Alkoholsucht

Gefangen im Rausch

published: 22.01.2008

Wenn man alkoholabhängig ist, dominiert die Sucht das gesamte Leben (Foto: Creativa Images/shutterstock.com) Wenn man alkoholabhängig ist, dominiert die Sucht das gesamte Leben (Foto: Creativa Images/shutterstock.com)

Ein guter Freund oder eine Bekannte von euch übertreibt es in letzter Zeit ständig mit dem Alkohol? Bei WG-Feiern, Uni-Partys oder abends in der Kneipe müsst ihr all eure Überredungskünste einsetzen, damit er oder sie nicht noch weiter abstürzt? Ein Glas Wein oder ein Bier gehören für viele zum geselligen Beisammensein dazu. Leider ist es auch nicht ungewöhnlich, dass einige zu solchen "Anlässen" kräftig über die Stränge schlagen.

Wer nicht mitzieht oder gar Bedenken anmeldet, gilt schnell als "Spaßbremse" oder "Spießer". Dagegen fällt es oft gar nicht auf, wenn jemand ernsthafte Probleme mit dem Trinken hat und langsam aber sicher in eine Sucht hineinrutscht. Doch wo fängt problematisches Konsumverhalten an und wie spricht man das Thema am besten an? Unikosmos hat einige hilfreiche Informationen für euch.

Genuss statt Gewöhnung
Gefährlich wird es, wenn die Ausnahme zur Regel wird. Wer regelmäßig kleinere Mengen trinkt, gewöhnt sich schnell an die tägliche Dosis – ein großer Schritt in Richtung Sucht ist damit bereits vollzogen. Bei den meisten Menschen läuten in diesem Stadium zum Glück die Alarmglocken und sie schränken ihren Konsum ein. Wird die Notbremse jedoch nicht gezogen oder der Zeitpunkt verpasst, ist die Grenze zur Abhängigkeit schnell überschritten.

Typisches Suchtverhalten
Eine Abhängigkeit besteht laut Weltgesundheitsorganisation erst, wenn zum regelmäßigen Konsum weitere Merkmale hinzukommen. Verspürt euer Freund eine Art Zwang, Alkohol zu trinken, und verliert immer wieder die Kontrolle über die Menge? Dies sind eindeutige Anzeichen für eine Sucht. Auch, wenn er immer größere Mengen trinken muss, um den ersehnten Rauschzustand zu erreichen, ist das ein bedenkliches Signal.

Vielleicht weiß er sogar schon, dass etwas nicht stimmt, und versucht immer wieder erfolglos, mit dem Trinken aufzuhören. Um der Versuchung zu widerstehen, meidet er die gemeinsame Stammkneipe oder schüttet sämtlichen Alkohol aus der Hausbar in die Toilette - nur um sich kurze Zeit später wieder einzudecken. Auch körperliche Entzugserscheinungen wie Zittern oder Schwitzen können eine Abhängigkeit signalisieren.

Die Gedanken eines Alkoholabhängigen kreisen ständig um "seine Droge" und um die Fragen, wann er das nächste Mal etwas trinken kann und ob noch genug Alkohol im Haus ist. Freundschaften, Hobbys oder Vorlesungen an der Uni sind für ihn weniger wichtig und werden vernachlässigt. Auch wenn ihr ihn darauf ansprecht, scheinen eure Einwände wirkungslos abzuprallen. Sie halten den Alkoholkranken wahrscheinlich nicht davon ab, wieder zur Flasche zu greifen.

Gift für den Körper
Alkohol ist ein Gift, das dem gesamten Körper schaden kann. Es schwächt das Immunsystem, sodass Betroffene häufiger an Infektionen erkranken. Die Leberwerte erhöhen sich, es kommt zur Leberverfettung oder schlimmstenfalls zur Leberzirrhose. Ein unausgeglichener Hormonhaushalt kann bei Männern zudem zu Impotenz führen. Weiterhin werden die Gehirnzellen stark geschädigt oder sie sterben ab, was bei einigen in einer Demenz endet. Andere Folgen sind Bluthochdruck oder Magengeschwüre.
Über kurz oder lang kann übermäßiges Trinken tödlich enden. Allein in Deutschland sterben nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums jährlich mehr als 40.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums.

Psychische und soziale Konsequenzen
Doch nicht nur körperlich hinterlässt die Sucht ihre Spuren, auch die Psyche leidet unter der Krankheit. So kämpfen Abhängige oft mit extremen Stimmungsschwankungen, Minderwertigkeitsgefühlen und zeigen depressive Verstimmungen. Häufig vermeiden in diesem Zustand sogar kontaktfreudige Personen, Freunde und Familie zu treffen. Auch äußerlich stellt sich eine Art "Verfall" ein. Unter Umständen kommen noch weitere Probleme wie Führerscheinentzug, nicht bestandene Prüfungen oder die Trennung vom Partner hinzu.

Nicht jeder wird abhängig
Es ist schwer zu erklären, warum ein Mensch abhängig wird und ein anderer nicht. Das berauschende Gefühl, das durch die Droge entsteht, scheint besonders für diejenigen verlockend zu sein, die in ihrem Alltag wenig angenehme Empfindungen haben - und auch keine Strategien kennen, auf natürlichem Wege positive Emotionen herzustellen.

Wer also beispielsweise permanentem Stress ausgesetzt ist, durch Freunde, Familie oder Bekannte wenig bestätigt wird und keine besonderen Interessen hat, neigt leichter dazu, sich durch einen Rausch schöne Momente zu verschaffen. Stellt sich erst einmal die Gewissheit ein, dass die Droge schneller Hochgefühle erzeugt als das reale Leben, ist die Versuchung groß, diesen vermeintlichen Erfolg zu wiederholen.

Unbedingt ansprechen
Wenn euch jemand mehrfach wegen seines übermäßigen Alkoholkonsums auffällt, ist es immer gut, denjenigen in einer ruhigen Minute darauf anzusprechen. Natürlich handelt es sich um ein sehr unangenehmes Thema. Vielleicht habt ihr Bedenken, einem Freund oder einer Freundin damit zu nahe zu treten. Trotzdem solltet ihr mit euren Sorgen nicht hinter dem Berg halten. Vielleicht hat er Probleme, die er mit dem Alkohol betäuben will, oder war sich seines extremen Verhaltens gar nicht bewusst.

Sorgt dafür, dass ihr ein Gespräch unter vier Augen führen könnt und schildert eure Beobachtungen und Sorgen sachlich und ruhig. Häufig streiten Abhängige ihre Sucht zunächst ab. Davon solltet ihr euch nicht irritieren lassen. Es ist wichtig, keine Verurteilungen oder Vorwürfe anzubringen. Nennt konkrete Beispiele, die euren Verdacht begründen und die Zeitspanne, seit wann ihr euch bereits Sorgen macht. Versucht, das Vertrauen des anderen zu gewinnen und bietet eure Hilfe an.

Hilfe von Fachleuten ist dringend nötig
Wer erkennt, dass sein Trinkverhalten problematisch ist, sollte sich unbedingt an Fachleute wenden. Bei vielen Drogen muss zunächst eine körperliche Entgiftung stattfinden, bevor die psychischen Probleme therapeutisch bearbeitet werden. Sowohl der Hausarzt als auch Suchtberatungsstellen unterstützen euch kostenlos dabei, geeignete Therapeuten zu finden und Entgiftungsbehandlungen zu vermitteln oder zu beantragen.

[Franzisca Teske]

Links

Infos zum Thema Sucht bei der TK

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