"Körperwelten"

Streit um Plastinaten-Dauerausstellung

published: 28.11.2014

Trägt die ganze Welt auf seinen Schultern - Körperwelten-Plastinat (Foto: Public Address) Trägt die ganze Welt auf seinen Schultern - Körperwelten-Plastinat (Foto: Public Address)

Seit 1996 touren die "Körperwelten" durch Deutschland: In immer neuen, teils skurrilen Posen setzt der "Plastinator" Gunther von Hagens Leichen und Leichenteile in Szene und sorgte damals für einen Empörungs-Sturm. 28 Ausstellungen fanden seitdem allein in Deutschland statt. Weltweit haben inzwischen über 40 Millionen Menschen die Plastinate gesehen, denn auch in anderen europäischen Ländern sowie den USA und Asien schickt von Hagens seine Toten auf Aufklärungstournee.

Derzeit macht die aktuelle, "Eine Herzenssache" genannte Plastinatensammlung in Nürnberg noch bis zum 11. Februar Station. Doch so recht will sich inzwischen niemand mehr aufregen: Die einstige Empörung ist begeisterter Zustimmung gewichen, die sich auch in steigenden Besucherzahlen ausdrückt. Und immer mehr Menschen werden "Körperspender" - sie stellen van Hagens Organisation nach ihrem Ableben ihre körperlichen Überreste zur Verfügung. Zuweilen steckt dahinter auch der Wunsch, als ausgestellte Plastikleiche unsterblich zu werden. Nicht wenige aber werden als Einzelteile in medizinischen Labors und naturwissenschaftlichen Museen ihre ewige Ruhe finden. Denn derzeit gibt es bereits 400 Plastinationslabors in 40 Ländern der Erde. Das Plastinieren ist "big business" geworden.

Körperwelten (22 Bilder)

Körperwelten
Körperwelten
Körperwelten
Körperwelten


Auch Gunther von Hagens, schwer von der Parkinson-Krankheit gezeichnet, wird sich nach seinem Ableben plastinieren lassen. Als postmortalen Aufenthaltsort hatte er für sich selbst ein "Körperwelten"-Museum vorgesehen, das gerade in Berlin unweit des Funkturms entsteht. Aber da der Berliner Bezirk Mitte eine solche Dauerausstellung mit Verweis auf das Bestattungsgesetz im September untersagt hatte, kommt es darüber nun am 16. Dezember zur Gerichtsverhandlung. Da mittlerweile auch Politiker und Kirchengemeinden gegen sein Museum protestieren, dürfte die Erfolgsgeschichte der "Körperwelten" weitergeschrieben werden: Denn nichts bringt mehr Besucher als kostenlose PR aus Empörung, Protesten und Gerichtsterminen.



[Karl Günter Rammoser]

Links

www.koerperwelten.com

Das könnte dich auch interessieren:

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung