Sprechstunde

Borderline-Syndrom?

published: 26.07.2013

Borderline ist die Bezeichnung für eine Persönlichkeitsstörung, die durch Impulsivität und Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, Stimmung und Selbstbild gekennzeichnet ist (Foto: Photographee.eu/shutterstock.com Borderline ist die Bezeichnung für eine Persönlichkeitsstörung, die durch Impulsivität und Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, Stimmung und Selbstbild gekennzeichnet ist (Foto: Photographee.eu/shutterstock.com

Alex hängt durch und weiß nicht, wie es weitergehen soll. Im Forum Gefühlssachen nimmt sich Dr. Karin Anderson, unsere Foren-Expertin, des Problems an.

Dr. Karin Anderson lebt im US-Bundesstaat Maine. Sie ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie und hat eine Zusatzausbildung für psychotherapeutische Medizin. Als Forenexpertin für Scoolz berät sie unsere User kostenlos. Wenn du unserer Expertin ein Problem schildern möchtest oder eine Frage stellen willst, tue dies jederzeit gerne in den Foren Gefühlssachen oder Help.

Alex fragt:

Hallo! Mein Name ist Alex und ich hab mir jetzt einige Beiträge durchgelesen, bevor ich beschlossen habe, mich zu trauen, meine eigenen Probleme hier zu posten. Ich bin seit einem Jahr auf Borderline diagnostiziert. Falls jemand nicht weiß, was das bedeutet: "Borderline ist die Bezeichnung für eine Persönlichkeitsstörung, die durch Impulsivität und Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, Stimmung und Selbstbild gekennzeichnet ist." (Wikipedia)

Und jetzt zu meinem Problem. Ich komm mit meinen Leben zurzeit garnicht weiter. Ich hänge in der Schule durch, die ich gerade erst wieder angefangen habe, weil ich wegen eines Psychatrieaufenthalts unterbrechen musste. Ich fühl mich, obwohl ich regelmäßig in Therapie gehe, eigentlich immer kaputter. Und ja, habe seit Oktober keine Medikamente gegen mein Stimmungstief mehr genommen, weil ich wie ferngesteuert war, wie ein Zombie und so möchte ich nicht leben.

Am meisten stört mich, dass ich anscheinend verlernt habe zu weinen. Ich weiß selbst nicht, wie das funktionieren soll. Ich kann es einfach nicht mehr. Ich habe früher oft geweint, aber nur ein paar Tränen, und dann habe ich es unterdrückt. Aber jetzt verliere ich keine Träne mehr. Nicht bei den traurigsten und schlimmsten Dingen. Und in meinen Kopf ensteht ein Druck, bei dem ich mir einbilde, ich würde ihn nur durch Weinen wegbekommen. Aber ich schaffe keine Träne. Ich weiß nicht mehr, wie ich weitermachen soll..."

Dr. Karin Anderson antwortet:

Hallo Alex,
ich kann zu deiner Frage nur ganz allgemein Stellung nehmen, weil ich ja nur wenige Informationen über dich habe, und auch nicht weiß, wie alt du bist, und ob Junge oder Mädchen. Ich bin grundsätzlich kein Freund von solch eindeutigen psychiatrischen Diagnosen im Jugendlichenalter, und in den psychiatrischen Abteilungen, in denen ich als Ärztin gearbeitet habe, wurden sie auch nicht verwendet. Jugendliche machen während ihrer Entwicklung so viele Veränderungen durch, dass einordnende Diagnosen, die für Erwachsene angebracht sind, so jungen Menschen oft nicht wirklich gerecht werden, oder sogar einer vorzeitigen Abstempelung gleichkommen. Du leidest zweifellos unter einer depressiven Verstimmung und deine Unfähigkeit, Tränen zu vergießen, auch wenn die Situation wirklich zum Weinen wäre, ist auch ein typisches Symptom eines solchen Stimmungstiefs.

Hast du mit deinem Therapeuten und behandelndem Arzt das Absetzen des antidepressiven Medikaments eigentlich abgesprochen? Ich kann zwar gut verstehen, dass du dich nicht immer wie unter Medikamenteneinfluss fühlen möchtest, aber ein völliges Weglassen deiner Tabletten kann zu gefährlichen Stimmungsabstürzen führen. Dein behandelnder Arzt hätte doch sicher auch ein Medikament mit weniger dämpfenden Nebenwirkungen für dich finden können. Es ist wirklich sehr wichtig, dass du über diese Gefühle mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten sprichst, denn sie oder er kennen dich und wollen dir dabei helfen, dein Tief zu überwinden und dein Leben positiv zu verändern. Solche Prozesse brauchen aber Zeit, und erfordern Mut und Kraft, aber vor allem auch viel Geduld und den Willen, durchzuhalten.

Deine Schulschwierigkeiten sind sicher belastend, und ich hoffe, dass deine Lehrer über dein Problem informiert und bereit sind, dir die notwendige Hilfestellung und Unterstützung zu geben und Geduld mit dir zu haben. Ich kann dich daher nur sehr ermutigen, weiter durchzuhalten, nicht aufzugeben, auch wenn alles zeitweilig keinen Sinn zu machen scheint. Die mühselige Arbeit an dir selbst lohnt sich ganz bestimmt, und in deinem Alter können seelische Schwierigkeiten meiner Erfahrung nach meist besser und auch schneller überwunden werden, als bei Leuten, die älter sind und bei denen sich das Leben bereits in festgefahrenen Gleisen abspielt.
LG, Dr. Karin Anderson

[TK]

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