesen zu sprechen, ist hilfreich, weil sie dann verstehen, was die Ursache für dein Verhalten ist, und dir sicher Hilfestellung geben. Genauso hilfreich ist es, sich einem Freund oder einer Freundin in der Klasse zu offenbaren und mit ihr oder ihm zu vereinbaren, dass ihr Blickkontakt haben könnt, während du vorliest, sodass du in ein freundliches, ermunterndes Gesicht schaust, wenn du aufblickst.

Lachen entspannt
Und dann ist es auch eine gute Sache, im Vorwege der Situation die Schärfe zu nehmen, indem du eine scherzhafte Bemerkung machst, bevor du mit dem Lesen anfängst, etwa: "Wundert euch nicht, wenn ich ein bisschen stottere". Gib dann eine lustige Begründung, die die anderen zum Lachen bringt. Wenn freundlich gelacht wird, sind alle, du eingeschlossen, automatisch entspannt und du hast mehr Distanz.

Übung macht den Meister
Üben ist auch wichtig. Wer selten laut liest, ist es einfach nicht ausreichend gewöhnt und neigt viel mehr dazu zu stolpern und Fehler zu machen. Am besten ist es, dich dabei aufzunehmen, wenn du einen Text liest. Dann kannst du die Aufnahme abspielen und hören, woran es fehlt. Das langsame, betonte Lesen ist ein sehr entscheidender Punkt. Wer langsam liest, spricht deutlicher, nuschelt weniger, versteht den Text selber besser und gerät daher seltener ins Stottern.

Ausreden ziehen nicht
Das Schlimmste, was du tun kannst, ist es, dich deinen Ängsten nicht zu stellen, die Situation mit allen Mitteln und Ausreden zu vermeiden und niemanden ins Vertrauen zu ziehen. Dann wird die Angst nicht besser, sondern verstärkt sich und kann dich schließlich so behindern, dass nur noch der Weg zum Verhaltenstherapeuten hilft.
LG, Dr. Karin Anderson"

[TK]

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