DSO-Interview

"Aufklärung ist das Stichwort"

published: 09.11.2009

Medizinstudentin Katharina Burger-Scheidlin arbeitet als studentische Hilfskraft bei der DSO (Foto: Privat)Medizinstudentin Katharina Burger-Scheidlin arbeitet als studentische Hilfskraft bei der DSO (Foto: Privat)

Die Medizinstudentin Katharina Burger-Scheidlin kennt sich mit dem Thema Organspenden gut aus. Seit 2007 arbeitet die 26-Jährige als studentische Hilfskraft bei der DSO, der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Die Organisation kümmert sich bundesweit um die Koordination von Organspenden und arbeitet eng mit Eurotransplant zusammen, der europäischen Vermittlungsstelle für Organspenden, die im niederländischen Leiden ihren Sitz hat.

In Hannover, wo Burger-Scheidlin an der medizinischen Hochschule im siebten Semester Medizin studiert, arbeitet sie vor allem im logistischen Bereich der DSO. Hier sammelt sie nicht nur wertvolle Erfahrungen für ihren späteren Beruf, sondern erfährt hautnah, wie Organspenden Menschenleben retten. Logisch, dass die gelernte Krankenschwester selbst seit vielen Jahren einen Organspendeausweis besitzt.

Leider ist die Bereitschaft zu einer Organspende in Deutschland immer noch deutlich geringer als der Bedarf an Spenderorganen wie Niere, Herz, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Wie man das ändern könnte, weiß die angehende Ärztin schon jetzt.


Welche Tätigkeiten üben Sie bei der DSO aus?
Katharina Burger-Scheidlin: "Wenn die Hauptmitarbeiter nicht da sind, besetzen wir das Büro. Vor allem nachts. Die Krankenhäuser melden sich bei uns, wenn sie potentielle Spender haben, und wir stellen dann den Kontakt zu unseren Dienst habenden Koordinatoren her. Ansonsten organisieren wir viele Transporte, etwa von Laborproben, wenn es zu einer Entnahme kommt, oder die Organ-Transporte für die medizinische Hochschule. Wenn beispielsweise aus Brüssel eine Leber kommt, treten wir mit den zuständigen Zentren in Kontakt und organisieren einen Flug."
 
Haben Sie direkten Kontakt mit den Patienten?
"Es kommt vor, dass sie bei uns anrufen, wenn es zum Beispiel um Transplantiertentreffen geht. Sonst aber eher nicht."
 
Hat die Tätigkeit bei der DSO Ihre Einstellung zum Thema Organspende verändert?
"Verändert nicht direkt, eher positiv verstärkt. Ich habe schon seit vielen Jahren einen Organspendeausweis. Ich fand das schon immer wichtig und gut. Jetzt habe ich einen genaueren Einblick, wie das alles läuft, und bin noch überzeugter als vorher."
 
Die Bereitschaft zur Organspende ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern relativ gering. Was glauben Sie, woran das liegt?
"Ich glaube, dass das ein Thema ist, mit dem man sich einfach nicht gerne beschäftigt. Das ist mit Patientenverfügungen ähnlich. Die Leute setzen sich nicht gerne mit dem Thema Sterben auseinandersetzen und machen sich deshalb keine Gedanken, was mit ihnen und ihren Organen nach ihrem Tod passieren soll."
 
Was könnte man tun, damit die Spendebereitschaft in Deutschland zunimmt?
"Aufklärung ist das Stichwort. Es wird schon einiges getan: Gerade im letzten Jahr war das Thema viel in Talkshows und generell in den Medien vertreten. Vielleicht kann man ein bisschen mehr Transparenz in den Prozess bringen. Viele Leute haben gar keine Vorstellung, wie das abläuft: dass wirklich unabhängige Ärzte ins Krankenhaus fahren, um den Hirntod festzustellen, und vorher keine Organentnahme stattfindet. Diese Fakten sind für uns selbstverständlich, aber sie haben sich in der Bevölkerung noch nicht herumgesprochen."
 
Gibt es Vorbehalte, mit denen Sie täglich zu tun haben?
"Die Leute haben Angst, dass sie noch nicht richtig tot sind und als Organspender missbraucht werden. Hier geht es um die Frage der Hirntod-Definition."
 
Was könnte im Ablauf, speziell in Deutschland, beim Thema Organspende verbessert werden?
"Es würde vieles erleichtern, wenn mehr Leute einen Organspendeausweis hätten, und man genau wüsste, wie sie zu dem Thema stehen - selbst wenn sie einer Spende nicht zustimmen. Denn das habe ich jetzt schon häufiger erlebt: Es gibt Verzögerungen, weil die Angehörigen in dieser Situation völlig überfordert sind. Das ist ja auch verständlich: Man verliert einen Angehörigen und wird dann vor diese Entscheidung gestellt, mit der man sich noch nicht auseinandergesetzt hat. Das ist ein häufiger Grund, weshalb Spenden nicht zustande kommen. Es wäre für alle Beteiligten einfacher, wenn sich der Betreffende vorher darüber Gedanken gemacht hätte."
 
In einigen Ländern wie in Österreich gibt es eine Widerspruchslösung. Dort ist jeder so lange potenzieller Organspender, bis er sich schriftlich dagegen entscheidet. Was halten Sie davon?
"Die Regelung finde ich sehr gut. So ist zumindest jeder einmal dazu angehalten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Jeder hat den freien Willen zu sagen: ‚Nein, das möchte ich nicht.’ Wenn sich jemand damit aktiv auseinander gesetzt hat und sich informiert dafür entscheidet, keine Organe zu spenden, kann er das tun."

Mehr Informationen zum Thema Organspende gibt es bei der DSO und auf www.fuers-leben.de .
Nährere Informationen zum Organspende-Dialog 2009 der Techniker Krankenkasse gibt es hier.


[PA]

Links

www.dso.de
www.fuers-leben.de

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