Sprechstunde mit Dr. Karin Anderson

Was tun gegen die Schweinegrippe?

published: 19.08.2009

Dr. Karin Anderson gibt Ratschläge, wie man am besten mit dem Infektionsrisiko der Mexiko-Grippe umgeht (Foto: Public Address)Dr. Karin Anderson gibt Ratschläge, wie man am besten mit dem Infektionsrisiko der Mexiko-Grippe umgeht (Foto: Public Address)

Ende April warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einer weltweiten Verbreitung der Grippe mit dem Erreger H1N1. Anfang Juni stufte sie die Virusinfektion auf die höchste Alarmstufe hoch. Spätestens seitdem beschäftigen sich die Medien, teilweise hysterisch, fast täglich mit der Influenza-Pandemie 2009. Ist das nur Panikmache? Welche Bedrohung besteht tatsächlich? Und wie verhält man sich am besten, damit man einer Ansteckung entgeht? Expertin Dr. Karin Anderson berät eine Unikosmos-Userin.

Unikosmos-Userin Silvia: "Sehr geehrte Dr. Karin Anderson, ich mache mir Sorgen wegen der Schweinegrippe. Ist es besser, jetzt nicht mehr mit Bus und Bahn zu fahren, weil man sich da leicht anstecken kann? Es kommt dort schließlich ständig vor, dass da jemand niest oder hustet. Ich möchte meine Mitbewohner jetzt auf keinen Fall mit so etwas anstecken, weil die beide in drei Wochen eine wichtige Prüfung haben. Natürlich habe ich auch selber keine Lust auf die Schweinegrippe. Wie gefährlich ist die eigentlich, wenn man ansonsten jung und gesund ist? Und wie verhält man sich, damit man nicht angesteckt wird? Silvia"

Dr. Karin Anderson: "Liebe Silvia, Das H1N1-Virus ist aus einer Verbindung von vier verschiedenen Influenza-A-Virenarten entstanden, zwei davon Schweineviren, eins ist ein Vogel-, das vierte ein Menschengrppevirus. Derartige Mutationen und der Transfer auf einen anderen Wirt werden dadurch begünstigt, dass in bestimmten Gegenden Menschen und Tiere auf engstem Raum miteinanderleben. Offenbar ist Mexico der Ursprungsort des H1N1-Virus.

Da sich Symptome und Verlauf der Erkrankung in den meisten Fällen nicht von einer "normalen", saisonalen Grippe unterscheiden, konnte sich die Erkrankung so rasch verbreiten, dass bei ihrer Entdeckung Sicherheitsmassnahmen an den Ländergrenzen keinen Sinn mehr machten.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Grippe erkranken an diesem neuen Influenza-Virus vor allem jüngere, gesunde Menschen. Ältere Leute sind nämlich im Lauf ihres Lebens häufiger mit den verschiedenartigsten Grippeviren in Kontakt gekommen und verfügen daher über eine besser Immunabwehr.

Wie jede Grippe ist die Schweinegrippe eine Tröpfcheninfektion, virushaltige Tröpfchen werden durch Husten und Schnupfen von Mensch zu Mensch verbreitet. Die Erkrankung geht meist mit Fieber, Schnupfen, Halsschmerzen, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen einher und dauert etwa eine Woche.

Grippeinfekte häufen sich bekannterweise in der kalten Jahreszeit. Experten vermuten daher, dass ab Herbst die Erkrankungshaeufigkeit rapide zunehmen wird. Es wird fieberhaft daran gearbeitet, einen Impfstoff zu entwickeln, denn bisherige Grippeimpfstoffe sind gegen das H1N1-Virus wirkungslos.
Bisher sind die meisten Infektionen relativ mild verlaufen. Todesfälle hat es vor allem bei solchen Leuten gegeben, die bereits an Vorerkrankungen litten oder deren Immunabwehr geschwächt war. Je mehr Menschen aber zur gleichen Zeit erkranken, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Mutation. Die größte Sorge, die sich Experten wegen der Schweinegrippe machen, gilt daher nicht so sehr der bislang verbreiteten Form des H1N1-Virus, sondern einer möglichen Mutation in eine sehr viel gefährlichere Form der Influenza A. Die sogenannte Spanische Grippe, die Anfang des 20. Jahrhundert so viele Todesopfer forderte, war beispielsweise so eine Mutation eines bis dahin relativ harmlosen Grippevirus.

Händewaschen!

Als empfehlenswerte Verhaltensmassregeln gelten einstweilen:
1. Wer an grippeähnlichen Symptomen erkrankt, sollte zuhause bleiben! In der Schule, Uni, bei der Arbeit oder an Orten, wo sich viele Menschen aufhalten, kann er leicht andere anstecken.

2. Da sich das Virus über Tröpfchen verbreitet, sollte man nicht ungebremst in der Gegend herumhusten oder schnauben, sondern ein Taschentuch oder die Hand davorhalten, die Hände möglichst oft waschen und anderen nicht die Hand geben. In Grippezeiten empfielt es sich sowieso, aufs Händeschütteln möglichst zu verzichten!

Jetzt bereits nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, ist sicher nicht besonders praktisch und möglicherweise auch gar nicht durchführbar. Falls sich ein schnupfender, hustender Mensch in deiner Naehe befindet, ist dein bester Schutz das häufige Händewaschen, falls du etwas angefasst hast, was mit Virentröpfchen kontaminiert sein könnte (z. B. Türklinken, Handgriffe).

Als mögliche Gefahrenherde gelten Orte, an denen in kurzer Zeit sehr viele Menschen aus verschiedensten Gegenden der Welt aufeinandertreffen, wie etwa Flughäfen. Daher ist eine Flugreise sicherlich um einiges bedenklicher als eine Fahrt daheim mit dem Bus.

Wenn der H1N1-Impfstoff zur Verfügung steht, soll er, jedenfalls nach einer Empfehlung der amerikanischen Gesundheitsbehörde, zunächst an die am meisten gefährdeten Gruppen (Schüler, Studenten und Krankenhauspersonal) abgegeben werden. Aber einstweilen gibt es diesen Impfstoff noch nicht und du solltest dich an die normalen Verhaltensregeln halten, die für jede Grippeerkrankung gelten. LG, Dr. Karin Anderson."

[TK]

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