TK-Studie zur Medienkompetenz Jugendlicher

Krank durch zu viel Internet?

published: 02.09.2014

Die Techniker Krankenkasse hat eine bundesweite, repräsentative Studie zum Onlineverhalten junger Menschen vorgestellt (Grafik:Techniker Krankenkasse) Die Techniker Krankenkasse hat eine bundesweite, repräsentative Studie zum Onlineverhalten junger Menschen vorgestellt (Grafik:Techniker Krankenkasse)

Wenn Jugendliche vier bis fünf Stunden am Tag am Computer sitzen, werden sie dadurch nicht unbedingt schlauer, sondern vielmehr eher krank. Das legen die Ergebnisse einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK) nahe. Die Studie beruht auf einer repräsentativen Umfrage, für die das Meinungsforschungsinstitut Forsa 1.000 Eltern zum Mediennutzungsverhalten ihrer zwölf- bis 17-jährigen Kinder befragt hat. Die Studie ist Teil einer neuen Kampagne zur Medienkompetenz, die die TK am 3. September in Berlin vorstellte. Ebenfalls präsentiert wurde der Film "Jugend 3.0 - mit Sicherheit im Netz".

Mein Smartphone, mein Computer

Laut der Erhebung nutzen fast 80 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen soziale Medien mit dem eigenen Smartphone. Jungs spielen online mehr als Mädchen, Mädchen chatten dagegen mehr. 90 Prozent der jungen Leute nutzen das Internet nach Schätzungen der Eltern mehr als eine Stunde am Tag. 85 Prozent der Eltern glauben, die Kinder brauchten den Computer unbedingt für die Schule. Erst danach kämen die Nutzungszwecke chatten, Musik hören, Videos ansehen. Dass Kinder und Jugendliche neue Medien nutzen, sei auch gut so, betonte Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. "Wir möchten aber eine Diskussion dazu anstoßen, wie Kinder und Jugendliche zu einem gesunden Umgang mit digitalen Medien kommen."

Fast 80 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen besitzt ein eigenes Smartphone (Grafik: Techniker Krankenkasse)Fast 80 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen besitzt ein eigenes Smartphone (Grafik: Techniker Krankenkasse)

Heiko Schulz, Psychologe bei der TK, sagte: "Die Umfragedaten zeigen, dass Kinder, die laut ihrer Eltern deutlich zu viel online sind, auch stärker von gesundheitlichen Belastungen betroffen sind. Der Anteil der Jugendlichen, die unter Stress, Konzentrations- und Schlafstörungen leiden, ist bei den Extremsurfern deutlich höher."

Eltern sollten die oft verhandene technische Kompetenz ihrer Kinder nicht mit inhaltlicher Kompetenz verwechselt, hob Baas hervor. Die Umfrage zeige, dass ein Drittel der Eltern nicht wisse, was die Kinder im Internet machen. 60 Prozent der Eltern setzten kein Online-Zeitlimit, so Baas. 30 Prozent hätten keine Absprache über Inhalte. Je jünger die Eltern seien, desto häufiger gebe es Absprachen.

Bewegung bleibt auf der Strecke

Nur ein Fünftel der Mädchen und etwa ein Drittel der Jungen bewegen sich laut der Umfrage mindestens eine Stunde am Tag. Diese Bewegungsarmut erhöht die Gefahr von Krankheiten. Der jungen Generation drohen dadurch u.a. Rückenprobleme und Haltungsschäden sowie Aufmerksamkeitsdefizitssyndrome.

Erfahrungen in der Wirklichkeit

Eltern sollen es ihren Kindern zwar erlauben, die neuen Medien zu nutzen, empfahl Filmemacher Holger Braack von schwarzbuntmedia. Er betonte aber, es sei wichtig, die Online-Besuche zeitlich und inhaltlich einzuschränken. Und es solle nicht das Verbieten im Vordergrund stehen. Wesentlich sei es, dem Nachwuchs Alternativen anzubieten. "Wer seine Erfahrungen in der realen Welt macht und Lebenskompetenz erwirbt, der lässt sie auch im Netz nicht so schnell für dumm verkaufen", so Braack. Interessen und Hobbys in der Wirklichkeit zu pflegen - beispielsweise eine Sportart oder gesellschaftliches Engagement auszuüben - sei der Schlüssel, damit aus den "Digital Natives" keine "Digital Naives" würden.

Der Film "Jugend 3.0 – mit Sicherheit im Netz" ist ab sofort als DVD bei der TK erhältlich und auf tk.de direkt anzusehen. Er soll eine Entscheidungshilfe für Eltern und Pädagogen mit Beispielen aus Familien und vielen Experteninterviews sein.

[Heike Kevenhörster mit Material derTK]

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