Meta-Studie

Übergewichtig durch Videospiele?

published: 12.06.2019

Kinder und Jugendliche, die viel Zeit mit Videospielen verbringen, sind nicht häufiger dick als ihre Altersgenossen. Dies ergab eine neue Metastudie (Foto: p_ponomareva/Shutterstock.com) Kinder und Jugendliche, die viel Zeit mit Videospielen verbringen, sind nicht häufiger dick als ihre Altersgenossen. Dies ergab eine neue Metastudie (Foto: p_ponomareva/Shutterstock.com)

Ein pummeliger Jugendlicher sitzt stundenlang auf dem Sofa mit dem Controller in der Hand, direkt daneben die fettigen Chips und die ungesunde Cola auf dem Couchtisch. So stellen sich viele Menschen einen typischen Gamer vor. Daher ist auch das Vorurteil, das intensives Spielen von Videospielen dick macht, weit verbreitet. Sind Menschen, die intensiv Computer spielen, wirklich häufiger übergewichtig und fettleibig? Eine Meta-Studie mit Beteiligung der Universität Würzburg ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis: Das Klischee stimmt nur zu einem geringen Teil – und auch nur bei Erwachsenen.

"Die Studienlage bei Kindern und Jugendlichen widerspricht dem Stereotyp, bei Erwachsenen gibt es kleine Zusammenhänge zwischen Computerspielen und Körpermasse", erklärt Professor Markus Appel, Kommunikationspsychologe an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg. Zusammen mit anderen Forschern hat er in einer Meta-Analyse insgesamt 20 aussagekräftige Studien mit mehr als 38.000 Teilnehmern ausgewertet. Der Zusammenhang zwischen Videospielen und Übergewicht bzw. Körpermasse zeigt sich nur in geringem Umfang. Lediglich ein Prozent des individuellen Übergewichts kann demnach durch die Zeit mit Videospielen erklärt werden.
 

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Kein Zusammenhang bei Kindern und Jugendlichen

Der Zusammenhang konnte nur bei Erwachsenen nachgewiesen werden, bei Kindern und Jugendlichen nicht. "Möglicherweise bleiben fettleibigere Personen beim Übergang ins Erwachsenenalter eher ihrem Hobby Videospielen treu, während für andere neue Freizeitangebote wichtiger werden", vermutet Appel.

In der Vergangenheit haben sich schon einige Forscherinnen und Forscher mit der Frage beschäftigt, inwiefern Videospiele und Übergewicht zusammenhängen. "Übergewicht und Fettleibigkeit werden meist mit Medienkonsum im Sitzen verbunden, wie Fernsehen oder nicht-aktive Videospiele", schreibt das Forscherteam in seiner aktuellen Studie, die im Fachmagazin "Social Science and Medicine" erschienen ist. Doch die einzelnen Untersuchungen kamen bislang zu unterschiedlichen Ergebnissen, daher der aktuelle Vergleich.
 

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Weniger Zeit beim Sport

Warum es zu dem Zusammenhang kommt? "Wir haben einen signifikanten indirekten Effekt gefunden, der zeigt, dass Menschen, die mehr Zeit mit Videospielen verbringen, auch weniger Zeit mit Sport verbringen und daher ein höheres Körpergewicht bzw. mehr Körpermasse haben", schreiben die Wissenschaftler. Andere Faktoren, wie eine ungesunde Ernährung vor der Spielekonsole oder Schlafmangel, konnten aufgrund zu weniger Studien nicht überprüft werden.

Die Forscher haben bei ihrer aktuellen Analyse lediglich nicht-aktive Videospiele berücksichtigt – also solche, die man im Sitzen spielen kann. Aktive Videospiele, zum Beispiel Wii-Sports oder Pokémon Go, bei denen Bewegung erforderlich ist, wurden bewusst nicht berücksichtigt.

[PA]

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